Verkürzung der Basisausbildung allein löst die Wartezeiten nicht

Wien (OTS) – Die angekündigte Verkürzung der Basisausbildung von neun
auf sechs
Monate wird von der Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und
Ärzte in Wien als Beitrag zur Modernisierung der ärztlichen
Ausbildung begrüßt. Die Maßnahme wird jedoch das eigentliche Problem
der Jungärztinnen und -ärzte in Wien nicht lösen: den massiven Mangel
an Ausbildungsstellen und die daraus resultierenden Wartezeiten.

„Seit Jahren wird angesichts des Ärztemangels gefordert, mehr
Studienplätze für Humanmedizin zu schaffen und mehr junge Menschen
für den Arztberuf auszubilden. Gleichzeitig müssen Absolventinnen und
Absolventen nach Abschluss ihres Studiums jedoch immer länger auf den
Einstieg in ihre praktische Ausbildung warten. In Wien betragen die
Wartezeiten auf eine Basisausbildungsstelle mittlerweile bis zu 16
Monate“, sagt Anna-Christina Bernd, 2. stellvertretende Obfrau der
Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.

„Die öffentliche Debatte erweckt den Eindruck, als würden die
Wartezeiten allein dadurch verschwinden, dass die Basisausbildung
künftig drei Monate kürzer dauert. Das ist eine gefährliche
Verkürzung der Realität“, stellt Bernhard Schönthoner, Obmann der
Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, fest.
„Ob eine Abteilung sieben oder fünf Basisärztinnen und -ärzte
beschäftigt, entscheidet letztlich der Dienstgeber. Solange nicht
ausreichend Ausbildungsstellen geschaffen werden, wird auch eine
verkürzte Basisausbildung das Problem nicht nachhaltig lösen.“

Die Sektion weist darauf hin, dass die Zahl der tatsächlich
besetzten Ausbildungsstellen ausschließlich von den jeweiligen
Trägern und Krankenhausträgerorganisationen abhängt. Zwar können
Ausbildungsstellen bewilligt werden, verpflichtende Mindestzahlen
existieren jedoch nicht.

„Wir brauchen endlich eine valide und transparente Bedarfsplanung
für Wien“, fordert Sara Zejnilovic, 1. stellvertretende Obfrau der
Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. „In
den vergangenen Jahren wurden im Rahmen von Sparmaßnahmen zahlreiche
Ausbildungsstellen nicht nachbesetzt. Das hatte den Vorteil, dass
kein bestehendes Personal gekündigt werden musste, führte aber
gleichzeitig dazu, dass immer mehr Jungärztinnen und -ärzte auf ihren
Berufseinstieg warten mussten.“

Die Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in
Wien fordert daher verbindliche Mindestzahlen an Ausbildungsstellen
pro Träger und Standort sowie eine langfristige Finanzierung dieser
Plätze.

„Es ist vollkommen absurd, einerseits ständig nach mehr
Studienplätzen zu rufen und andererseits nicht sicherzustellen, dass
Absolventinnen und Absolventen anschließend überhaupt ihre Ausbildung
beginnen können“, betont Lisa Leutgeb, 1. Stellvertretende Obfrau der
Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.
„Der eigentliche Engpass befindet sich längst nicht mehr an den
Universitäten, sondern an der Schnittstelle zwischen Studium und
Ausbildung. Wer den Ärztemangel ernsthaft bekämpfen will, muss dort
ansetzen.“

Die Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in
Wien appelliert daher an Bund, Länder und Krankenhausträger, die
Diskussion über die Reform der Basisausbildung um die entscheidende
Frage der Ausbildungsplatzplanung zu erweitern. „Nur ausreichend
finanzierte und verpflichtend vorgehaltene Ausbildungsstellen können
die Wartezeiten für Jungärztinnen und -ärzte nachhaltig verkürzen und
den dringend benötigten ärztlichen Nachwuchs rascher in die
Versorgung bringen“, betont Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident
und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und
Ärzte in Wien.