Philanthrop:innen bündeln Kräfte für mehr Wirkung im Gemeinwohl und starten „Initiative Philanthropie“

Wien (OTS) – Mit einem Hintergrundgespräch am 10. Juni fiel der
offizielle
Startschuss für die „Initiative Philanthropie“ – ein Zusammenschluss
heimischer Philanthrop:innen mit rund 20 gemeinnützigen
Organisationen und Verbänden. Im Zentrum steht die gemeinsame
Überzeugung, dass sich die wachsenden gesellschaftlichen
Herausforderungen – auch vor dem Hintergrund knapper werdender
öffentlicher Ressourcen – nur mit einer starken Zivilgesellschaft und
sektorenübergreifender Zusammenarbeit nachhaltig bewältigen lassen.

Ob Armutsbekämpfung, Klima- und Umweltschutz oder die Förderung
von Bildung und Forschung: Neben den unverzichtbaren kleinen und
mittleren Spenden aus der Bevölkerung gewinnen größere
philanthropische Beiträge zunehmend an Bedeutung im österreichischen
Spendengefüge. Dabei geht es verstärkt um langfristig angelegte
Verantwortung und nachhaltige Wirkung über Generationen hinweg. Unter
anderem über gemeinnützige Stiftungen schafft philanthropisches
Engagement verlässliche Strukturen, die gesellschaftliche Innovation
und Gemeinwohl dauerhaft fördern können. Die „Initiative
Philanthropie“ will diesen wachsenden Beitrag für das Gemeinwohl
sichtbarer machen und mehr Menschen zu wirkungsvollem Engagement
motivieren.

Zwtl.: Breite Spendenbasis in Österreich – mit wachsender Bedeutung
großer Beiträge

In puncto Beteiligung der breiten Bevölkerung am Spenden, zählt
Österreich zu den führenden Spendennationen der Welt: 79% der
Menschen im Land haben im Vorjahr für gemeinnützige Zwecke gegeben.
Damit haben sie wesentlichen Anteil am Spendenaufkommen von insgesamt
1,07 Mrd. Euro. Der Großteil stammt aus vielen kleinen und mittleren
Beiträgen: Fast 81% der steuerlich abgesetzten Spenden liegen unter
200 Euro. Parallel dazu gewinnt philanthropisches Engagement
vermögender Menschen zunehmend an Relevanz. „Laut aktuellen Analysen
stammen rund 5% der privaten Mittel für das Gemeinwohl aus
Zuwendungen über 50.000 Euro. Dieser Anteil verdeutlicht: Neben der
breiten und unverzichtbaren Spendenbasis der Bevölkerung entsteht
eine zusätzliche, wachsende Säule der Gemeinwohlfinanzierung durch
philanthropische Beiträge“ , so Ruth Williams , Geschäftsführerin
Fundraising Verband Austria, die darauf hinweist, dass sich seit 2023
ist eine deutliche Zunahme von Großspenden im Millionenbereich
beobachten lässt. „Auch der gemeinnützige Stiftungssektor verzeichnet
eine dynamische Entwicklung“, betont Günther Lutschinger ,
Geschäftsführer Verband für gemeinnütziges Stiften: „2025 markierte
ein Rekordjahr für den gemeinnützigen Stiftungssektor – sowohl in
puncto Neugründungen als auch bei den Ausschüttungen, die rund 150
Millionen Euro betrugen.“

Zwtl.: Kultur der Philanthropie noch mit Entwicklungspotential

Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt philanthropisches Geben
in Österreich im internationalen Vergleich noch unter seinen
Möglichkeiten. Gründe dafür sind historisch gewachsene strukturelle
Hürden ebenso wie eine zurückhaltende Kultur des großen Gebens.
Vor diesem Hintergrund wurde die „Initiative Philanthropie“ ins Leben
gerufen. Sie versteht sich als Plattform für Dialog, Vernetzung und
Inspiration rund um philanthropisches Geben. Ziel ist es, die
gesellschaftliche Wahrnehmung philanthropischen Engagements zu
stärken, neue Formen der Zusammenarbeit zu fördern und zusätzliche
private Mittel für gemeinnützige Anliegen zu mobilisieren. Getragen
wird die Initiative von heimischen Philanthrop:innen gemeinsam mit
rund 20 Organisationen und Verbänden aus dem gemeinnützigen Sektor,
darunter der Fundraising Verband Austria sowie der Verband für
gemeinnütziges Stiften. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Austausch
zwischen Philanthrop:innen selbst: Niederschwellige Begegnungsräume,
Peer-Learning und gegenseitige Unterstützung wurden bereits in einer
grundlegenden Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) als
zentrale Hebel für eine stärkere philanthropische Kultur
identifiziert.

Zwtl.: Aktive Philanthrop:innen im Mittelpunkt der Initiative

Zu den philanthropischen Persönlichkeiten hinter der neuen
Initiative zählt Samira Rauter , die sich gemeinsam mit ihrem Mann
Hermann Rauter in verschiedenen Stiftungen und Bildungsinitiativen
engagiert. Die PeopleShare Foundation unterstützt weltweit Projekte
zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Im Rahmen von
BildungTomorrow werden Bildungsinnovationen identifiziert und
gefördert. Darüber hinaus ist Samira Rauter Co-Gründerin des Hauses
der Philanthropie Wien, das Kooperation, Co-Kreation und
gesellschaftliche Innovation zusammenführt, um nachhaltige Antworten
auf soziale Herausforderungen zu fördern.
„Für mich bedeutet Philanthropie die Liebe zum Menschen. Es geht
darum, ob man bereit ist, Zeit, Energie oder finanzielle Mittel
einzusetzen, um positive Veränderungen zu ermöglichen. Der Staat kann
vieles leisten, aber nicht alle gesellschaftlichen Herausforderungen
alleine lösen. Private Initiativen können dort unterstützen, wo
Lücken entstehen oder neue Ideen gebraucht werden. Wichtig ist uns
dabei, gemeinsam mit bestehenden Strukturen Verbesserungen zu
ermöglichen. Deshalb fördern wir Projekte, die langfristig Wirkung
entfalten können und möglichst viele Menschen erreichen, insbesondere
in den Bereichen Bildung und humanitäre Hilfe für Kinder und
Jugendliche“ , gibt Samira Rauter Einblick.

Ebenfalls ein Fürsprecher der „Initiative Philanthropie“ ist
Siegfried Stepke , Gründer und Eigentümer von e-dialog sowie Impact
Investor und strategischer Beirat mit Fokus auf zukunfts- und
gemeinwohlorientierte Wirtschaft und gesellschaftliche Innovation.
Mit der Neue Wege Privatstiftung engagiert er sich unter anderem in
den Bereichen Bildung, Integration, Female Entrepreneurship und
soziale Teilhabe. Dabei unterstützt er sowohl gemeinnützige Projekte
als auch Unternehmen mit messbarer gesellschaftlicher Wirkung.
„Für mich bedeutet Philanthropie vor allem, Menschen und Projekte zu
unterstützen, die einen positiven Beitrag für die Gesellschaft
leisten. Dafür braucht es kein Millionenvermögen. Man kann auch mit
Zeit, Wissen oder persönlichem Einsatz philanthropisch handeln. Ich
finde es sinnvoll, Kapital dort einzusetzen, wo daraus
gesellschaftlicher Nutzen entsteht. Geld ist für mich auch eine Form
von Energie – die Frage ist, wohin man sie lenkt. Dabei geht es nicht
nur ums Anlegen, Investieren oder Spenden, sondern auch um
Unterstützung durch Zeit, Erfahrung, Mitdenken und Mitwirken“ , so
Siegfried Stepke.

Zwtl.: Über philanthropisches Geben in Österreich

Historisch tief verankert, reicht die Tradition des
gemeinwohlorientierten Gebens bis in frühe Hochkulturen zurück und
ist eng mit gesellschaftlicher Verantwortung und kultureller
Entwicklung verbunden. In Österreich erreichte das gemeinnützige
Stiftungswesen im 19. Jahrhundert seine Blütezeit – geprägt durch
Unternehmerpersönlichkeiten wie Karl Wittgenstein. Im 20. Jahrhundert
wurde der philanthropische Sektor durch die Weltwirtschaftskrise und
das NS-Regime weitgehend zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg
erschwerte das Notverstaatlichungsgesetz von 1946 den Aufbau eines
lebendigen philanthropischen Marktes über Jahrzehnte. Erst ab den
1980er Jahren kam es zu einer schrittweisen Wiederbelebung. „Heute
stehen rund 1.000 gemeinnützige Stiftungen und Fonds im Einsatz für
das Gemeinwohl. Sie tragen rund 12% zum österreichischen
Spendenaufkommen bei und ihre Bedeutung wächst im Fahrtwind der
Gemeinnützigkeitsreform weiter“ , erklärt Günther Lutschinger, der
gleichzeitig die nach wie vor ineffiziente Bürokratie bei
Stiftungsgründungen kritisiert: „Anders als bei Vereins- oder GmbH-
Gründungen, müssen bei einer Stiftungsgründung nach derzeitiger
Gesetzgebung drei verschiedene Behörden aktiv werden:
Landesstiftungsbehörden, Finanzamt und Finanzprokuratur. Ein
mehrmonatiges Prozedere, das Philanthrop:innen den Einsatz für
Gemeinwohlanliegen erschwert.“

„Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit
lassen sich am besten im Zusammenspiel aller Kräfte bewältigen:
Privatpersonen, NPOs, Stiftungen, Unternehmen, Wissenschaft und
öffentliche Hand. Philanthropie kann dabei eine wichtige
Brückenfunktion einnehmen – als Impulsgeberin, als Ermöglicherin von
Innovation und als Partnerin im gemeinsamen Ziel, nachhaltige
Lösungen zu entwickeln und langfristig abzusichern. Die Initiative
Philanthropie setzt genau hier an. Unter dem Leitmotiv PHIL GELD.
PHIL GUTES soll Philanthropie in Österreich nicht nur als finanzielle
Ressource verstanden werden, sondern als gestaltende, kooperative
Kraft für eine zukunftsfähige Gesellschaft“ , betont Ruth Williams
abschließend.

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