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Österreichisches Onkologie Forum appelliert: Klinische Forschung ist unverzichtbar für die onkologische Regelversorgung

Wien (OTS) – – Klinische Forschung ist nicht Zusatzangebot einzelner
akademischer
Zentren, sondern grundlegender Bestandteil der onkologischen
Versorgung in der Breite

– Teilnehmende Patient:innen erhalten früher Zugang zu innovativen
Therapien und intesivere Betreuung durch Studienteams – auch
Gesundheitsbudgets werden entlastet

– Zahl der klinischen Studien in den letzten Jahren aber dramatisch
gesunken, und Bereitschaft für Studienteilnahme im internationalen
Vergleich gering ausgeprägt

– OeGHO fordert daher Informationsoffensive und strukturelle
Absicherung

– Positionspapier mit konkreten Verbesserungspotenzialen vorgelegt

– OeGHO ergreift die Initiative und entwickelt Onkologische
Studienplattform

„Klinische Studien sind für die Entwicklung und Zulassung innovativer
Therapien essenziell, das ist unbestritten. Aber sie sind ebenso für
die onkologische Regelversorgung in Österreich unverzichtbar“, betont
Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll , Präsident der OeGHO, im Rahmen des
diesjährigen Österreichischen Onkologie Forums. „Die
Weltgesundheitsorganisation geht von einem Anstieg der Krebsdiagnosen
um 70 Prozent bis zum Jahr 2050 aus. [i] Dieser Dynamik versuchen wir
als Onkolog:innen und Hämatolog:innen mit neuen Therapieansätzen zu
begegnen. Dafür braucht es aber medizinische Innovationen, und die
sind ohne klinische Forschung nicht denkbar.“

Zwtl.: Studien sind Basis für die Entwicklung neuer Therapien und
entlasten die Budgets

Klinische Studien seien sind nicht nur die Basis für die
Entwicklung innovativer Medikamente, sie haben auch unmittelbare
positive versorgungsökonomische Effekte, ergänzt Priv.-Doz. in Dr. in
Kathrin Strasser-Weippl , MBA, Medizinische Leiterin der OeGHO „Pro
Jahr wird laut einer rezenten Studie des IPF – Institut für
pharmaökonomische Forschung ein Behandlungswert von 122,28 Mio. Euro
generiert. [ii] Die Krankenhäuser profitieren von kostenfreier
Prüfmedikation und von der Übernahme der Kosten für Diagnostik,
Therapie, administrative Leistungen und Dokumentation – was letztlich
die Budgets der Spitäler direkt entlastet. Außerdem gelingt der
Zugang zu den innovativsten Therapien oft nur über klinische
Studien.“

„Klinische Forschung ist deshalb nicht ein fakultatives
Zusatzangebot einzelner akademischer Zentren, sondern muss
grundlegender Bestandteil der onkologischen Versorgung in der Breite
sein“, unterstreicht die neue Leiterin des Tumorzentrum
Oberösterreich. „Doch genau da sehen wir in den letzten Jahren einen
dramatischen Rückgang: Die Zahl der klinischen Studien ist zwischen
2021 und 2024 um 28 Prozent zurückgegangen und hat sich 2025 nur
leicht erholt. Dieser Negativtrend trifft die Onkologie in besonderem
Maße, denn von den laufenden Studien entfallen 43 Prozent auf die
Onkologie und 10 Prozent auf die Hämatologie. Die Neurologie folgt
mit 8 Prozent erst an dritter Stelle.“ Auch die Zahl der an Studien
teilnehmenden Patient:innen ist in der Onkologie am höchsten (2024:
mit 1.764 Personen), gefolgt von der Kardiologie (2024: 853
Studienteilnehmer:innen).

„Dieser Rückgang bei klinischen Studien hat spürbare negative
Folgen auf Österreich“, so Strasser-Weippl, „nämlich zunächst auf die
Patient:innen, die keinen Zugang zu den innovativsten Therapien
haben, aber auch auf den Medizinstandort, weil Know-How und
Attraktivität für Top-Ärzt:innen verloren geht, und auf die Budgets
des Gesundheitssystems.“

Zwtl.: Patient:innen profitieren von klinischen Studien auf
vielfältige Weise

„Denn im Umkehrschluss kann man nicht oft genug betonen, welche
Vorteile die Teilnahme an einer klinischen Studie für Krebs-
Patient:innen bringt.“ Patient:innen haben damit früher Zugang zu
neuen Therapien, sie erhalten eine noch engmaschigere medizinische
Betreuung durch die spezialisierten Studienteams, sie bekommen
umfassende Informationen und sie tragen zum medizinischen Fortschritt
bei, der Behandlungen für sie und auch zukünftige Patientn:innen
wirksamer und sicherer macht.

„Für mich war die Teilnahme an einer klinischen Vergleichsstudie
eine einzigartige Chance nach einem Jahr Chemotherapie“, sagt auch DI
Dr. Karl Masser, Patient mit einem Multiplen Myelom. „Ich bekomme das
Neueste, was die Forschung aktuell hervorgebracht hat, und ich werde
umfassend betreut.“

„Natürlich denkt man auch über Risiken nach und muss den
Mehraufwand in Betracht ziehen“, so Masser, „die Argumente meines
betreuenden Arztes waren aber so überzeugend, dass mir Entscheidung
letztlich leicht gefallen ist. Entscheidend ist dabei zweifellos, wie
gut man informiert wird. Daher kann ich jeder und jedem, der eine
Studienteilnahme in Erwägung zieht, nur raten: Suchen Sie das
Gespräch und versuchen Sie alle Argumente zu hören. Ich habe damit
die besten Erfahrungen gemacht!“

Zwtl.: Warnruf der heimischen Onkolog:innen

Trotzdem ist die Bereitschaft, an klinischen Studien
teilzunehmen, in Österreich ausbaufähig: Nur 47 Prozent der
Krebspatient:innen könnten sich laut einer SPECTRA-Erhebung [iii]
vorstellen, bei einer Studie mitzumachen. Zwar halten 84 Prozent
klinische Studien für einen wichtigen Beitrag zum medizinischen
Fortschritt, aber 22 Prozent zweifeln an ihrer Sicherheit und 34
Prozent verbinden Studienteilnehmende mit dem Bild eines
„Versuchskaninchens“.

Damit steht Österreich im europäischen Vergleich schlecht da:
Eine Erhebung [iv] wies die allgemeine Teilnahmebereitschaft für
Österreich mit nur 41 Prozent aus. In Deutschland würden hingegen 48
Prozent der Menschen grundsätzlich mitmachen, in Schweden sogar 62
Prozent.

OeGHO-Expertin Strasser-Weippl plädiert daher für eine
Informationsoffensive in Richtung der Patient:innen und der breiten
Öffentlichkeit, um die Vorteile und die Sicherheit klinischer Studien
für Patient:innen sichtbar zu machen. Außerdem appelliert sie an die
gesundheitspolitischen Entscheidungsträger:innen: „Wenn wir die
onkologische Regelversorgung in der bisherigen Form mit dem wichtigen
Teil der klinischen Forschung erhalten wollen, braucht es eine
strukturelle Absicherung klinischer Studien. Klinische Forschung muss
für den Standort Österreich als strategisch wichtig erkannt werden.“

Zwtl.: Positionspapier mit klaren Forderungen an die
Gesundheitspolitik

Dazu haben die OeGHO und die ABCSG (Austrian Breast & Colorectal
Cancer Study Group) im Rahmen des Österreichischen Onkologie Forums
auch konkrete Verbesserungspotenziale identifiziert. Univ.-Prof. Dr.
Michael Gnant , Präsident der ABCSG: “Wir hatten die geplante Life
Sciences Strategie im Blick und haben analysiert, welche
strukturellen Voraussetzungen aus onkologischer Sicht zu benennen
sind, um klinische Studien in Österreich nachhaltig zu sichern und
weiterzuentwickeln.“

Im gemeinsamen Positionspapier wurden schließlich 13 Punkte
adressiert:

– Etablierung einer expliziten Kostenstelle pro Standort für die
finanzielle Abwicklung von Studien

– Österreichweit einheitliche Overhead-Kosten innerhalb eines
Korridors von 5–15 Prozent

– Einheitlicher Kostenerstattungskatalog für wiederkehrende
Kostenpositionen in klinischen Studien

– Bereitstellung von Raumressourcen zur Studiendurchführung

– Administrative Unterstützung bei der Studieninitiierung

– Vermeidung von Mehrfachverträgen pro Standort

– Effiziente Vertragsverhandlungen mit klaren Zuständigkeiten auf
Trägerseite und angestrebt normierter Maximaldauer von 12 Wochen

– Vertragssprache Englisch als Standard für internationale Studien

– Gemeinsame österreichweite Rahmenverträge mit akademischen
Studiengruppen

– Etablierung eines Zertifizierungsmodells für akademische
Studiengruppen, um eine klare Trennung zu industriegesponserten
Studien zu ermöglichen

– Nationale Vernetzung bei der Studienrekrutierung auf Basis einer
digital verfügbaren Plattform aller verfügbaren Studien (Suchfunktion
für Caregiver und Patient:innen)

– Möglichkeit der standortübergreifenden Studiendurchführung durch
gesetzlich verankerte PI/Sub-PI-Modelle

– Spezialisierung von Ethikkommissionen

„Im Namen der vielen Experti:innen , die im Rahmen des
Österreichischen Onkologie Forums an der Diskussion teilgenommen
haben, fordern wir die Entscheidungsträger:innen und Politik auf,
diese konkreten Verbesserungspotenziale rasch umzusetzen und in die
Life Sciences Strategie Österreichs zu inkludieren“, sagt Gnant. „Sie
sind von größter Bedeutung für unser Gesundheitssystem – und sie sind
zum Großteil vollkommen kostenneutral zu realisieren.“

Zwtl.: Etablierung der Onkologischen Studienplattform geplant

Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische
Onkologie (OeGHO) ergreift unabhängig davon die Initiative und baut
als ein wichtiges Element eine Datenbank für klinische Studien auf.
„Die Onkologische Studienplattform soll alle aktuell rekrutierenden
klinischen Studien im Bereich der Onkologie und Hämatologie in
Österreich darstellen“, beschreibt OeGHO-Präsident Ewald Wöll das
Vorhaben. „Alle Studienzentren werden die Möglichkeit haben, ihre
Daten selbst einzupflegen, sodass behandelnde Ärzt:innen im
Anlassfall direkt mit den jeweiligen Studienteams Kontakt aufnehmen
können. Das wird“, zeigt sich Wöll überzeugt, „die
häuserübergreifende und überregionale Studienrekrutierung merkbar
unterstützen. Zum Wohl der heimischen Patient:innen.“

Weiterführende Infos unter https://www.oesterreichisches-
onkologie-forum.at/

[i] World Health Organization. Global status report on cancer
2026. 8 July 2026
https://www.who.int/publications/i/item/9789240123977

[ii] Walter, E., Eichhober, G., Voit, M., Alfanz, A., Atarac-
Simic, E., Bauer, B., … Baltic, D. (2026). Tracking economic change
over a decade: an analysis of Austria’s industry-sponsored clinical
trial landscape and implications for policy. Journal of Medical
Economics, 29(1), 1617–1631.
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13696998.2026.2678777#
abstract

[iii] SPECTRA, repräsentative Marktforschung im Auftrag von MSD (
n=1.000, Spectra, Erhebungszeitraum: Aug/Sept 2025)

[iv] Krämer, A., Gebauer, M. Faktoren, die die Bereitschaft zur
Teilnahme an klinischen Studien beeinflussen. 2021.
https://www.researchgate.net/publication/351022336_Faktoren_die_die_-
Bereitschaft_zur_Teilnahme_an_klinischen_Studien_beeinflussen

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