Neßler: „Kinderschutz darf in Sommercamps keine freiwillige Leistung sein“

Wien (OTS) – Für viele Familien in Österreich beginnt mit dem
Schulschluss jedes
Jahr dieselbe Herausforderung: Neun Wochen Sommerferien stehen
lediglich fünf bis sechs Wochen Urlaub gegenüber. Wer keine familiäre
Betreuung organisieren kann, ist auf Feriencamps und außerschulische
Sommerbetreuung angewiesen. Die Grünen kritisieren, dass es
ausgerechnet in einem Bereich, in dem Kinder oft über Tage oder
Wochen intensiv betreut werden, bis heute keine verpflichtenden
Kinderschutzstandards gibt.

„Für jedes Feuerwehrfest gelten höhere Auflagen, als für die
Veranstaltung eines Sommercamps für Kinder. Das ist ein Wahnsinn.
Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in
Sicherheit sind, unabhängig davon, ob hinter einem Angebot ein großer
Träger oder ein kleiner Verein steht“, kritisiert die
Familiensprecherin der Grünen, Barbara Neßler.

Derzeit gibt es für private Anbieterinnen und Anbieter von
Sommercamps keine gesetzliche Verpflichtung, Kinderschutzkonzepte
vorzulegen. Dabei regeln solche Konzepte grundlegende Fragen des
Schutzes von Kindern: Wie Betreuungspersonal ausgewählt und geschult
wird, welche Verhaltensregeln gelten, wie mit Beschwerden oder
Grenzverletzungen umgegangen wird und an wen sich Kinder und Eltern
im Krisenfall wenden können. Es gibt bislang kein einheitliches
Gütesiegel, auf das sich Eltern verlassen können.

„Kinderschutzkonzepte schützen nicht nur vor schweren
Übergriffen. Sie schaffen klare Regeln für den Umgang mit Mobbing,
psychischer Gewalt, Diskriminierung oder anderen
Grenzüberschreitungen. Kinder müssen in Sicherheit sein. Es braucht
verbindliche Standards dafür“, meint Neßler.

Wie groß die bestehende Schutzlücke ist, zeigt auch immer wieder
der Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen. Dort werden Fälle
dokumentiert, in denen Kinder in vermeintlich harmlosen Feriencamps
mit weltanschaulichem Hintergrund gezielt beeinflusst und zur
Missionierung anderer Kinder angehalten wurden.

„Eltern wird ein harmloses und günstiges Sommercamp versprochen –
tatsächlich werden Kinder teilweise ideologisch manipuliert. Für mich
ist völlig unverständlich, dass die Bundesregierung verpflichtende
Kinderschutzkonzepte weiterhin ablehnt und dies mit angeblicher
Bürokratie begründet. Kinderschutz ist keine bürokratische Belastung,
sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung“, betont Neßler.

Die Grünen haben daher bereits im vergangenen Jahr einen Antrag
zur Einführung verpflichtender Kinderschutzkonzepte für private
Anbieterinnen und Anbieter von Sommercamps eingebracht. Dieser
fordert neben verbindlichen Kinderschutzkonzepten auch einheitliche
Qualitätsstandards sowie verpflichtende Schulungen und
Qualifizierungen für Betreuungspersonal. Der Antrag wurde am 9. Juli
2025 von den Regierungsparteien abgelehnt.

Darüber hinaus haben die Grünen bereits im Mai eine
parlamentarische Anfrage zur außerschulischen Sommerbetreuung
eingebracht (Rückmeldung bis 21. Juli). Darin wird die
Bundesregierung aufgefordert, umfassend Auskunft über das bestehende
Angebot, Qualitätsstandards, Zuständigkeiten und bestehende
Betreuungslücken zu geben.

Die Grünen fordern daher:

– verpflichtende Kinderschutzkonzepte für alle Sommercamps und
Ferienbetreuungsangebote,

– einheitliche Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung,

– verpflichtende und regelmäßige Schulungen und Qualifizierungen für
Betreuungspersonal,

– Etablierung unabhängiger Kontroll- und Beschwerdemechanismen,

– sowie einen flächendeckenden Ausbau qualitativ hochwertiger und
leistbarer außerschulischer Sommerbetreuungsangebote.

„Die Sicherheit von Kindern darf nicht vom Zufall, vom Wohnort
oder vom Verantwortungsbewusstsein einzelner Anbieter abhängen.
Kinderschutz muss überall dort gelten, wo Kinder betreut werden –
ohne Ausnahmen“, so Neßler abschließend.