Wien (OTS) – Feuerwehr fordert Finanzierung der erforderlichen
Ausstattung und
Ausbildung zur Waldbrandbekämpfung und die Absicherung der
Hubschrauber-Verfügbarkeit.
Die Extremwetterereignisse häufen sich. Das bedeutet nicht
zwingend immer mehr, aber auf jeden Fall intensivere Einsätze. Im
Jahr 2026 kam es seit dem Frühjahr zu einer Häufung von extrem
fordernden Waldbrand-Einsätzen, die alle Bundesländer betrafen.
„Waldbrände haben meist unmittelbare Auswirkungen auf unsere
Gesellschaft. Intensive Brände gefährden Menschen und Siedlungen,
verringern die wichtige Schutzfunktionalität der Wälder, führen zu
erhöhter Erosion und sorgen für stetig steigende Kosten bei der
Brandbekämpfung sowie für notwendige Maßnahmen nach dem Ereignis“,
steht bereits im Aktionsprogramm „Brennpunkt Waldbrand“, das
gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten
Bereichen erarbeitet und im Jahr 2022 vom Bundesministerium für Land-
und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft herausgegeben
wurde.
Zwtl.: Österreichweite Herausforderungen trotz regionaler
Unterschiede
Die Feuerwehr in Österreich liegt in der Zuständigkeit der neun
Bundesländer und unterliegt somit dem Landesrecht. Waldbrände
allerdings befinden sich in Bundes-Zuständigkeit. Zur
Waldbrandbekämpfung nutzt der Bund das System der Länder und
Gemeinden.
Aufgrund der unterschiedlichen Topografie machen sich je nach
Region unterschiedliche Herausforderungen bemerkbar. Die erschwerte
Zugänglichkeit in steilem, unwegsamem hoch- bzw. voralpinem Gelände –
häufig in Schutzwald- und Quellschutzgebieten – fordern
Einsatzkräfte, während andernorts Munitionsbelastung für eine
zusätzliche Gefährdung sorgt. Wälder sind Erholungs- und Lebensraum
für Mensch und Tier und erfüllen eine wichtige Rolle für das Klima.
Als “grüne Lunge” sind wir auf eine reiche Vegetation angewiesen,
weshalb neben der Brandbekämpfung auch der Schutz und die Pflege der
Wälder entscheidend für die Zukunft sind.
Österreichweit verbunden werden diese kräfteraubenden Einsätze
durch folgende Tatsachen:
– Der rasche Einsatz von Hubschraubern ist durchgehend
einsatzentscheidend. Je schneller der Brand aus der Luft bekämpft
werden kann, desto rascher kann dieser unter Kontrolle gebracht
werden.
– Die Gleichzeitigkeit mehrerer Einsätze sowie die Notwendigkeit der
Reservenbildung erschweren die Ressourcenverteilung. Auch wenn es
österreichweit ein flächendeckendes und lückenloses Feuerwehrsystem
gibt, erfordern Spezialisierungen eine gesonderte Betrachtung. Durch
den Einsatz von erforderlichen Sonderfahrzeugen und Hubschraubern,
durch den zusätzlichen erhöhten Ausbildungsbedarf bei den Mitgliedern
und die Tatsache, dass die Einsatzbereitschaft jeder Gemeinde immer
aufrechterhalten bleiben muss, kann es zu Engpässen kommen.
– Leicht verletzte Feuerwehrmitglieder sowie Sachschäden an
Fahrzeugen und Gerätschaften verursachen eine zusätzliche
persönliche, psychische, physische und finanzielle Belastung.
– Siedlungsnahe Ereignisse bedrohen unmittelbar den Wohnraum der
Bevölkerung, zusätzlich zur Bedrohung von Tieren, die bei jedem
Waldbrand stark gefährdet sind.
– Die anhaltende Trockenheit erschwert die flächendeckende
Wasserversorgung.
Feuerwehrpräsident Robert Mayer: „ Die Feuerwehren in Österreich
legen seit Jahren ihren Fokus sehr stark auf die Bewältigung von
Naturgewalten, heuer standen Waldbrände eindeutig im Mittelpunkt. Es
ist höchst an der Zeit, diese Herausforderungen gesamtstaatlich zu
betrachten und mit ausreichend finanziellen Mitteln sowie
Infrastruktur abzusichern. Über 260.000 zum großen Teil ehrenamtlich
tätige Feuerwehrmitglieder im Einsatzdienst leisten eine
hervorragende Arbeit, sind rund um die Uhr einsatzbereit, bilden sich
weiter, üben so oft sie können und machen sich Gedanken, wie wir auch
in Zukunft unseren Mitmenschen helfen können. Dafür braucht es aber
Rahmenbedingungen, ohne die unser Feuerwehrsystem langfristig nicht
mehr in der gewohnten Form funktionieren wird. Im Fall der Waldbrände
ist die Zuständigkeit aus unserer Sicht eindeutig beim Bund. Hier
gilt es nun vom Reden ins Tun zu kommen. Und zwar rasch. “
Zwtl.: Beispiele aus 2026
– Lesachtal, Kärnten: 24 Einsatztage mit rund 2.000
Feuerwehrmitgliedern, rund 110 ha Fläche betroffen
– Eisbach-Rein, Steiermark: 17 Einsatztage mit rund 2.500
Feuerwehrmitgliedern, rund 70 ha Fläche betroffen
– Föhrenwald/St. Egyden, Niederösterreich: 2 Großbrände an 18
Einsatztagen, zeitweise 800 Feuerwehrmitglieder gleichzeitig im
Einsatz, rund 159 ha Fläche betroffen
– Wildermieming und Virgen, Tirol: mehrtätiger Einsatz mit rund 900
Feuerwehrmitgliedern, rund 10 ha Fläche betroffen
– Lobau, Wien: 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Wien sowie
weitere Kräfte der Landesfeuerwehrverbände aus Wien und
Niederösterreich, rund 18 ha Fläche betroffen
Landesfeuerwehrkommandant Jakob Unterladstätter (Tirol): „ Die
Waldbrände in Virgen und Wildermieming haben eindrucksvoll gezeigt,
welche besonderen Herausforderungen gerade die alpine Topografie für
unsere Feuerwehren mit sich bringt. Entscheidend ist dabei auch das
Zusammenspiel von Einsatzkräften am Boden und Unterstützung aus der
Luft mit rasch verfügbaren Hubschraubern. Gleichzeitig hat sich
einmal mehr bewährt, dass Spezialkräfte, Know-how und Ausrüstung über
Bezirks- und Landesgrenzen hinweg rasch dort eingesetzt werden
können, wo sie gebraucht werden. Die letzten Einsätze zeigen aber
auch, dass wir weiter konsequent in spezialisierte Ausrüstung und
Ausbildung unserer Feuerwehrmitglieder investieren müssen. Nur so
können wir auch künftig sicher und schlagkräftig auf derartige
Einsatzlagen reagieren. “
Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfried (Steiermark): „
Der Waldbrand am Mühlbachkogel war mit 17 Einsatztagen und in Summe
mehr als 2.500 eingesetzten Feuerwehrkräften ein außergewöhnlich
fordernder Einsatz. Steiles und schwer zugängliches Gelände, die
dynamische Brandausbreitung und vor allem die langwierige Bekämpfung
zahlreicher Glutnester haben unseren Einsatzkräften enorme Leistungen
abverlangt. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie wichtig eine fundierte
Ausbildung, geeignete Ausrüstung und das abgestimmte Zusammenwirken
aller eingesetzten Kräfte sind. Die Erfahrungen aus Eisbach-Rein sind
für uns daher eine wichtige Grundlage, um uns auf künftige
Vegetationsbrände noch gezielter vorzubereiten. “
Zwtl.: Feuerwehr investierte über 20 Millionen Euro
Die intensiver werdende Waldbrandbekämpfung erfordert bereits
seit 2020 die Konzentration der Landesfeuerwehrverbände. So wurden
innerhalb der letzten sechs Jahre über 20 Millionen Euro aus dem
Feuerwehrbudget, unterstützt durch den Waldfonds, investiert.
Zentrale Investitionsfelder aller Bundesländer sind geländegängige
Spezialfahrzeuge, spezialisierte Ausrüstungen wie Container,
Rucksäcke, Faltbehälter, Schanzwerkzeug, aber auch leichtere
Schutzbekleidung und Helme sowie Löschwasserbehälter für
Hubschrauber. Der Ausbau von Stützpunktfeuerwehren und dem Feuerwehr-
Flugdienst, die Treibstoffbereitstellung für Luftfahrzeuge sowie die
Übungsinfrastruktur in den Landesfeuerwehrschulen erforderten ebenso
finanzielle Ressourcen.
Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner (Niederösterreich)
: „ Die Auswirkungen des Klimawandels treffen uns Feuerwehren
mittlerweile in vielen Einsatzbereichen mit voller Härte. Wald- und
Vegetationsbrände werden intensiver und stellen uns durch
Trockenheit, Hitze und schwierige Einsatzbedingungen vor neue
Herausforderungen. Darauf müssen wir uns mit entsprechender
Ausbildung, Taktik und moderner Spezialausrüstung vorbereiten. Unsere
Feuerwehrmitglieder leisten diesen Dienst freiwillig und
unentgeltlich und ersparen der öffentlichen Hand damit enorme Kosten.
Umso wichtiger ist es, ihnen für ihre Einsätze die bestmögliche
Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. In Niederösterreich haben wir in
den vergangenen Jahren massiv in diesen Bereich investiert. Eine
derart spezialisierte und kostenintensive Ausrüstung kann jedoch
nicht von den Kommunen alleine finanziert werden. Hier braucht es
auch in Zukunft eine verlässliche Unterstützung durch den Bund, damit
wir mit den veränderten Einsatzszenarien Schritt halten und die
Sicherheit unserer Einsatzkräfte gewährleisten können. “
Zwtl.: Feuerwehr ist gut vorbereitet, aber…
Auch wenn das Feuerwehrsystem in Österreich ob der Dichte an
Feuerwehren und der hohen Anzahl aktiver Mitglieder sowie der
vorausschauenden Vorbereitung gut auf eine Vielzahl an
Herausforderungen vorbereitet ist, so verlangt gerade eine
professionelle Planung für die Zukunft Anpassungen und die
Aufmerksamkeit der öffentlichen Hand.
Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband, der als Dachverband
alle neun Landesfeuerwehrverbände sowie die sechs Gemeinden mit
Berufsfeuerwehren vertritt, fordert dementsprechend im Sinne einer
gesamtstaatlichen Betrachtung:
– Finanzierung der erforderlichen Ausstattung und Ausbildung zur
Waldbrandbekämpfung
Die Finanzierung und Vorhaltung von notwendiger Ausrüstung zur
Waldbrandbekämpfung ist keine rein kommunale Aufgabe, die auch
aufgrund des deutlich gestiegenen Bedarfs nicht mehr aus den Budgets
der Feuerwehren, Gemeinden und Länder getragen werden kann. Es liegt
in der Verantwortung des Bundes, Finanzmittel zur Waldbrandbekämpfung
sicherzustellen. Es geht um spezialisierte Fahrzeuge und Ausrüstung,
persönliche Schutzausrüstung aber auch die Ausbildung, um diese
besondere Herausforderung bewältigen zu können.
Darüber hinaus bleiben die langjährigen Forderungen an das
Finanzministerium weiter bestehen:
Valorisierung der Sonderinvestitionsprämie und der Kostensätze
Seit 2022 wird das österreichische Feuerwehrwesen mit jährlich 20
Millionen Euro für „Sonderinvestitionen“ unterstützt. Dieser Betrag
wurde seitdem nicht valorisiert. Auch die Kostensätze der
Pauschaltarifverordnung erfordern eine Evaluierung.
Entgeltfortzahlung für Selbständige und Landwirte
Eine Entgeltfortzahlung, die 2019 im Nationalrat beschlossen
wurde, ermöglicht unter gewissen Voraussetzungen eine
Entschädigungszahlung für bestimmte Unternehmen. Diese Fortzahlung
kann allerdings nur beantragt werden, wenn die Einsatzkraft
Dienstnehmer ist. Eine Erweiterung auf Selbständige und Landwirte
wird vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband seit der Einführung
gefordert, ebenso eine unbürokratischere Beantragung.
– Hubschrauberverfügbarkeit absichern – öffentlich wie privat
Die flächendeckende permanente Verfügbarkeit von Hubschraubern
des Innenministeriums sowie des Bundesheeres sowie auch die
Finanzierung privater Hubschrauber gehören dringend geklärt und
abgesichert. Eine unsichere Lage sowie eine nicht sichergestellte
Verfügbarkeit an leistungsstarken Hubschraubern in Österreich, aber
auch der Spardruck im Übungsbetrieb und die Investition in
Zusatzausrüstung (z.B. Löschwasserbehälter) dürfen
Den Livestream sowie Fotos von Waldbränden in Österreich finden
Sie unter: https://events.streaming.at/waldbrandsaison-20260923
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at