Wien (OTS) – Wissenschaftsministerium, Bundesimmobiliengesellschaft
(BIG) und BOKU
University präsentierten die Siegerprojekte für zwei zentrale
Vorhaben am Campus Türkenschanze: die Adaptierung des ehemaligen
Modul-Gebäudes für die Nutzung durch die BOKU und den Neubau des
Construction Innovation Lab (CILA). Die beiden Siegerprojekte stehen
für unterschiedliche Ansätze des kreislauffähigen Bauens.
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner: „Wir investieren
erneut in eine moderne Forschungsinfrastruktur auf europäischem Top-
Niveau. Davon profitieren Studierende, Forschende, Lehrende und
Mitarbeitende gleichermaßen. Das Projekt kombiniert modernste
Bedingungen für Forschung und Lehre mit nachhaltigem Bauen und einem
verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Klar ist: Wer heute in
Wissenschaft investiert, stärkt die Innovationskraft unseres Landes
und schafft Chancen für morgen.“
Eva Schulev-Steindl, Rektorin der BOKU University: „Mit der
Realisierung der zwei Gebäude macht die BOKU University in räumlicher
Hinsicht einen wichtigen Schritt in die Zukunft. Das eine als
hochmodernes Forschungsgebäude, das andere als
Kommunikationsdrehscheibe und Servicecenter – beide spielen eine
wichtige Rolle in der Ausgestaltung des BOKU-Campus an der
Türkenschanze. Ich freue mich, dass vom neuen Platzangebot sowohl
Forschende, Lehrende, Mitarbeitende und Studierende profitieren
werden.“
Christine Dornaus, Geschäftsführerin der BIG: „Das Modul wird
erwachsen: Aus der ehemaligen Tourismusschule wird ein
Universitätsgebäude für die BOKU. Wir nutzen, was bereits da ist,
erhalten das charakteristische Erscheinungsbild und schaffen neuen
Raum für Forschung und Lehre. Mit dem Construction Innovation Lab
entsteht parallel ein ganz neues Forschungsgebäude, in dem
kreislauffähiges Bauen nicht nur erforscht, sondern auch beim Bau
umgesetzt wird. Beide Projekte zeigen, wie wir zusammen mit dem
Wissenschaftsministerium und der BOKU University den Campus
Türkenschanze weiterentwickeln – durch die behutsame Modernisierung
des Bestands unter Wahrung seiner charakteristischen Architektur und
einen materialeffizienten Neubau.“
Zwtl.: Bestehendes weiterdenken – das ehemalige Modul-Gebäude kommt
zur BOKU
Aus dem Wettbewerb (Verhandlungsverfahren für die Generalplanung)
für die Adaptierung des ehemaligen Modul ging das Wiener Büro Riepl
Kaufmann Bammer als Sieger hervor. Das in den 1970er-Jahren
errichtete Gebäude der Postmoderne basiert auf einem Grundriss mit
achteckigen Modulen und wurde zuvor als Tourismusschule genutzt. Es
liegt im Zentrum des Campus Türkenschanze unmittelbar zwischen den
derzeit 13 Gebäuden und wird aus seinem Bestand heraus
weiterentwickelt. Auf rund 19.000 m² Nettoraumfläche werden hier
künftig derzeit dislozierte Institute und Einrichtungen an einem
Standort zusammengeführt. Der Baubeginn ist für März 2029 vorgesehen,
der Unibetrieb soll 2031 starten.
Die vorhandene Grundstruktur schafft gute Voraussetzungen für die
universitäre Nutzung. Zugleich wird sich das Haus stärker zum Campus
öffnen. Ein „Campus Walk“ wird zentrale Bereiche im Haus verbinden
und das Gebäude zugleich mit dem Campus verknüpfen; neue Lern-,
Arbeits- und Veranstaltungsflächen werden den Austausch stärken.
Ergänzt werden ein Café, ein Nahversorger und ein Dachgarten mit
Blick über Wien.
Im Mittelpunkt des Vorhabens steht der möglichst umfassende
Erhalt der vorhandenen Gebäudestruktur. Auch vor dem Hintergrund der
laufenden Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt bleibt das
charakteristische Erscheinungsbild erhalten. Die Aluminiumfassade
wird abgenommen, gereinigt und anschließend wieder montiert;
währenddessen wird die Gebäudehülle energetisch ertüchtigt, zu einem
wesentlichen Teil in einer vorgefertigten Holzbauweise. Zusätzliche
Fenster an ausgewählten Stellen werden mehr Tageslicht ins Gebäude
bringen, bestehende Verglasungen werden zur Verbesserung der
Energieeffizienz erneuert.
Insgesamt sollen Bauteile und Materialien aus dem Bestand
aufbereitet und wiederverwendet werden, weitere Re-Use-Bauteile
können aus anderen Rückbauprojekten einfließen. Neue Elemente werden
mit Blick auf spätere Demontage und Wiederverwendung geplant.
Begrünte Dächer, Regenwassernutzung und entsiegelte Freiräume
werden ebenfalls zu einem ressourcenschonenden und klimaangepassten
Betrieb beitragen. Die klimaresiliente Bepflanzung des Dachgartens
wird gemeinsam mit der BOKU entwickelt; eine Pergola mit Photovoltaik
-Modulen wird dort zusätzlich einen geschützten Aufenthaltsbereich
schaffen.
Zwtl.: Im Construction Innovation Lab wird Forschung doppelt sichtbar
Den Architekturwettbewerb für das Construction Innovation Lab (
CILA) entschied das Wiener Büro GC Architektur für sich. Das neue
Forschungsgebäude mit rund 2.000 m² Nettoraumfläche bildet künftig
den oberen Abschluss des Campus Türkenschanze. Der Baubeginn ist für
August 2028, die Übergabe und Inbetriebnahme durch die Universität
für 2030 vorgesehen. Das materialeffiziente Tragwerk des CILA folgt
der konstruktiven Logik des Gebäudes und macht sichtbar, woran
geforscht wird: an ressourcenschonenden Tragwerken, kreislauffähigen
Konstruktionen und innovativen Verfahren im Bauwesen. Zugleich
ermöglicht die transparente Gestaltung Einblicke von außen in das
Roboterlabor inklusive Aufspannfeld, so wird die Forschungsarbeit
unmittelbar erlebbar.
Das CILA wird Flächen für Material-, Tragwerks- und geotechnische
Prüfungen sowie für robotergestützte Herstellungsversuche umfassen.
Herzstück wird eine Werkhalle mit dem größten Aufspannfeld Wiens, in
der bis zu 20 Meter lange Träger untersucht werden können. Das
technisch anspruchsvolle Laborgebäude ist dafür auf hohe Traglasten
ausgelegt. Die Tragstruktur ist vorgefertigt, mit lösbaren
Verbindungen konstruiert und auf Demontage sowie Wiederverwendung
ausgerichtet. Geothermie, Photovoltaik, ein kompakter Baukörper und
begrünte Dachflächen unterstützen einen energieeffizienten und
klimaresilienten Betrieb. Die bestehende Durchwegung zwischen Peter-
Jordan-Straße und Hartäckerstraße wird attraktiver und barrierefrei
gemacht; der Baumbestand, insbesondere die ortsbildprägenden Platanen
und Föhren, soll weitgehend erhalten bleiben.
Die Gesamtinvestitionskosten für beide Projekte belaufen sich auf
166 Mio. Euro. Davon investiert die BIG als Eigentümerin und
Bauherrin 143 Mio. Euro in die beiden Gebäude, die vom
Wissenschaftsministerium in Form von Mieten refinanziert werden; die
restlichen 23 Mio. Euro entfallen auf Einrichtung und sonstige
Einmalkosten, die ebenso durch das Wissenschaftsministerium
finanziert werden.
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