Innsbruck (OTS) – Der alpine Ski-Weltcup startet in Sölden in die
neue Saison. Die
hohen Temperaturen rund um den Auftakt werfen einmal mehr die Frage
auf, wie zukunftsfit der internationale Rennkalender angesichts des
fortschreitenden Klimawandels ist. Für Protect Our Winters Austria (
POW) steht fest: Die FIS, unter Neo-Präsident Alexander Ospelt, muss
die klimatischen Veränderungen stärker in ihre Planungen einbeziehen
und Verantwortung für die Zukunft des Skisports übernehmen.
„ Mit dem Klimawandel verändert sich auch die Verlässlichkeit von
Weltcupstandorten. Nicht jeder Ort wird zu jedem bisherigen Termin
dieselbe Schneesicherheit und Pistenqualität bieten können. Der
Rennkalender sollte deshalb stärker nach dem Ausfallrisiko
ausgerichtet werden: Ein späterer Saisonstart und die Verlegung
einzelner Rennen in klimatisch günstigere Winterphasen können dieses
Risiko reduzieren. Bei besonders exponierten Austragungsorten wird
man langfristig auch darüber diskutieren müssen, ob sie noch in den
Kalender passen “, sagt Robert Steiger, Tourismusforscher an der
Universität Innsbruck und Mitglied der POW Science Alliance.
Zwtl.: Erwärmung führt unweigerlich zu Konsequenzen für den
Rennkalender
Aus Sicht von POW reicht es nicht, auf einzelne schneearme Winter
oder schwierige Bedingungen an bestimmten Austragungsorten zu
reagieren. Vielmehr braucht es eine langfristige Strategie, die
klimatische Risiken systematisch berücksichtigt. Dazu gehören eine
kritische Prüfung des Saisonstarts, eine vorausschauende
Terminplanung und die Bereitschaft, etablierte Renntermine und
Austragungsorte neu zu bewerten.
„ Ein Ski-Saisonstart Ende Oktober ist mittlerweile eher ‚Anti-
Werbung‘ für den Sport. In großen Teilen der Bevölkerung erzeugt der
frühe Start nur Kopfschütteln. Um Skifahren auch zum Saisonstart
wieder in ein positives Licht zu rücken, muss der Start um einen
Monat verschoben werden “. sagt Moritz Nachtschatt, CEO von Protect
our Winters Austria. „ Die FIS muss aber auch endlich konkrete
Maßnahmen umsetzen, mit denen vor allem die Reise-Emissionen
reduziert und die eigenen Ziele erreicht werden können “, sagt er und
erinnert an 2023, als mit über 500 aktiven Athlet:innen viel Druck
auf den Ski-Weltverband ausgeübt wurde. Den offenen Brief haben
damals unter anderem Aleksandar Kilde, Mikaela Shiffrin oder Federica
Brignone unterschrieben. Gefordert wurde damals: mehr Transparenz,
eine Nachhaltigkeits-Managerin, ein späterer Saisonstart und ein
konkreter Maßnahmenplan. „Einiges davon wurde erfüllt“, sagt
Nachtschatt und verweist auf Susanna Sieff und die CO₂-Bilanz, die
die FIS unlängst zum dritten Mal veröffentlicht hat. „Das ist heute
nicht mehr ausreichend. Daher braucht es mittlerweile auch die
öffentliche Positionierung zu Europäischen und globalen
klimarelevanten Policy Entscheidungen.“ Durch die Anstellung von
Susanna Sieff war der Diskurs zwischen POW und der FIS zuletzt
weniger konfrontativ, weil von Seiten der FIS Bereitschaft
signalisiert wurde, etwas zu unternehmen. „ Ospelt muss noch zeigen
in welche Richtung er mit der FIS gehen möchte. Ohne baldige
Maßnahmen lässt sich so ein Brief wie 2023 auch wiederholen “, sagt
Nachtschatt.
Zwtl.: Immer mehr Rennen sind keine Antwort auf die Klimakrise
Ein Thema etwa ist da die Diskussion über eine häufigere
Austragung alpiner Ski-Weltmeisterschafte. Die Pläne des neuen FIS-
Präsidenten Alexander Ospelt werfen eine grundsätzliche Frage auf:
Wie passt eine weitere Verdichtung des internationalen Rennkalenders
zu den klimatischen Herausforderungen und zur Belastung der
Athlet:innen?
Ein zukunftsfähiger Skisport braucht nicht zwangsläufig mehr
Großereignisse, sondern verantwortungsvolle Entscheidungen. Neben der
sportlichen Belastung muss auch berücksichtigt werden, unter welchen
Bedingungen Rennen künftig zuverlässig und mit vertretbarem Aufwand
durchgeführt werden können.
Für POW ist klar: Der Klimawandel lässt sich nicht ignorieren.
Die FIS muss ihre Verantwortung wahrnehmen und den Weltcupkalender so
gestalten, dass er den klimatischen Realitäten der kommenden
Jahrzehnte Rechnung trägt.