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Wilhelm-Hradil-Hof: Meidlinger Gemeindebau nach langjährigem Bezirksvorsteher benannt

Wien (OTS) – Die städtische Wohnhausanlage in der Hohenbergstraße 34
in Meidling
trägt seit heute den Namen Wilhelm-Hradil-Hof. Mit der Hofbenennung
erinnert die Stadt Wien an den langjährigen Meidlinger
Bezirksvorsteher Wilhelm Hradil, der sich über Jahrzehnte für seinen
Bezirk und für soziale Gerechtigkeit einsetzte. Nach dem Zweiten
Weltkrieg begann seine kommunalpolitische Laufbahn in Meidling. Von
1959 bis 1976 stand er als Bezirksvorsteher an der Spitze des Bezirks
und gestaltete dessen Entwicklung wesentlich mit. Eine besondere
Verbindung besteht zur Wohnhausanlage selbst: Wilhelm Hradil lebte
mehr als 50 Jahre und bis zu seinem Tod im Jahr 2002 in der
Hohenbergstraße 34.

„Wilhelm Hradil hat sich sein Leben lang für die Menschen und für
soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Schon als junger Mann trat er für
Demokratie und Freiheit ein und engagierte sich im Widerstand gegen
das austrofaschistische Regime. Später übernahm er über viele Jahre
Verantwortung für seinen Heimatbezirk. Seine Arbeit war immer am
Leben der Menschen orientiert – an gutem Wohnen, an öffentlichen
Grünräumen und an einer lebenswerten Stadt“, erklärt
Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch.

Vom Widerstand zum Bezirksvorsteher

Wilhelm Hradil wurde am 8. Februar 1914 als Sohn eines
Straßenbahners in Wien geboren und begann eine Lehre als
Schriftsetzer. Bereits als 16-Jähriger engagierte er sich in der
Sozialistischen Arbeiterjugend. Nach den Februarkämpfen 1934 und dem
Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei setzte er sein
politisches Engagement in der illegalen Revolutionären
Sozialistischen Jugend fort. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen,
im Krieg verwundet und nach seiner Genesung in Gefangenschaft
genommen. 1946 kehrte Hradil nach Wien zurück und begann seine
kommunalpolitische Laufbahn in Meidling. 1950 wurde er Bezirksrat,
1959 Bezirksvorsteher. In seine bis 1976 dauernde Amtszeit fielen
unter anderem die Renovierung des Theresienbads, zahlreiche
Parkanlagen, die Schaffung moderner Wohnungen und der Bau wichtiger
Brücken.

„Wilhelm Hradil war Meidling über viele Jahrzehnte eng verbunden.
Als Bezirksvorsteher hat er mit großem Einsatz daran gearbeitet, den
Bezirk lebenswerter zu machen – mit neuen Wohnungen, mehr Grün,
wichtiger Infrastruktur und vielen Verbesserungen, die bis heute
sichtbar sind. Dass nun ein Gemeindebau seinen Namen trägt, ist eine
besonders schöne Form der Erinnerung an einen Mann, der Meidling
nicht nur politisch geprägt hat, sondern diesem Bezirk auch
persönlich tief verbunden war“, betont Bezirksvorsteher Wilfried
Zankl.

Für seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit erhielt Hradil unter
anderem das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik
Österreich. Auch nach seiner Pensionierung engagierte er sich als
Vorsitzender des Meidlinger Pensionistenverbands. Wilhelm Hradil
starb am 15. November 2002 in Wien.

Gemeindebau aus der Zeit des Roten Wien

Die Wohnhausanlage in der Hohenbergstraße 34 wurde zwischen 1927
und 1930 errichtet und umfasst 37 Wohnungen. Die zwei- und
dreigeschoßigen Bauten des Architekten Camillo Fritz Discher sind
villenartig gestaltet und von terrassenartig angelegten Grünflächen
geprägt. Von 1993 bis 1995 wurde die Anlage saniert. Dabei wurden
unter anderem das Dach neu gedeckt, die Fassade instandgesetzt und
die Wohnhausanlage an die Fernwärme angeschlossen.

„Der Wilhelm-Hradil-Hof steht für die lange Geschichte des Wiener
Gemeindebaus und zugleich dafür, dass wir dieses wertvolle Erbe
erhalten und weiterentwickeln. Die Anlage wurde umfassend saniert und
bereits in den 1990er-Jahren an die Fernwärme angeschlossen. So
bleiben Gemeindebauten, die vor beinahe hundert Jahren errichtet
wurden, auch für kommende Generationen lebenswert und leistbar. Die
Benennung nach Wilhelm Hradil verbindet diese Tradition mit der
Geschichte Meidlings“, sagt Wiener Wohnen-Vizedirektor Daniel Milovic
-Braun.