Wien (OTS) – Der gemeinnützige Wohnbau sorgt nicht nur für günstigere
Wohnungen
für seine Bewohnerinnen und Bewohner, sondern wirkt weit darüber
hinaus auf Wohnungsmarkt, Kaufkraft und öffentliche Haushalte. Das
zeigen erste Zwischenergebnisse einer laufenden Studie des
Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) zu den
ökonomischen Wirkungen der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs).
Insgesamt ergibt sich unter Einbeziehung der preisdämpfenden Wirkung
auf den privaten Mietmarkt ein Wohnkostenvorteil von rund 2,5
Milliarden Euro pro Jahr. Die aktuellen Berechnungen zeigen damit,
dass die ökonomische Bedeutung des gemeinnützigen Wohnbaus seit der
erstmals 2021 durchgeführten Untersuchung deutlich zugenommen hat.
Zwtl.: Im Schnitt 228 Euro weniger Wohnkosten pro Monat
Haushalte in Wohnungen von GBVs zahlen im Durchschnitt rund ein
Viertel weniger als für eine vergleichbare private Mietwohnung. Für
einen GBV-Mieterhaushalt entspricht dies aktuell einer
durchschnittlichen Entlastung von rund 228 Euro pro Monat. „Der
finanzielle Vorteil des gemeinnützigen Wohnbaus hat in den
vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Ein wesentlicher Grund dafür
ist die unterschiedliche Entwicklung der Mieten: Während die privaten
Mieten infolge der hohen Inflation und des veränderten Zinsumfelds
kräftig gestiegen sind, entwickelten sich die Kostenmieten im
gemeinnützigen Sektor deutlich moderater“, so Dr. Michael Klien,
Studienleiter am WIFO. Dass sich dieser Kostenvorteil unmittelbar im
Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner bemerkbar macht, unterstreicht
auch KR Mag. Michael Gehbauer, Verbandsobmann: „Die Zahlen zeigen
sehr deutlich, welchen Unterschied das gemeinnützige Wohnungsmodell
für die Menschen macht. 228 Euro weniger Wohnkosten im Monat sind für
einen Haushalt eine spürbare Entlastung. Gerade in Zeiten hoher
Lebenshaltungskosten zeigt sich, wie wichtig ein Wohnungssektor ist,
der sich an den tatsächlichen Kosten und nicht an der Marktmiete
orientiert.“
Zwtl.: Gemeinnütziger Wohnbau dämpft auch private Mieten
Die Untersuchung zeigt deutlich, dass der gemeinnützige Wohnbau
nicht nur den eigenen Bewohnerinnen und Bewohnern zugutekommt. Ein
ausreichend großer Bestand an GBV-Wohnungen wirkt auch auf die Preise
am privaten Mietmarkt. „Steigt der Anteil gemeinnütziger Wohnungen um
zehn Prozentpunkte, liegen die privaten Mieten im Durchschnitt um
rund 0,30 Euro pro Quadratmeter niedriger. Ohne die Präsenz
gemeinnütziger Wohnungen wären die privaten Mieten demnach höher“, so
Klien.
Zwtl.: Besonders große Vorteile in angespannten Wohnungsmärkten
Besonders hoch fällt der Mietvorteil dort aus, wo die
Wohnungsmärkte stark angespannt sind. In Tirol beträgt die Differenz
rund 5,0 Euro pro Quadratmeter, in Wien 4,7 Euro, in Salzburg und
Vorarlberg jeweils rund 4,5 Euro pro Quadratmeter. Generell ist der
Vorteil in dicht besiedelten Gemeinden deutlich höher als im
ländlichen Raum. Auch im Neubau ist der Unterschied besonders
ausgeprägt. In Gebäuden, die seit 2011 errichtet wurden, liegt der
Mietvorteil bei rund 4,5 Euro pro Quadratmeter. Gerade hier stehen
hohen privaten Marktmieten die kostendeckend kalkulierten Entgelte
der GBVs gegenüber.
Zwtl.: Bis zu zwei Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung
Die WIFO-Studie untersucht auch die gesamtwirtschaftlichen
Auswirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus. Dafür wird die tatsächliche
Situation in Österreich mit unterschiedlichen Szenarien ohne GBV-
Sektor verglichen. Je nach Abgrenzung ergibt sich daraus eine
positive Wirkung auf das österreichische Bruttoinlandsprodukt von
etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr. Der Betrag ergibt sich aus den
unmittelbaren Preiseffekten sowie indirekten Preiseffekten und der
zusätzliche Wohnbautätigkeit. Ein wesentlicher Mechanismus dahinter
ist die höhere Kaufkraft. „Leistbares Wohnen ist eine ganz konkrete
soziale Frage. Wer jeden Monat weniger für seine Wohnung ausgeben
muss, hat mehr finanziellen Spielraum für Lebensmittel, Energie,
Mobilität oder die Familie. Dass ein besonders großer Teil des
Mietvorteils bei Haushalten mit niedrigeren Einkommen ankommt, zeigt
die starke soziale Komponente des gemeinnützigen Wohnbaus.“, Mag.a
Isabella Stickler, Obmann-Stellvertreterin.
Zwtl.: Auch der Staat profitiert
Sehr deutlich zeigt sich die Entlastung durch GBVs auch bei
staatlichen Transferleistungen. Weil die Wohnkosten im gemeinnützigen
Sektor niedriger sind, fallen auch die notwendigen Ausgaben für
Wohnbeihilfe und Sozialhilfe geringer aus. Insgesamt ergibt sich laut
den aktuellen Berechnungen eine jährliche Entlastung von rund 280
Millionen Euro. Die derzeitigen Ausgaben für Wohnbeihilfen liegen
österreichweit bei rund 300 Millionen Euro. Ohne den gemeinnützigen
Wohnbau wären die erforderlichen Unterstützungsleistungen damit
erheblich höher. „Der gemeinnützige Wohnbau entlastet die Menschen
zweimal: unmittelbar durch niedrigere Wohnkosten und mittelbar, weil
weniger öffentliche Mittel eingesetzt werden müssen, um hohe
Marktmieten sozial abzufedern. Diese Zahlen zeigen, dass
Investitionen in den gemeinnützigen Wohnbau nicht nur
wohnungspolitisch, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll sind.
Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die im
Regierungsprogramm vorgesehenen Verhandlungen zum WGG-Paket
aufzunehmen und eine Offensive für den gemeinnützigen Wohnbau zu
starten,“ so die Verbandsobleute abschließend.
Über GBVs
GBVs, kurz für Gemeinnützige Bauvereinigungen, sind Österreichs erste
Adresse für leistbares Wohnen. Mit rund 173 gemeinnützigen
Wohnbauträgern, über 1.000.000 zur Verfügung gestellten Wohnungen und
über 2.000.000 Bewohnerinnen und Bewohnern leisten sie Tag für Tag
einen wesentlichen Beitrag dafür, dass Wohnen in Österreich in Summe
leistbar ist und leistbar bleibt. So ist man auch Vorbild für ganz
Europa.
Fotos finden Sie auf www.gbv.at
Copyright Martin Steiger