Wien (OTS) – Hefen gewinnen in zahlreichen Bereichen der
Biotechnologie zunehmend
an Bedeutung – von der Herstellung moderner Medikamente über
Anwendungen in der Lebensmittelindustrie bis hin zur Produktion
technischer Enzyme. Bereits heute wird etwa jedes fünfte
Biopharmazeutikum (z.B. Impfstoffe gegen Hepatitis B oder HPV)
mithilfe von Hefen hergestellt, gleichzeitig wächst die Nachfrage
nach biotechnologisch produzierten Proteinen weltweit stetig. Damit
zählen Hefen heute zu den wichtigsten biotechnologischen
Produktionssystemen in den Life Sciences.
Was zu Beginn der Forschungen von Brigitte Gasser im Jahr 2017
noch als sehr schwierig galt wird heute bereits umgesetzt: Hefen
produzieren in industriellen Bioreaktoren gezielt Proteine, ohne
dafür kontinuierlich wachsen zu müssen.
Ein echter Paradigmenwechsel, denn die durch stetiges Wachstum
entstehende Biomasse ist aus Sicht der Produktion letztlich Abfall.
Können Hefen die gewünschten Proteine weitgehend ohne dieses
unerwünschte Wachstum herstellen, spart das nicht nur Energie und
Kosten, sondern reduziert auch den Bedarf an aufwändigen technischen
Lösungen für Belüftung und Kühlung am „Arbeitsplatz“ der Hefen, dem
Bioreaktor.
Die intensive Grundlagenforschung im CD-Labor für
Wachstumsentkoppelte Proteinproduktion in Hefe widmete sich
insbesondere der Translation, also jenem Prozess, bei dem genetische
Information in Proteine übersetzt wird. Dabei konnte gezeigt werden,
dass gezielte Eingriffe in die Translationsmaschinerie einer Zelle
möglich sind und sich dadurch Wachstum und aktiver, selektiver
Transport von Proteinen aus einer Zelle heraus erfolgreich
voneinander entkoppeln lassen.
Für den Unternehmenspartner Lonza AG sind die im CD-Labor erforschten
Methoden und Mechanismen von großer Bedeutung. Das Unternehmen stellt
seinen Kunden Expertise und Infrastruktur für biotechnologische
Produktionsprozesse zur Verfügung, und kann das neue Wissen bereits
heute externen Partnern aus unterschiedlichen Branchen anbieten.
Damit gelangen die Erkenntnisse aus dem CD-Labor rasch in die
wirtschaftliche Anwendung und leisten einen wichtigen Beitrag dazu,
Proteine nachhaltig, in hoher Qualität und in großen Mengen
herzustellen.
Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer: „CD-Labors sind ein
wichtiges Instrument, um neues Wissen aus der Grundlagenforschung
rasch und ohne Umwege in die industrielle Anwendung zu bringen. Die
diesjährige Preisträgerin zeigt das einmal mehr in beeindruckender
Weise: Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Unternehmenspartner
Lonza AG sind ihre hochinteressanten wissenschaftlichen Durchbrüche
auch wirtschaftliche Durchbrüche, die gleich mehreren Branchen
zugutekommen werden. Das stärkt den europäischen Biotechnologie-
Standort ebenso wie Österreichs international starke Rolle in den
Life Sciences. Ich gratuliere der Preisträgerin Brigitte Gasser
herzlich zu ihrer innovativen Forschung, die all dies ermöglicht
hat.“
CDG-Präsident Martin Gerzabek : „Die diesjährige Preisträgerin
und ihre Erfolge sind ein besonders anschauliches Beispiel für die
Wirksamkeit unseres Fördermodells: Einerseits bilden die vom
Unternehmenspartner formulierten industriellen Fragestellungen den
Ausgangspunkt für die Forschung in einem CD-Labor. Andererseits
braucht Grundlagenforschung Freiraum für wissenschaftliche Neugier –
und genau dieser Freiraum ist in CD-Labors fest verankert. Im Fall
von Laborleiterin Brigitte Gasser und ihrem Team war es gerade dieser
Freiraum, der zum nun preisgekrönten innovativen Ansatz der
Entkopplung von Hefezellwachstum und Proteinproduktion führte. Die
daraus entstandenen Ergebnisse haben den Stand der Forschung
nachhaltig verändert. Herzlichen Glückwunsch an Brigitte Gasser!“
Preisträgerin Brigitte Gasser: „CD-Labors sind etwas ganz
Besonderes, da sie es ermöglichen langfristig an einem Thema zu
forschen. Durch die Erschließung neuer Fragestellungen und Methoden
konnten wir die Biologie der Hefe Komagataella phaffii maßgeblich
vorantreiben und zugleich praxistaugliche Ansätze für die
industrielle Proteinproduktion entwickeln. Durch die Zusammenarbeit
mit dem Unternehmenspartner blieb dabei stets auch die Anwendung im
Blick.
Für die Sichtbarkeit meiner Forschungsgruppe war das CD-Labor ein
Katalysator: durch die über 100 veröffentlichten Beiträge auf
Konferenzen und in Fachzeitschriften wurde die Sichtbarkeit unseres
Fachgebiets erhöht, internationale Netzwerke wurden ausgebaut, und es
gelang, weitere nationale und europäische Projekte erfolgreich
einzuwerben. Zugleich bot das CD-Labor einen exzellenten Rahmen für
die Ausbildung und Karriereentwicklung für die nächste Generation an
hochqualifizierten Wissenschaftler*innen. Insgesamt hat das CD-Labor
maßgeblich zu meiner wissenschaftlichen Profilbildung beigetragen und
die nachhaltige Wirkung meiner Forschung deutlich gestärkt.“
Yves Balmer, Director R&D Microbial Biopharma, Lonza AG: „Das CD-
Labor bot den idealen Rahmen, um gemeinsam mit einer international
renommierten Hefe-Forschungsgruppe ein ambitioniertes,
wissenschaftlich anspruchsvolles und zugleich industrienahes Konzept
zu erforschen. Für Lonza ergeben sich daraus konkrete
Wettbewerbsvorteile durch effizientere, robustere und potenziell
kostengünstigere Produktionsprozesse sowie eine Stärkung der
technologischen Führungsposition.“
Christoph Pfeifer, Vizerektor für Forschung und Innovation der
BOKU University : „CD-Labors sind ein wesentlicher Motor für
anwendungsnahe Exzellenzforschung an der BOKU University. Sie
verbinden industrielle Partner mit Spitzenforschung, generieren
Grundlagenwissen und verknüpfen dieses mit angewandter Forschung.
Dadurch werden der Technologietransfer gestärkt, die internationale
Sichtbarkeit erhöht, hochqualifizierte Fachkräfte ausgebildet und
Drittmittel für strategische Zukunftsfelder gesichert.
In einem dieser Zukunftsfelder erforschen Prof.in Brigitte Gasser und
ihr Team, wie sich die Proteinsynthese in biotechnologisch genutzten
Hefen von deren Wachstum entkoppeln lässt. Die gewonnenen
Erkenntnisse ebnen den Weg zu nachhaltigen Produktionsplattformen und
stärken die Führungsrolle der BOKU in der industriellen
Biotechnologie – zum unmittelbaren Nutzen von Wissenschaft,
Wirtschaft und Gesellschaft.“
Über den CDG-Preis für Forschung und Innovation
Der CDG-Preis für Forschung und Innovation ist mit insgesamt
40.000 Euro dotiert und zeichnet aktive oder ehemalige Leiter*innen
von Christian Doppler Labors (CD-Labors) oder Josef Ressel Zentren (
JR-Zentren) aus, die den Grundgedanken der Christian Doppler
Forschungsgesellschaft in herausragender Weise umsetzen konnten:
Exzellente Erkenntnisse in der anwendungsorientierten
Grundlagenforschung und darauf aufbauend die Stärkung der
Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmenspartner.
Damit unterstreichen sie zugleich die hohe Bedeutung der Christian
Doppler Forschungsgesellschaft für die langfristige Sicherung des
Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Österreich.
CD-Labors und JR-Zentren werden von der öffentlichen Hand und den
beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Öffentliche Fördergeber
sind das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (
BMWET) sowie die Österreichische Nationalstiftung für Forschung,
Technologie und Entwicklung.
Weiterführende Informationen:
Paradigmenwechsel in der Proteinproduktion, die Erfolgsgeschichte
zum CDG-Preis 2026: https://www.cdg.ac.at/aktuelles-
termine/aktuelles/article/paradigmenwechsel-in-der-proteinproduktion-
880
Bildergalerie der Preisverleihung: https://www.apa-
fotoservice.at/galerie/39798
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at