Wien (OTS) – 122 Millionen Euro werden jährlich in Österreich per
Testament an
gemeinnützige Vereine vererbt – ein neuer Höchststand. Laut
Fundraising Verband Austria ist diese Form des Spendens in den
vergangenen zehn Jahren um mehr als 120 Prozent gewachsen. Gründe
dafür könnten im demografischen Wandel liegen: Immer mehr Menschen
bleiben kinderlos. Rund 90 Prozent der Testamentsspenden stammen von
alleinstehenden Personen, im Schnitt werden 50.000 bis 100.000 Euro
vererbt. Besonders häufig profitieren Tierschutzvereine, aber auch
Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Pflege, Soziales sowie
Kinder- und Jugendschutz. Die „Am Schauplatz“-Reportage „Mein Wille
geschehe“ von Gudrun Kampelmüller begleitet am Donnerstag, dem 22.
Oktober 2026, um 21.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON Menschen, die über
ihren Tod hinaus Gutes bewirken wollen, und fragt nach ihren Motiven.
Da ist etwa Gerda Krebs, 95, ehemalige Schauspielerin und
überzeugte Vegetarierin. Ihr Leben lang habe sie versucht, Tieren zu
helfen, erzählt sie. „Ich bin die letzte meiner Sippe“, sagt sie,
„und wenn ich einmal nicht mehr bin, dann gehört alles dem
Tierschutz“. Anton und Helene Brenner haben ihr Testament zugunsten
der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs
gemacht. Helene Brenner leidet an einer Erbkrankheit und ist vor drei
Jahren vollständig erblindet. „Die Hilfsgemeinschaft ist wie eine
Familie für mich“, sagt sie.
Auch Helga Müller, eine 2021 verstorbene Wienerin, vermachte
einen Großteil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken. Insgesamt
spendete sie 1,5 Millionen Euro, vor allem für soziale Projekte im
Ausland. 400.000 Euro gingen an die Organisation Minka in Peru. Deren
Leiter Francisco San Martin war überrascht: In 40 Jahren
Entwicklungsarbeit hatte er noch nie eine Testamentsspende erhalten.
Für viele gemeinnützige Vereine sind solche Zuwendungen
überlebenswichtig. Doch bis das Geld tatsächlich ankommt, können
Jahre vergehen. In der Reportage berichten Vereinsvertreter von
langwierigen Verlassenschaften, erbitterten Streitigkeiten und
verschwundenen Testamenten. Manche sprechen sogar von einer
regelrechten Industrie, die nach dubiosen Erben sucht – oft entgegen
dem letzten Willen der Verstorbenen.