Wien (OTS) – Ob sich Studierende ein Studium leisten können, hängt in
Österreich
stark von den finanziellen Möglichkeiten ihres Elternhauses ab.
Staatliche Beihilfen sollen diese Ungleichheiten abfedern, doch viele
Studierende kennen ihre Ansprüche nicht. Laut
Studierendensozialerhebung wissen 73 Prozent zumindest „etwas“ über
die Studienbeihilfe Bescheid. Nur 59 Prozent kennen die
Studienbeihilfe nach Selbsterhalt, 34 Prozent die
Auslandsstudienbeihilfe und 33 Prozent den Kinderbetreuungszuschuss.
Die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) sieht darin ein
strukturelles Problem. „ Bildung wird in Österreich noch immer
vererbt. Wer aus einer akademischen Familie kommt, profitiert oft
nicht nur von finanzieller Absicherung, sondern auch vom Wissen über
das Hochschulsystem. Wer als Erste_r in der Familie studiert, muss
sich dagegen vieles selbst erarbeiten. Wenn selbst der Zugang zu
staatlicher Unterstützung vom Wissen des Elternhauses abhängt, werden
soziale Ungleichheiten weiter verfestigt “, kritisiert Viktoria
Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.
Zwtl.: Bildungschancen ungleich verteilt
Doch komplizierte Anspruchsvoraussetzungen und finanzielle Hürden
erschweren den Zugang. Die ÖH fordert deshalb eine automatische
Valorisierung der elterlichen Einkommensgrenzen bei der
Studienbeihilfe, damit Studierende nicht aufgrund nominell steigender
Einkommen ihre Ansprüche verlieren. „ Wer für die nächste Miete
arbeiten muss, studiert nicht unter denselben Bedingungen wie jemand,
dessen Eltern alles finanzieren. Gleiche Bildungschancen bleiben eine
Illusion, solange soziale Herkunft über finanzielle Sicherheit
entscheidet. Deshalb braucht es eine existenzsichernde
Studienbeihilfe und Einkommensgrenzen, die mit der Teuerung steigen.
Der Zugang zur Bildung darf nicht am Kontostand der Eltern scheitern
“, betont Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz.
Zwtl.: Beihilfen-Anspruch für Vertriebene aus der Ukraine und
subsidiär Schutzberechtigte gefordert
Auch bei der Studienbeihilfe bestehen Ausschlüsse aufgrund von
Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus. Die ÖH fordert daher, aus
der Ukraine vertriebenen Studierenden und subsidiär
Schutzberechtigten den Zugang zur Studienbeihilfe zu ermöglichen.
Gleichzeitig sollen die höheren Studiengebühren für
Drittstaatstudierende sowie die Beschäftigungsbewilligungspflicht
abgeschafft werden. „ Drittstaatstudierende zahlen höhere
Studiengebühren, haben erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt und sind
von wichtigen Förderungen ausgeschlossen. Diese Rahmenbedingungen
schaden nicht nur unserem Wissenschaftsstandort, sondern unmittelbar
Studierenden aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit. Der Zugang zu
Bildung darf nicht vom Reisepass abhängen !“, erklärt Umut Ovat aus
dem ÖH-Vorsitz.
Zwtl.: Niederschwelliger Infocall am Montag
Um Studierende über bestehende Fördermöglichkeiten zu
informieren, veranstaltet die ÖH am 12. Oktober um 17.30 Uhr
gemeinsam mit der Stipendienstelle einen kostenlosen Online-Infocall
. Dabei werden Beihilfen, Anspruchsvoraussetzungen und die
Antragstellung erklärt sowie Fragen beantwortet. Die Teilnahme
erfolgt über Zoom ohne Anmeldung, der Link ist in der Instagram-
Biografie der ÖH abrufbar. Weitere Informationen zu Beihilfen finden
Studierende unter https://www.stipendium.at/ und
https://www.oeh.ac.at/studieren/stipendien-und-beihilfen/ .
Die ÖH fordert die Politik auf, Studienförderung als Instrument
sozialer Umverteilung auszubauen. Dafür braucht es existenzsichernde
Beihilfen, gerechte Anspruchsvoraussetzungen und den Abbau
diskriminierender Hürden. Denn ein Hochschulsystem, das allen formal
offensteht, aber nicht für alle leistbar ist, schafft noch keine
Bildungsgerechtigkeit.