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Schmuckenschlager: Weinlese 2026 wegen Hitze außergewöhnlich früh

Wien (OTS) – Früher Austrieb, zeitige Rebblüte und hohe Temperaturen
haben die
Reifeentwicklung der Trauben 2026 deutlich beschleunigt. Entsprechend
früh hat heuer die Weinlese begonnen. Gleichzeitig führt die
Trockenheit zu erheblich geringeren Erträgen: Erwartet wird eine
Weinernte von rund 1,7 Mio. Hektolitern. Qualitativ stimmen die
gesunden, reifen und kleinbeerigen Trauben jedoch zuversichtlich.

„2026 ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Weinjahr –
mit früher Reife, kleinen Beerendurchmessern und geringen
Erntemengen. Gleichzeitig bringen die Winzerinnen und Winzer sehr
gesundes und reifes Traubenmaterial in die Keller. Wir erwarten einen
ausdrucksstarken, aromatischen Weinjahrgang“, erklärte Österreichs
Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager heute beim jährlichen
Weinernte-Pressegespräch in Wien.

Mengenmäßig geringe Ernte

Mengenmäßig ist 2026 mit einer deutlich geringeren Weinernte zu
rechnen als im Vorjahr und auch im Vergleich zum Durchschnitt der
vergangenen Jahre. „Nach den derzeitigen Rückmeldungen aus den
Weinbaugebieten erwarten wir heuer eine Weinernte von rund 1,7 Mio.
Hektolitern. Damit liegen wir um mehr als 30 Prozent unter der
Vorjahresernte“, betonte Schmuckenschlager und sagte weiter: „Die
extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Beeren
sind vielfach sehr klein und auch die Mostausbeute fällt entsprechend
geringer aus.“

Kleine Beeren, intensive Aromatik

Während die Trockenheit die Erntemenge reduziert, sind die
Aussichten auf die Qualität des Jahrgangs gut. Der geringe
Krankheitsdruck ermöglicht die Ernte von durchwegs gesundem
Traubenmaterial. Entscheidend ist heuer vor allem der richtige
Lesezeitpunkt. „Die Reife ist aufgrund der Witterung bereits sehr
weit fortgeschritten und macht den frühen Lesebeginn notwendig, um
ein harmonisches Zucker-Säure-Verhältnis zu erhalten“, erklärte
Schmuckenschlager. Besonders die kleinen Beerendurchmesser prägen den
Jahrgang. „Kleine Beeren bedeuten weniger Saft, aber eine hohe
Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen. Wir erwarten daher
besonders aromatische und ausdrucksstarke Weine“, so
Schmuckenschlager. Gute Voraussetzungen sieht der Weinbaupräsident
auch insbesondere für Rotwein: „Die kleinbeerigen, tiefdunklen und
konzentrierten Rotweintrauben lassen dichte, vollreife Weine
erwarten.“

Trockenheit und Hitze prägen das Weinjahr 2026

Ausschlaggebend für die außergewöhnlich frühe Weinernte ist der
Witterungsverlauf im Jahr 2026. Während der Wintermonate gab es noch
einige Niederschläge und Frostphasen, bereits ab Ende April folgte
eine Phase mit nahezu sommerlichen Temperaturen. Der Austrieb der
Reben begann Mitte April. Trotz dieses frühen Rebaustriebs waren fast
keine Spätfrostschäden zu verzeichnen. Die warme Witterung
beschleunigte die weitere Entwicklung, sodass die Rebblüte bereits
Ende Mai bzw. Anfang Juni einsetzte.

Vielerorts zeichnete sich bereits Anfang Juni ein
Niederschlagsdefizit ab. Mitte Juni setzte eine erste massive
Hitzewelle ein, die zu einem raschen Vegetationsfortschritt führte.
Abgesehen von vereinzelten Gewittern blieben ergiebige Niederschläge
in den Weinbaugebieten aus. Besonders der Osten Österreichs war von
extremer Trockenheit und Hitze betroffen. Temperaturen über 30°C
waren während des heurigen Sommers über weite Strecken gang und gäbe.

Die Weinrebe als Dauerkultur ist mit ihren tiefen Wurzeln nicht
so trockenheitsanfällig wie andere landwirtschaftliche Kulturen. Die
heurige Trockenheit brachte jedoch auch die Weinreben an ihre
vegetativen Grenzen. Besonders betroffen waren Junganlagen, deren
Wurzelsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist. Teilweise wurden
dort Trauben entfernt, um die jungen Stöcke zu entlasten. Das Ausmaß
der Trockenheitsschäden in den einzelnen Weingärten wurde wesentlich
von der Beschaffenheit und Wasserspeicherfähigkeit der Böden sowie
von der Bewirtschaftung und Pflege während der Trockenperiode
beeinflusst.

Hauptlese bereits Anfang September angelaufen

Der frühe Austrieb, die zeitige Blüte und die hohen Temperaturen
während des Sommers haben die Reifeentwicklung deutlich beschleunigt.
Entsprechend früh hat die Weinlese begonnen. Im Seewinkel im
Burgenland geht die Lese sogar bereits dem Ende zu. In
Niederösterreich, der Steiermark und Wien hat Anfang September die
Hauptlese gestartet.

Herausfordernde Marktsituation

Neben den witterungsbedingt geringeren Erträgen bleibt auch die
Marktsituation für die Weinbaubetriebe herausfordernd. Ein
verändertes Konsumverhalten, ein rückläufiger Weinkonsum und hoher
Preisdruck wirken sich auf die gesamte Branche aus. Umso wichtiger
ist es, die Herkunft und Qualität österreichischer Weine stärker in
den Mittelpunkt zu rücken. „Unsere Betriebe brauchen für ihre
hochwertigen Weine auch entsprechende Absatzmöglichkeiten und Preise,
die eine wirtschaftliche Produktion zulassen“, hob Schmuckenschlager
hervor.

Schädlinge und Rebkrankheiten erhöhen den Druck im Weinbau

Neben Marktsituation, Trockenheit und Hitze stellen auch
Schädlinge und Pflanzenkrankheiten die Weinbaubetriebe zunehmend vor
Herausforderungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit der
Amerikanischen Rebzikade, die sich auch in Österreich etabliert hat.
Sie überträgt die Goldgelbe Vergilbung, eine gefährliche
Rebkrankheit, die sich rasch ausbreiten kann und zum Absterben
befallener Rebstöcke führt. Nachdem sich die Krankheit in der
Steiermark und im Burgenland bereits stark ausgebreitet hat, wurde
sie heuer erstmals auch in Niederösterreich nachgewiesen, was
gezielte Maßnahmen erfordert.

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