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Mehr Power für den Überflutungsschutz: Europas größte Regenwasserpumpe auf der Donauinsel ist einsatzbereit

Wien (OTS) – Das Pumpwerk Donauinsel ist das größte und
leistungsfähigsten
Abwasserpumpwerke Europas. Es wurde im Zuge der Errichtung der
Donauinsel als Teil eines großen Abwasserinfrastrukturprogramms
zwischen 1970 und 1980 errichtet und zählt zu den wichtigsten
Bausteinen im Wiener Abwassersystem. Nach dem erfolgreichen Einsatz
gegen das verheerende Unwetter im September 2024 erhielt es nun ein
umfassendes Update. Neben der baulichen und energetischen Sanierung
des Gebäudes wurde auch die Anlagentechnik des Pumpwerks ausgebaut.
Mit 15.000 Litern pro Sekunde installierte Wien Kanal Europas
leistungsstärkste Regenwasserpumpe dieser Bauart. Das 18 Millionen
Euro Projekt, das von der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme in nur
22 Monaten umgesetzt wurde, rüstet die Stadt für die
Herausforderungen des Klimawandels.

„Verantwortungsvolle Politik bedeutet heute schon, an Übermorgen
zu denken. Deshalb haben wir sofort nach dem verheerenden Hochwasser
im September 2024 mit den Ausbauplänen für diesen Abwasserknoten
begonnen. Wir stärken unsere Infrastruktur, um die Menschen in
Floridsdorf und Donaustadt in Zukunft noch besser vor
Starkregenereignissen zu schützen. Mit der Investition in das
Pumpwerk Donauinsel erhöhen wir die Abflusskapazität bei Regen, und
schaffen so mehr Sicherheit für den 21. und 22. Bezirk“, erklärt
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky die Maßnahmen.

Zwtl.: Mehr Power für den Überflutungsschutz

Das Pumpwerk Donauinsel ist mit einer installierten elektrischen
Leistung von knapp 10 Megawatt der wichtigste Knoten bei der
Abwasserentsorgung der Bezirke 21 und 22. An einem trockenen Tag
werden zwischen 600 und 2.000 Liter Abwasser pro Sekunde unter der
Donau zur Kläranlage nach Simmering transportiert. Bei Regen ist es
ein Vielfaches mehr, dann lässt das Pumpwerk seine „Muskeln“ spielen.

Bei Starkregen kann über besonders leistungsstarke
Regenwasserpumpen Mischwasser in die Donau ausgeleitet werden.
Mischwasser bedeutet: Bei Regen vermischt sich das Abwasser aus den
Haushalten stark mit dem Niederschlagswasser von Straßen und Dächern.
Dieses Wasser muss rasch abgeleitet werden, um Überschwemmungen auf
den Straßen zu vermeiden. Dazu wird das Kanalnetz über Pumpwerke wie
eben jenes auf der Donauinsel in die Donau entlastet.

Bisher war die Anlage mit drei Schmutzwasserpumpen und sechs
Regenwasserpumpen mit einer Leistung von 45.000 Litern pro Sekunde
ausgerüstet. Durch die neue Hochleistungspumpe wurde die
Spitzenleistung nun auf 60.000 Liter pro Sekunde erhöht. Das bedeutet
mehr Schutz bei Starkregen für die Bezirke Floridsdorf und
Donaustadt. Die vertikale Rohrgehäusepumpe, so der Fachbegriff, ist
mit 15.000 Litern pro Sekunde die größte ihrer Art im europäischen
Raum. Zudem wurde die bestehende Anlage elektrisch aufgerüstet. Zwei
6.000-Volt-(6 kV) – Frequenzumrichter bieten nun die Möglichkeit, die
Drehzahl der beiden bestehenden Regenwasserpumpen mit jeweils 10.000
Litern pro Sekunde zu steuern. Damit kann je nach Zufluss die
Geschwindigkeit des Motors an die jeweilige Fördermenge angepasst
werden. Das hilft nicht nur, Energie zu sparen, sondern wirkt sich
auch positiv auf die Lebensdauer des Motors aus und stimmt die
Leistung besser auf die Bedürfnisse des Systems ab. Für die neue
Motorenkühlung wurde auf eine stromfressende Kältemaschine
verzichtet. Stattdessen werden die Aggregate über einen Wärmetauscher
mit Brunnenwasser gekühlt.

Bezirksvorsteher Georg Papai: „Ich begrüße diese Investitionen
für die Menschen in unserem Bezirk. Für Floridsdorf ist das Pumpwerk
Donauinsel von großer Bedeutung. Es verbessert nicht nur den Schutz
vor Überflutungen, sondern sichert auch die Entsorgung der Abwässer
für die nächsten Generationen.“

Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Melanie Poukar-Neppach: „Das
Team von Wien Kanal hat beim letzten Unwetterereignis Unglaubliches
geleistet und unsere Stadt vor Schlimmerem bewahrt. Deshalb ist
dieses Projekt entscheidend für die Donaustadt. Mit der zusätzlichen
Leistung der neuen Pumpe können wir noch besser auf
Starkregenereignisse reagieren und die Infrastruktur unseres Bezirks
schützen.“

Zwtl.: Update für die Kanalnetzsteuerung

Um bei Regen die rasch steigenden, gewaltigen Wassermassen sicher
durch die Stadt zu leiten, wird das gesamte Wiener Kanalnetz digital
über die Leitwarte auf der Donauinsel gesteuert. Sie ist das
Herzstück des 2.500 Kilometer langen Kanalnetzes unserer Stadt.
„Aufgabe der Leitwarte ist es, jederzeit dafür zu sorgen, dass Wasser
dort ankommt, wo es hingehört: an trockenen Tagen in die Kläranlage,
bei Regen in die unterirdischen Speicher oder über unsere Pumpen
rasch aus der Stadt“, erklärt Wien-Kanal-Direktor Andreas Ilmer eine
weitere Funktion des Standortes.

Täglich wird eine halbe Milliarde Liter Abwasser von 2 Millionen
Menschen, 180.000 Gebäuden und 7 Umlandgemeinden sicher und
umweltgerecht durch das Kanalnetz transportiert. Es sind gewaltige
Abwassermengen – rund 6.000 Liter pro Sekunde –, die an trockenen
Tagen in der Stadt anfallen. Eine ausgeklügelte Software verarbeitet
die aktuellen Durchflussdaten von 700 Messstellen im Leitungsnetz und
Wetterereignisse im Umland. Auf Monitoren sind die Schemata von
Kanälen, Pumpen, Schieber- und Speicherbauwerken abgebildet. 40.000
Datenpunkte kommen hier über ein 100 Kilometer langes Glasfasernetz
an und werden laufend zu rund 1.000 Anlagenbildern verarbeitet.
Regenmengen werden an 35 Niederschlagsmessstellen erfasst und in
Echtzeit an die GeoSphere Austria übertragen. Dort wird ein
Prognosemodell errechnet und als Grundlage für die Steuerung an die
Wien-Kanal-Leitwarte geliefert.

Mit dem Ausbau des Pumpwerks erhielt auch die gesamte digitale
Infrastruktur ein Update. Die Leistungsfähigkeit des Systems wurde
durch neue Hard- und Software abgesichert. Damit wird man den
zukünftigen Anforderungen an die Netz- und Informationssicherheit
gerecht. Auch die Arbeitsplätze wurden zukunftsfit gestaltet. Die
Übersiedlung in einen Raum mit Tageslicht, neueste Monitor-Technik
und ergonomisch anpassbare Tische und Sessel unterstützen künftig das
konzentrierte Arbeiten im Schichtbetrieb.

Zwtl.: Gebäude ist klimafit

Neben dem erweiterten Überflutungsschutz und neuester IT wurde
das gesamte Bauwerk klimafit gemacht. Das Gebäude wurde thermisch
optimiert, Dachflächen isoliert, Isolierglasfenster montiert und ein
außen liegender Sonnenschutz angebracht. Auf dem Dach wachsen
wasserspeichernde Pflanzen, Kräuter und Gräser und kühlen damit die
Decke. Ab sofort wird das Dach für die Sonnenstrom-Offensive der
Stadt Wien genutzt. Auf der rund 3.000 Quadratmeter großen Dachfläche
arbeitet eine Solarstromanlage mit einer Spitzenleistung von 260
Kilowatt. Damit können je nach Verbrauch der Strombedarf von 50 bis
100 Haushalten gedeckt werden.

Ein weiterer wichtiger ökologischer Schritt war der Umstieg von
der Ölheizung auf Wärmepumpentechnik. Ein 17 Meter tiefer und 1,2
Meter großer Brunnen liefert bis zu 45 Liter Grundwasser pro Sekunde.
Dieses Grundwasser ist im Vergleich zu Luft oder Erde die effektivste
Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Da das Grundwasser ganzjährig
Temperaturen von 10 bis 16 Grad aufweist, startet die Wärmepumpe ihre
„Wärmeveredelung“ von einem höheren Temperaturniveau als bei Erd-
oder Luftnutzung. Die aufbereitete Wärme wird zum Heizen des Gebäudes
und zur Warmwasserbereitung verwendet. Damit spart Wien Kanal 300
Tonnen CO 2 und rund 50.000 Euro pro Jahr.

Zwtl.: Weiterer Ausbau: Gigantisches Speicherbecken und zweite
Donauquerung geplant

„Das Unwetter von 2024 hat gezeigt, dass die Maßnahmen der Stadt
Wien zum Schutz vor Überflutungen wirken. Abwasserkanäle sind zwar
nicht primär für den Hochwasserschutz ausgelegt, aber mit der
gezielten Steuerung des Kanalnetzes, großen unterirdischen Speichern
und leistungsstarken Pumpen konnten wir damals Schlimmeres
verhindern“, erinnert Stadtrat Jürgen Czernohorszky an die
Ereignisse. „Gleichzeitig müssen wir unsere kritische Infrastruktur
gegen neue Bedrohungen wie Cyberangriffe und Sabotage absichern.
Unsere Infrastruktur muss auch bei anhaltendem Krisendruck und
gleichzeitig auftretenden Extremwetterereignissen funktionsfähig
bleiben. Mit dem weiteren Ausbau dieses wichtigen Abwasserknotens
stärken wir daher zwei Bereiche: den Schutz vor den Folgen von
Starkregen und Überflutungen sowie die Redundanz und
Ausfallsicherheit der Abwasserentsorgung“, so Czernohorszky weiter.

Wien Kanal plant dazu zwei miteinander verbundene Bauvorhaben:
ein unterirdisches Speicherbecken auf der Donauinsel und eine zweite
Verbindungsleitung unter der Donau zur Kläranlage in Simmering. Durch
die Einbindung der neuen Bauwerke in das bestehende Kanalnetz soll
insbesondere die Sicherheit der Abwasserentsorgung in Floridsdorf und
der Donaustadt weiter erhöht werden.

Das Speicherbecken soll ein Fassungsvermögen von rund 100
Millionen Litern Abwasser haben und zwei wesentliche Funktionen
erfüllen. Bei einem Ausfall eines Pumpwerks kann es Schmutzwasser
vorübergehend aufnehmen und dadurch eine direkte Entlastung in die
Donau verzögern. Bei Regenwetter trägt das Becken außerdem dazu bei,
Mischwasserentlastungen in die Donau deutlich zu reduzieren. Damit
leistet es einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz und zur
Absicherung der Abwasserentsorgung bei Extremwetterereignissen.

Die zweite Donauquerung wird als redundante Verbindungsleitung
errichtet. Die rund 500 Meter lange Rohrleitung wird unter der Donau
verlaufen und schafft eine zusätzliche Transportmöglichkeit zur
Kläranlage in Simmering. Sollte die bestehende Verbindung nicht oder
nur eingeschränkt verfügbar sein, kann dadurch die
Entsorgungssicherheit für den 21. und 22. Bezirk aufrechterhalten
werden.

Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter
https://presse.wien.gv.at/bilder abrufbar. (Schluss)