Wien (OTS) – Die aktuellen Berichte über immer längere Wartezeiten
auf Termine bei
Kassenärztinnen und Kassenärzten bestätigen aus Sicht des
Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ) ein Problem, vor dem die
Seniorenvertretungen seit Jahren warnen. Eine aktuelle
österreichweite Erhebung weist bei Kassen-Facharztterminen eine
mittlere Wartezeit von mehr als einem Monat aus, in einzelnen
Fachrichtungen sind es sogar rund zwei Monate.„Wer krank ist, braucht
einen Arzttermin und keinen Platz auf einer monatelangen Warteliste.
Gerade ältere Menschen können notwendige Untersuchungen und
Behandlungen nicht beliebig aufschieben. Wenn gleichzeitig beim
Wahlarzt binnen kurzer Zeit ein Termin verfügbar ist, dann läuft
etwas grundsätzlich falsch“, kritisiert PVÖ-Präsidentin Birgit
Gerstorfer. ****
„Die e-card muss wieder mehr wert sein als die Kreditkarte“
Für Gerstorfer geht es dabei um eine Grundfrage des solidarischen
Gesundheitssystems: „Wir akzeptieren nicht, dass sich in Österreich
immer stärker danach entscheidet, wie schnell jemand medizinisch
versorgt wird, wie viel er oder sie zusätzlich bezahlen kann. Die e-
card muss wieder mehr wert sein als die Kreditkarte. Gesundheit darf
keine Frage der Geldbörse sein.“
Gerade Pensionistinnen und Pensionisten seien auf ein
funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem besonders angewiesen.
„Ältere Menschen können nicht einfach sagen: Dann warte ich eben noch
zwei Monate. Bei vielen Erkrankungen geht es darum, möglichst früh
abzuklären und zu behandeln. Lange Wartezeiten sind daher nicht nur
ärgerlich, sondern können für die Betroffenen eine enorme Belastung
darstellen“, so Gerstorfer.
PVÖ fordert verbindliche maximale Wartezeiten
Der Pensionistenverband fordert daher ein österreichweites
Maßnahmenpaket gegen lange Wartezeiten auf Kassenarzttermine:
1. Verbindliche maximale Wartezeiten für Kassen-Facharzttermine
Nach dem Vorbild bestehender Regelungen für bestimmte
diagnostische Untersuchungen sollen nachvollziehbare und medizinisch
vertretbare Fristen festgelegt werden. Bei dringlichen Fällen muss
eine deutlich raschere Versorgung gewährleistet sein.
2. Mehr Kassenstellen und attraktivere Kassenverträge
Kassenstellen müssen insbesondere in Fachrichtungen und Regionen
mit Versorgungslücken gezielt ausgebaut werden. Gleichzeitig müssen
Kassenverträge so attraktiv gestaltet sein, dass wieder mehr
Ärztinnen und Ärzte für das öffentliche Gesundheitssystem gewonnen
werden.
3. Wahlärztinnen und Wahlärzte stärker ins Kassensystem einbinden
Wo Kassenkapazitäten fehlen, sollen vorhandene ärztliche
Kapazitäten auch für Kassenpatientinnen und Kassenpatienten nutzbar
gemacht werden. Dafür braucht es Modelle, mit denen Wahlärztinnen und
Wahlärzte zusätzliche Kassenleistungen anbieten können.
4. Transparenz bei den Wartezeiten
Patientinnen und Patienten sollen österreichweit einfach
feststellen können, wo zeitnahe Kassentermine verfügbar sind. Dafür
sind eine zentrale, transparente Terminübersicht und eine aktive
Terminvermittlung notwendig.
5. Wohnortnahe Versorgung ausbauen
Primärversorgung, Gruppenpraxen und längere Öffnungszeiten müssen
weiter ausgebaut werden. Gerade für ältere und
mobilitätseingeschränkte Menschen darf medizinische Versorgung nicht
erst nach langen Anfahrtswegen erreichbar sein.
„Die ältere Generation zahlt mehr – sie darf nicht länger auf
weniger Leistung warten“
Gerstorfer erinnert daran, dass Pensionistinnen und Pensionisten
zuletzt durch höhere Krankenversicherungsbeiträge und zusätzliche
Belastungen einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des
Gesundheitssystems leisten mussten. „Wer mehr einzahlt, darf nicht
gleichzeitig erleben, dass der Zugang zu Leistungen schwieriger wird.
Die ältere Generation zahlt mehr – sie darf nicht länger auf weniger
Leistung warten.“
Die Forderungen seien keineswegs neu. Der Pensionistenverband und
der Österreichische Seniorenrat verlangen seit Jahren eine
flächendeckende kassenärztliche Versorgung, die Reduktion langer
Facharzt- und OP-Wartezeiten sowie mehr Kassenverträge.
„Es liegen genügend Konzepte auf dem Tisch. Jetzt geht es um die
Umsetzung“, so Gerstorfer. „Unser Maßstab ist einfach: Wer eine
Ärztin oder einen Arzt braucht, muss zeitgerecht einen Kassentermin
bekommen – unabhängig von Einkommen, Alter und Wohnort. Darauf müssen
sich die Menschen in einem solidarischen Gesundheitssystem verlassen
können.“ (Schluss)