Alpbach (OTS) – Gestern (Mittwoch, 2. September) organisierte das
Team der ERSTE
Stiftung gemeinsam mit „Alles Clara“, ihrer Initiative zur Entlastung
pflegender Angehöriger, eine Diskussion im Rahmen des European Forum
Alpbach über „Young Carers“.
Unter den rund mehr als einer Million Menschen, die in Österreich
Angehörige oder nahestehende Menschen pflegen und betreuen, befinden
sich rund 43.000 Kinder und Jugendliche. Diese bisher ungesehene
Zielgruppe mit ihrer Mehrfachbelastung bei Pflege, Ausbildung,
Berufseinstieg und persönlicher Entwicklung rückte ein hochkarätig
besetztes Panel in den Mittelpunkt. Die Journalistin Damita Pressl
moderierte die Veranstaltung im Congress Centrum Alpbach.
Als Inspiration diente der aufrüttelnde Kurzfilm „Im Sturm“ von einem
Team der FH Salzburg , der erstmals gezeigt wurde. Eine Aufzeichnung
der Veranstaltung sowie „ Im Sturm “ und Fotos sind hier abrufbar.
Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann erklärte:
„Familien leisten jeden Tag Enormes – und das gilt ganz besonders für
jene, die Angehörige pflegen oder betreuen. Dafür möchte ich heute
einfach Danke sagen. Was viele nicht wissen: Auch Kinder und
Jugendliche übernehmen oft Verantwortung in ihren Familien. Diese
Young Carers verdienen unsere Aufmerksamkeit, Anerkennung und
Unterstützung.
Wir haben deswegen 100 Millionen zusätzlich pro Jahr für die mobile
Pflege auf den Weg gebracht. Die mobile Pflege ist eine wichtige
Säule im System, die auch wertvolle Unterstützung bei der Pflege und
Betreuung zu Hause ist und Angehörige unterstützt. Mir ist aber auch
wichtig, dass wir als Gesellschaft hinschauen, Betroffene nicht
alleine lassen und gemeinsam daran arbeiten, dass Hilfe dort ankommt,
wo sie gebraucht wird. Denn Pflege geht uns alle an.“
Die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Anna Schwabegger ,
fokussierte besonders auf die junge Generation: „ Junge Menschen, die
Verantwortung für die Pflege ihrer Angehörigen übernehmen, stehen
unter einem hohen psychischen Druck und dürfen mit dieser Belastung
nicht alleine gelassen werden. Besonders wichtig ist daher der Ausbau
kostenloser und niederschwelliger Therapieplätze. Gleichzeitig
braucht es ein Umfeld, das Young Carers erkennt und gezielt
unterstützt: Dafür müssen Vertrauenspersonen, etwa in Schulen oder
Jugendorganisationen, für dieses Thema entsprechend sensibilisiert
und strukturelle Unterstützungsangebote geschaffen werden.“
Auch Martin Nagl-Cupal (Professor für Pflegewissenschaft an der Uni
Wien) forderte einen stärkeren Fokus auf Young Carers und ihre
Herausforderungen: „Wir wissen inzwischen, dass es Young Carers gibt.
Die nächste Herausforderung ist, sie nicht nur sichtbar zu machen,
sondern ihnen Anerkennung, Unterstützung und Mitbestimmung zu geben –
und vor allem dafür zu sorgen, dass Kinder nicht dort Verantwortung
übernehmen müssen, wo unser Versorgungssystem Lücken hat.“
Belinda Schneider , Leiterin von superhands sowie Kinder- und
Gewaltschutzbeauftragte der Johanniter, betonte: „Young Carers und
ihre Familien brauchen flexible und niederschwellige Hilfe. Kein Kind
sollte Schule, eigene Bedürfnisse oder Zukunftspläne zurückstellen
müssen, weil ein Angehöriger pflegebedürftig ist. Mit superhands
wollen wir dazu beitragen, dass junge pflegende Angehörige gesehen
werden, Unterstützung bekommen und mit ihrer Situation nicht allein
bleiben.“
Alles Clara Geschäftsführerin Nicole Traxler zog ein Fazit des
Nachmittags: „Young Carers übernehmen oft ungesehen große
Verantwortungen in ihren Familien. Digitale Entlastungsangebote
können bei der jungen Zielgruppe besonders effektiv unterstützen,
daher haben wir Alles Clara nun für junge Menschen ab 14 Jahren
geöffnet.“
Nach der Diskussion beim Forum wurde der Kurzfilm „Im Sturm“ auch
im Veranstaltungsraum der Gemeinde Alpbach präsentiert. Hier waren
Gäste aus der Gemeinde eingeladen und konnten mit dem Filmteam über
die Produktion diskutieren.
„Im Sturm“ wurde von einem Team von Studierenden im Studiengang
MultiMediaArt an der FH Salzburg von Elias Engelhardt , Patrick
Mercelat und Maximilian Pfeiffer konzipiert und realisiert. Der Film
verknüpft inneres und äußeres Erleben und zeigt so eindrücklich die
inneren Belastungen, mit denen Young Carers oft konfrontiert sind.
Studiengangsleiter Till Fuhrmeister betreute die Kooperation.
Über Alles Clara: Die Entwicklungsgeschichte der mehrfach
ausgezeichneten App und digitalen Sozialdienstleistung startete
aufgrund der Erfahrungen und Bedürfnisse pflegender Angehöriger aus
den Zeiten der Lockdowns während der Covid-Pandemie. Derzeit steht
„Alles Clara“ der Bevölkerung im Burgenland, Niederösterreich und
Vorarlberg kostenlos zur Verfügung. Zusätzlich können bereits über
250.000 Beschäftigte die flexible, niederschwellige und dennoch
persönliche Beratung durch „Alles Clara“ über ihre Arbeitgeber
nutzen: AK Niederösterreich, alpla, Arbeiter-Samariterbund
Österreich, AMS Österreich, Asfinag, Bayer, Bekum, Caritas St.
Pölten, Caritas Wien, Coca Cola HBC, Diakonie Bildung, Diakonie de la
Tour, Diakonie Eine Welt, Diakonie Flüchtlingsdienst, Deloitte,
Egger, Energie AG OÖ, Erste Bank Österreich, ERSTE Stiftung, George
Labs, EY, FH Salzburg, Flughafen City Wien, FMW, Henkel, Helvetia,
IBM, Jank Weiler Operenyi, LebensGroß, Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft,
Magenta, Medizinische Universität Wien, Moser Holding, NÖ
Landesgesundheitsagentur, NÖVOG, ÖBB, Privatklinik Kettenbrücke,
Tiroler Versicherung, Universität für angewandte Kunst Wien,
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Volkshilfe
Oberösterreich, Volkshilfe Wien, Volkstheater Wien, Wiener
Städtische, Wirtschaftskammer Österreich und Wirtschaftskammer Tirol
sowie Hospiz Österreich.
Alles Clara wird derzeit durch Mittel des Sozialministeriums, der
FFG und des Landes Niederösterreich sowie der ERSTE Stiftung, der
Soziale Dienste Burgenland GmbH und dem Vorarlberger Sozialfonds
unterstützt. Mehr Informationen: www.alles-clara.at