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Eine andere Schönheit – Sonderausstellung zu Meisterwerken japanischer Keramik ab 17.11. im KHM

Wien (OTS) – Ab 17. November widmet sich die Ausstellung „Eine andere
Schönheit“
im Kunsthistorischen Museum einem über Jahrhunderte entwickelten
Schönheitsideal in der japanischen Keramikkunst. Historische und
zeitgenössische Werke aus der bedeutenden Sammlung Heinz Slunecko
zeigen, wie Unregelmäßigkeit, Asymmetrie und Spuren des Feuers über
Generationen als ästhetische Qualitäten geschätzt werden und
weitergegebenes Wissen über Materialien und Brenntechniken bis heute
bewahrt und weiterentwickelt wird.

Zwtl.: Wenn das Unvollkommene schön ist

Während in Europa im 17. und 18. Jahrhundert von Sammler*innen
wie Kurfürst August der Starke von Sachsen und Kaiserin Maria
Theresia makellose, durchscheinende Porzellane hochgeschätzt wurden,
entwickelte sich in Japan in Kennerkreisen – insbesondere im Umfeld
der Teezeremonie (chanoyu 茶の湯) – eine Ästhetik, die das scheinbar
Unvollkommene würdigt. Im 20. Jh wurde diese Ästhetik wabi-sabi (侘び寂び
) genannt. Aber sie geht auf viel ältere Traditionen in der
japanischen Tee-Zeremonie und die Haikus des 17. Jahrhunderts zurück.
Besonders geschätzt werden Unregelmäßigkeit, Unvollständigkeit und
Vergänglichkeit. Zeitgenössische Meistertöpfer steuern den komplexen
Herstellungsprozess bewusst und bringen die Eigenschaften des Tons
und die Spuren des Feuers zur Geltung.

Zwtl.: Drei Zentren, drei keramische Welten

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen drei bedeutende
Produktionszentren der japanischen Keramik: Bizen (備前), Hagi (萩) und
Shigaraki (信楽). Ihre Keramiken unterscheiden sich durch die
Beschaffenheit des lokalen Tons, die Formgebung und die
Oberflächenwirkung.

Bizen ist für weitgehend unglasierte Gefäße bekannt, Hagi für
feine Haarrisse in der Glasur, Shigaraki für groben Ton und raue,
mineralisch gesprenkelte Oberflächen. Ergänzend sind Werke aus Iga zu
sehen.

Die japanische Keramiktradition ist auch von kulturellem
Austausch geprägt. So beeinflussten aus Korea stammende Töpfermeister
die Produktion ab dem späten 16. Jahrhundert wesentlich. Im Umfeld
der Teezeremonie entwickelten sich weitere Formen und ästhetische
Vorstellungen, die insbesondere im japanischen Hochadel geschätzt
wurden. Im 20. Jahrhundert trug die japanische Arts-and-Crafts-
Bewegung (mingei 民芸) zur Wiederentdeckung und erneuten Wertschätzung
dieser Traditionen bei und stärkte ihre Bedeutung innerhalb der
zeitgenössischen japanischen Kultur.

Zwtl.: Meisterschaft über Generationen

Die Keramikkunst genießt in Japan einen besonderen Stellenwert
als traditionsreiche Kunstform, in der handwerkliches Können und
individuelle Gestaltung eng verbunden sind. In Künstlerfamilien wird
bis heute das Wissen über Ton, Brennöfen und Brenntechniken
weitergegeben. Herausragende Vertreter dieser Kunst sind in Japan
hoch angesehen und werden mit der Auszeichnung „Lebender
Nationalschatz“ gewürdigt. Dazu zählen Kaneshige Tōyō (1956) und Miwa
Kyūwa (1970), die als erste Keramikmeister aus Bizen beziehungsweise
Künstler aus Hagi geehrt wurden. Zeitgenössische Meistertöpfer führen
die Traditionen fort und entwickeln sie künstlerisch weiter.

Die Sammlung Heinz Slunecko wurde über mehr als drei Jahrzehnte
bei Aufenthalten in Japan zusammengetragen. Sie umfasst Werke des 15.
bis 21. Jahrhunderts und zählt zu den bedeutendsten ihrer Art
außerhalb Japans.

Diese Ausstellung wird im Rahmen der Jahrespressekonferenz des
KHM-Museumsverbands am 16. November, 10 Uhr, vorgestellt.

Anmeldungen unter: [email protected]

EINE ANDERE SCHÖNHEIT

MEISTERWERKE JAPANISCHER KERAMIK

Kunsthistorisches Museum

17. November 2026 bis 4. April 2027