Wien (OTS) – SOS-Kinderdorf nimmt den Nationalfeiertag zum Anlass,
die Bedeutung
einer möglichst frühen Beteiligung hervorzuheben.
„ Wer als Kind erlebt, dass unterschiedliche Meinungen Platz
haben, Konflikte gemeinsam gelöst werden, die eigene Stimme etwas
bewirken kann und das als positiv erlebt, sammelt wichtige
Erfahrungen für das demokratische Zusammenleben. Demokratie beginnt
nicht erst mit 16 Jahren in der Wahlkabine. Sie beginnt dort, wo
Kinder gehört und an Entscheidungen beteiligt werden “ betont Florian
Brantner, neuer CPO von SOS-Kinderdorf.
Zwtl.: Demokratie stärken heißt, Kinder ernst nehmen
89 Prozent der jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren halten
Demokratie für die beste Staatsform. Doch nur 44 Prozent finden, dass
das politische System in Österreich gut funktioniert. Lediglich 32
Prozent fühlen sich im Parlament gut vertreten. Das zeigt die
aktuelle Jugendstudie zum Demokratie Monitor.
Zum Nationalfeiertag macht SOS-Kinderdorf deshalb auf eine
wichtige Voraussetzung demokratischer Teilhabe aufmerksam: Kinder und
Jugendliche müssen früh erleben können, dass ihre Meinung gehört wird
und sie Entscheidungen mitgestalten können. Ob bei gemeinsamen
Regeln, der Gestaltung des Wohnumfelds oder der Planung von
Freizeitaktivitäten: Demokratie beginnt lange vor dem ersten
Wahlgang. Sie wird dort erfahrbar, wo Kinder ihre Meinung äußern,
unterschiedliche Interessen aushandeln und gemeinsam Lösungen finden.
Wie das funktionieren kann, zeigen konkrete Beteiligungsformen bei
SOS-Kinderdorf.
„ Demokratie muss man nicht nur erklären – man muss sie erleben
können“, sagt Jacqueline Oberauer, Standortleitung von SOS-Kinderdorf
Vorarlberg. „Beteiligung beginnt für uns nicht erst bei einem
Kinderparlament. Sie beginnt bei den Fragen des täglichen Lebens: Was
wollen wir gemeinsam unternehmen? Welche Regeln brauchen wir? Was
soll sich in unserem Zuhause verändern? “
Zwtl.: Wenn ein Plüschaffe das Wort erteilt
In den Jugendwohngemeinschaften von SOS-Kinderdorf in Vorarlberg
treffen sich Jugendliche wöchentlich zum „Hock“. Ein Plüschaffe dient
als Redestab, besprochen werden gemeinsame Regeln, Wünsche und
Konflikte. Dass Mitreden etwas bewirken kann, erzählt Lena*, 16,
Jugendsprecherin: „ Im Hock kann man wirklich etwas verändern, wenn
man gute Argumente hat und beharrlich bleibt. Das Erdgeschoss ist zum
Beispiel keine handyfreie Zone mehr, und auch bei den Ausgangs- und
WLAN-Zeiten haben wir schon einiges erreicht. “ Zusätzlich wählen die
Jugendlichen ihre Vertretung mit Wahlprogramm und geheimer Abstimmung
– ohne Stimmrecht der Betreuer*innen.
Zwtl.: Vom Kinderwunsch zum Piratenschiff
Im SOS-Kinderdorf Altmünster bringen Kinder bei regelmäßigen
„Kinderrunden“, „Kinderteams“ und im vierteljährlichen
Kinderparlament ihre Ideen, Wünsche und Sorgen ein. Dass ihre Stimme
zählt, zeigt sich beim Neubau des Kinderdorfs: Ein Piratenschiff im
naturnahen Spielraum und ein Pumptrack konnten auf Wunsch der Kinder
umgesetzt werden. „ Wir haben mit den Kindern zudem gemeinsam die
Standortregeln erarbeitet, welche wir im Kinderparlament jährlich
evaluieren und bearbeiten “, erklärt Carina Schögl. Sie ist eine von
zwei Pädagog*innen, die als Beteiligungsbeauftragte in Altmünster
u.a. auch für die Organisation des Kinderparlaments zuständig ist.
Dabei geht es etwa um Ruhezeiten, sicheres Radfahren oder gemeinsame
Freizeitaktivitäten.
Zwtl.: Beteiligung braucht unterschiedliche Wege
Nicht jedes Kind äußert seine Meinung gerne vor einer Gruppe.
Manche brauchen persönliche Gespräche, andere einen geschützten
Rahmen oder die Möglichkeit, Anliegen anonym einzubringen.
Sozialpädagog*innen bei SOS-Kinderdorf unterstützen Kinder
individuell dabei, wie sie teilhaben können und ihre Meinung
einbringen können. Deshalb kann Beteiligung nicht überall nach
demselben Modell funktionieren. Ein Kinderparlament kann eine
wichtige Möglichkeit der Mitbestimmung sein. Es reicht aber nicht
aus, wenn Kinder bei Entscheidungen des täglichen Lebens nicht gehört
werden. Entscheidend ist, dass Beteiligung auf die Bedürfnisse des
Kindes abgestimmt, nachvollziehbar und im Alltag verankert ist.
„ Mitbestimmung bedeutet nicht, dass Kinder alles entscheiden
können. Erwachsene tragen weiterhin Verantwortung für Schutz,
Sicherheit und rechtliche Rahmenbedingungen. Wichtig ist jedoch, dass
Kinder erfahren, wo sie mitgestalten können, ihre Argumente ernst
genommen werden und Entscheidungen verständlich begründet werden “,
so Florian Brantner abschließend.
Zwtl.: Infoblock: Mitbestimmung erleben bei SOS-Kinderdorf in
Österreich
Ob bei der Gestaltung ihres Zuhauses, gemeinsamen Regeln oder der
Planung von Freizeitaktivitäten: Kinder und Jugendliche können sich
bei SOS-Kinderdorf auf unterschiedliche Weise einbringen. Neben
Kinderparlamenten und regelmäßigen Gesprächsrunden gibt es auch
gewählte Vertretungen, gemeinsame Planungsprojekte und vertrauliche
Beschwerdemöglichkeiten. Beispiele aus den Bundesländern zeigen, wie
Beteiligung im Alltag funktioniert:
Burgenland : Monatliche Hausrunden und ein Kinderparlament bieten
Raum für Wünsche, Ideen und Anliegen. Zusätzlich gibt es in jedem
Haus sowie im Kinderdorf eigene Kummer-, Wünsche- oder
Beschwerdeboxen. Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft (KiJA) ist
mehrmals jährlich vor Ort.
Kärnten : Beim monatlichen „Grünen Tisch“ und in Hausrunden
können Kinder und Jugendliche altersgerecht ihre Anliegen besprechen
und sich am Zusammenleben beteiligen.
Oberösterreich : Im SOS-Kinderdorf Altmünster tagt mehrmals
jährlich das sogenannte Kinderparlament. Wie weit Mitbestimmung gehen
kann, zeigte sich auf besondere Weise beim Neubau des Kinderdorfs:
Über das Kinderparlament, ein eigenes Dorfkinder-Planungsbüro und
Baustellen-Reporter*innen waren Kinder zwei Jahre lang aktiv an der
Neugestaltung ihres Lebensraums beteiligt. Einzigartig in
Oberösterreich und im deutschsprachigen Raum ist zudem der
flächendeckende Beteiligungsprozess der Kinder- und Jugendhilfe,
MOVERZ. Das Projekt gibt Kindern in Fremdbetreuung „echte Mitsprache,
Mitbestimmung und Teilhabe an Entscheidungen und hat für die Pädagog*
innen eine Methoden-Box erarbeitet.
Salzburg : Bei monatlichen Hausabenden können Kinder ihre Fragen,
Wünsche und Anliegen einbringen und erfahren, was es Neues gibt. Auch
im Rahmen der wöchentlichen Teamsitzungen besteht die Möglichkeit,
Themen an die Betreuer*innen heranzutragen.
Steiermark : Jeden ersten Dienstag im Monat findet ein
altersgerechtes Kinder- und Jugendforum statt. Die Anliegen werden
protokolliert und mit der Standortleitung besprochen. Ergänzend gibt
es Kinderteams, Hausrunden und Beschwerdemöglichkeiten. Ab November
sind außerdem eine offene Sprechzeit bei der Standortleitung sowie
eine Ideen- und Sorgenbox geplant.
Tirol : Im SOS-Kinderdorf Imst besprechen Kinder und Jugendliche
ihre Anliegen in Hausparlamenten. Themen, die mehrere Häuser
betreffen, werden bei Dorfzusammentreffen aufgegriffen. Im
„Kunterbunten Abenteuerhaus“ gestalten Kinder eigene Projekte mit –
etwa eine Sitzecke für Jugendliche.
Vorarlberg : In den Jugendwohngemeinschaften werden beim
wöchentlichen „Hock“ gemeinsame Regeln, Konflikte und Wünsche
besprochen. Jugendliche wählen außerdem ihre Sprecher*innen mit
Wahlprogramm und geheimer Abstimmung. Ergänzend gibt es
altersgerechte Besprechungen und anonyme Beschwerdemöglichkeiten.
Wien: In den Jugendwohngruppen können Jugendliche ihren Alltag
aktiv mitbestimmen. Sie entscheiden beispielsweise bei Essensplänen
und gemeinsamen Ausflügen mit und können ihre eigenen Zimmer
mitgestalten.
Niederösterreich: In den Wohngemeinschaften können Kinder und
Jugendliche beim monatlichen Kinderparlament aktiv mitreden und
mitgestalten. Sie bringen eigene Wünsche und Ideen ein, planen
gemeinsame Freizeitaktivitäten, Ausflüge und Urlaube mit und
besprechen Regeln des Zusammenlebens. Gleichzeitig werden sie über
wichtige Entwicklungen informiert und bei Veränderungen einbezogen.
Quelle : Demokratie Monitor 2025 / Jugendstudie „Junge Menschen
und Demokratie“, FORESIGHT im Auftrag des österreichischen
Parlaments, veröffentlicht am 17. März 2026. Befragt wurden rund
1.000 junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren.
*Name geändert