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Coface Risk Review Oktober 2026: Geopolitische Krisen treiben Preise und Zinsen

Wien (OTS) – Die geopolitischen Spannungen haben sich im Verlauf des
Sommers
deutlich verschärft und bremsen zunehmend die Weltwirtschaft.
Steigende Energie- und Rohstoffpreise, anhaltender Inflationsdruck
sowie schwierige Finanzierungsbedingungen belasten Unternehmen und
Staaten gleichermaßen. Der internationale Kreditversicherer Coface
erwartet, dass allein der Nahostkonflikt das globale Wachstum in den
Jahren 2026 und 2027 um insgesamt 0,5 Prozentpunkte mindern wird. Vor
diesem Hintergrund hat Coface die Risikobewertung für drei
Golfstaaten herabgestuft.

Die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zwischen dem Iran und den
USA sowie die weitere Eskalation des Konflikts zwischen Russland und
der Ukraine haben die globalen Lieferketten erheblich belastet und
die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben. Trotz einer deutlichen
Erholung der Ölexporte durch die Straße von Hormus und der Umleitung
von Handelsströmen sind die Preise für Energierohstoffe massiv
gestiegen. „Der Ölpreis hat um mehr als 50 Prozent zugelegt, während
sich die Erdgaspreise nahezu verdoppelt haben. Auch Industriemetalle
bleiben teuer“ , sagt Markus Kuger, Head of Economic Research DACH
bei Coface.

Ebenso stehen Agrarrohstoffe unter Druck: Nach den Angriffen auf
Häfen am Schwarzen Meer und den diesjährigen Hitzewellen in Europa
sind die Preise deutlich gestiegen. Der Weizenpreis etwa lag
stellenweise rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau. „Die stark
gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise haben die Sorge vor einem
erneuten Inflationsschub verstärkt“ , sagt Dagmar Koch, Country
Managerin Coface Österreich. Nach den Zinserhöhungen um jeweils 25
Basispunkte im September ließen die US-Notenbank Federal Reserve und
die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen im Oktober unverändert.
Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Staaten bleiben
angespannt.

„Trotz dieser Belastungsfaktoren zeigt sich die Weltwirtschaft
bislang bemerkenswert widerstandsfähig. Vor allem Investitionen in
Künstliche Intelligenz sowie die positive Entwicklung an den
Finanzmärkten stützen die Konjunktur“ , erklärt Kuger. Dennoch
hinterlässt der Nahostkonflikt deutliche Spuren: Coface schätzt, dass
dieser das globale Wachstum in den Jahren 2026 und 2027 um insgesamt
0,5 Prozentpunkte mindern wird. Für 2026 rechnet der
Kreditversicherer mit einem weltweiten Wachstum von 2,5 Prozent nach
2,8 Prozent im Jahr 2025. Für 2027 wird eine Stabilisierung bei 2,6
Prozent erwartet.

Die USA profitieren von privatem Konsum und KI-Investitionen

Trotz eines insgesamt robusten globalen Wachstums fallen die
Auswirkungen der geopolitischen Spannungen und des Inflationsdrucks
regional sehr unterschiedlich aus. In den USA zeigt sich die
Wirtschaft weiterhin widerstandsfähig. Gestützt durch den privaten
Konsum, Investitionen in KI-Technologien und einen Arbeitsmarkt nahe
der Vollbeschäftigung bleibt das Wachstum robust. Europa entwickelt
sich ebenfalls etwas besser als erwartet. Vor allem die deutsche und
die spanische Wirtschaft erweisen sich als stabil, während die
angespannte Haushaltslage in Frankreich weiterhin Anlass zur Sorge
gibt. In Asien bleibt das Bild gemischt. Vietnam und Indien
profitieren von umfangreichen Infrastrukturinvestitionen und der
hohen Nachfrage nach KI-bezogenen Technologien. Gleichzeitig schwächt
sich die Binnennachfrage in China weiter ab. Ebenso spüren Thailand
und die Philippinen die Belastungen durch steigende Energiepreise und
einen nachlassenden Konsum. In Afrika und Lateinamerika bleibt die
Inflation das zentrale Risiko. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise
treffen Wirtschaft und Verbraucher. Die Auswirkungen von El Niño
verschärfen den Kostendruck zusätzlich und engen den
Handlungsspielraum vieler Staaten weiter ein.

Länderrisiko: drei Herabstufungen im Nahen Osten

Besonders stark wirken sich die geopolitischen Spannungen auf die
Golfstaaten aus. Vor diesem Hintergrund hat Coface die
Länderrisikobewertung Saudi-Arabiens von A3 auf A4 herabgestuft.
Ausschlaggebend sind die hohe Anfälligkeit der Energieinfrastruktur
sowie Risiken entlang zentraler Exportwege. Die Vereinigten
Arabischen Emirate wurden von A2 auf A3 und Katar von A3 auf A4
zurückgestuft. Beide Länder sind in hohem Maße vom Schiffsverkehr
durch die Straße von Hormus abhängig und daher besonders anfällig für
weitere Störungen. Neben den Herabstufungen hat Coface auch vier
Länder aufgewertet. Die Bahamas wurden von B auf A4 angehoben,
gestützt durch eine robuste Tourismusbranche und solide
wirtschaftliche Fundamentaldaten. El Salvador verbessert sich von D
auf C, nachdem sich die makroökonomische Lage spürbar stabilisiert
hat. Montenegro steigt von C auf B auf, getragen von einer positiven
Entwicklung bei Tourismus und Investitionen. Sambia verbessert sich
von D auf C. Ausschlaggebend sind Fortschritte bei der
Haushaltskonsolidierung und eine stabilere Schuldenentwicklung.

Druck auf Agrarwirtschaft wächst

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft gerät weltweit zunehmend
unter Druck. Coface hat den Sektor in insgesamt sechs Ländern
herabgestuft. Die Ursachen unterscheiden sich dabei von Region zu
Region: In Frankreich, Österreich und Polen haben die heißen
Temperaturen und die Trockenheit die Landwirtschaft diesen Sommer
erheblich belastet. „Die Dürreschäden in der österreichischen
Landwirtschaft belaufen sich auf rund eine Milliarde Euro. Die
staatliche Dürrehilfe deckt nur einen Teil ab. Deswegen bleiben die
Risiken für den Agrifood-Sektor weiterhin erhöht“ , kommentiert Kuger
die Herabstufung des Agrarsektors in Österreich. In Saudi-Arabien und
den Vereinigten Arabischen Emiraten wirken sich vor allem die hohe
Abhängigkeit von Lebensmittelimporten sowie steigende
Beschaffungskosten negativ aus. In Argentinien sieht sich die Branche
mit einem schwierigen Finanzierungsumfeld, mehreren
Unternehmensinsolvenzen, hohen Kosten und rückläufigen Margen
konfrontiert.

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