Wien (OTS) – Seit 1986 kämpfen die Grünen Frauen Wien für
Selbstbestimmung,
Gleichberechtigung und ein Leben frei von Gewalt. Am 3. Oktober
feiern sie in der Sargfabrik – exakt am Gründungstag – ihr 40-
jähriges Bestehen und richten den Blick von vier Jahrzehnten
feministischer Politik in die Zukunft. Die Geschichte der Grünen
Frauen Wien ist eng mit der Entstehungsgeschichte der Grünen
verbunden. Der Grünen Frauenorganisation ging es von Beginn an nicht
nur um feministische Politik für alle, sondern auch um Macht- und
Repräsentationsfragen innerhalb der Grünen. Bereits bei der folgenden
Landesversammlung wurde eine Mindestparität bei Listenwahlen und
grünen Funktionen beschlossen.
Wie notwendig dieser Kampf war, zeigte sich auch im ersten grünen
Parlamentsklub: Freda Meissner-Blau war die einzige Frau neben sieben
Männern. Auch innerhalb der Partei mussten Frauen zunächst um
Mitsprache, Strukturen und Ressourcen kämpfen, mit Erfolg. Die
Frauenorganisation wurde zur Teilorganisation und ab 1988 mit einem
eigenen Budget ausgestattet. 1987 entstand das erste grüne
Frauenprogramm. Damalige Forderungen wie etwa
Schwangerschaftsabbrüche auf Krankenschein, eine Beschwerdestelle
gegen Sexismus in der Werbung, die Berücksichtigung unterschiedlicher
Lebensformen im Wohnbau, die Anerkennung von Vergewaltigung in der
Ehe als Straftat, die Verankerung sexueller Belästigung im
Arbeitsrecht sowie die Koppelung der Parteienförderung an
Frauenquoten zeigen, wie viel durch hartnäckige Grüne Politik
erreicht wurde, aber auch, wie viele dieser Themen immer noch
verhandelt werden müssen.
Feministische Errungenschaften sind nicht selbstverständlich
Der Fall Pelicot, Femizide, Männerbünde im Weinkeller und
gesellschaftspolitische Rückschritte auf vielen Ebenen zeigen, wie
aktuell feministische Politik ist. „Wir sehen gerade, wie fragil
feministische Errungenschaften sind. Kürzungen der sozialen
Infrastruktur treffen Frauen und Mädchen besonders hart und gefährden
den sozialen Zusammenhalt. Deshalb stellen wir uns entschieden gegen
Einsparungen, die gemeinnützige Organisationen und soziale
Unternehmen schwächen“, sagt Judith Pühringer, Parteivorsitzende der
Grünen Wien.
„Wir fordern faire Löhne, soziale Absicherung, Kinderbetreuung,
die auch als Arbeit betrachtet wird, und eine gerechte Verteilung von
Care-Arbeit. Wir kämpfen für eine Zukunft, in der niemand zwischen
Kindern, Beruf und finanzieller Unabhängigkeit wählen muss“, so Julia
Malle, stv. Klubobfrau und Sprecherin der Grünen Frauen Wien.
Ein Leben frei von Gewalt
Ein zentrales Anliegen von damals und heute ist, dass Frauen sicher
und frei von Gewalt leben können. „Die zahlreichen Fälle von Gewalt
gegen Frauen und Femizide in Österreich zeigen, wie groß der
Handlungsbedarf weiterhin ist. Dafür braucht es konsequenten
Gewaltschutz, Prävention und ein Rechtssystem, das Betroffene
schützt. Vergewaltigungsnetzwerke zeigen, dass wir nicht nur Täter,
sondern auch Strukturen, Mitwissende und Systeme des Wegschauens in
den Blick nehmen müssen“, so Pühringer und Malle.
Auch im Sexualstrafrecht sehen die Grünen Frauen Wien dringenden
Reformbedarf. „Vor 40 Jahren haben Frauen dafür gekämpft, dass
Vergewaltigung in der Ehe überhaupt als Unrecht anerkannt wird. Heute
kämpfen wir dafür, dass im Sexualstrafrecht endlich die Zustimmung im
Mittelpunkt steht. Feministische Politik hat viel verändert und sie
ist dringender denn je nötig“, so Pühringer und Malle.
40 Jahre zurückblicken – und gemeinsam nach vorne
Beim Jubiläumsfest am 3. Oktober wollen die Grünen Frauen Wien
deshalb nicht nur vergangene Kämpfe und Erfolge würdigen, sondern in
die Zukunft blicken. Mit Wegbereiter:innen aus Wien und den
Bundesländern, Aktivist:innen sowie überparteilichen
Bündnispartner:innen feiern die Grünen Frauen ihr 40-jähriges
Bestehen. Durch den Abend führt die Künstlerin und Autorin Denice
Bourbon. Musikalische und weitere Acts (z. B. Kabarett von Flona –
selfmade feminist) begleiten das Programm.
40 Jahre Grüne Frauen Wien – Das Fest
Mit: u. a. Leonore Gewessler, Alma Zadić, Meri Disoski, Sigi Maurer,
Judith Pühringer, Julia Malle und zahlreichen Wegbereiter:innen und
Mitstreiter:innen aus Politik und Zivilgesellschaft
Wann: Samstag, 3. Oktober 2026. Einlass ab 18:30 Uhr, Festakt ab
20:00 Uhr
Wo: Sargfabrik, Goldschlagstraße 169, 1140 Wien