· Bauen

WKÖ-Gewerbe und Handwerk: 18.000 Betriebsübergaben bis 2035 – Nachfolge sichert Arbeitsplätze und Handwerk

Wien (OTS) – In Österreichs Gewerbe und Handwerk stehen bis 2035 rund
17.900
Betriebe vor einer potenziellen Übergabe. Damit ist die
Betriebsnachfolge eine zentrale Zukunftsfrage für die Sparte. Rund
223.000 Beschäftigte sind mit diesen potenziellen Übergaben
verbunden. Erfolgreiche Nachfolgen sind entscheidend, um
Arbeitsplätze, gewachsenes Know-how, Kundenbeziehungen und die
Vielfalt des österreichischen Handwerks zu erhalten.

„Die Betriebsnachfolge ist weit mehr als eine private oder
familiäre Angelegenheit. Es geht um die Zukunft unserer Betriebe, um
Arbeitsplätze und um die wirtschaftliche Stärke unserer Regionen.
Jeder Betrieb, der erfolgreich weitergeführt wird, ist ein Gewinn für
den Wirtschaftsstandort Österreich“, betont Manfred Denk,
Bundesobmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Nachfolge ist auch eine Chance für neue Ideen

Eine Betriebsübernahme bietet nicht nur die Möglichkeit,
Bestehendes zu bewahren, sondern auch ein Unternehmen aktiv
weiterzuentwickeln. Übernehmer:innen können auf etablierte
Kundenbeziehungen, erfahrene Mitarbeiter:innen sowie eine bestehende
Marktposition aufbauen. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen für
Investitionen, Digitalisierung, Modernisierung und neue
Geschäftsfelder.

„Eine Betriebsübernahme ist ein attraktiver Weg in die
Selbstständigkeit. Wir müssen diesen Weg stärker ins Bewusstsein
rücken und die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich Menschen für
die Übernahme eines bestehenden Unternehmens entscheiden. Gerade im
Gewerbe und Handwerk geht es darum, wertvolle Qualifikationen,
Ausbildungsplätze und die nächste Generation an Unternehmerinnen und
Unternehmern zu sichern“, so Denk.

Geeignete Nachfolger und Finanzierung als zentrale
Herausforderungen

Die Übergabe innerhalb der Familie ist längst nicht mehr der
einzige Weg: Bereits 55 Prozent der Betriebsübergaben erfolgen
familienextern. Unter den potenziellen Übergebenden streben sogar 63
Prozent eine familienexterne Nachfolge an.

Gleichzeitig bestehen erhebliche Hürden. 77 Prozent der
potenziellen Übergeberinnen und Übergeber sehen die Suche nach
geeigneten Nachfolger:innen als Herausforderung. 70 Prozent nennen
die Finanzierung durch die Übernehmenden als Hürde, 66 Prozent die
steuerliche Belastung. Auch für die Nachfolger:innen sind Steuern und
der Investitionsbedarf wesentliche Herausforderungen.

„Wer einen Betrieb übernimmt, übernimmt Verantwortung und oft
auch erhebliche finanzielle Verpflichtungen. Es darf nicht sein, dass
eine Betriebsübergabe an vermeidbarer Bürokratie, schwieriger
Finanzierung oder übermäßigen steuerlichen Belastungen scheitert. Wir
brauchen faire und planbare Rahmenbedingungen, damit erfolgreiche
Betriebe eine Zukunft haben“, fordert Denk.

WKÖ fordert bessere Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben

Damit mehr Betriebsübergaben gelingen, setzt sich die WKÖ für
gezielte Verbesserungen ein. Dazu zählen insbesondere:

– Steuerliche Entlastung: Anhebung des Freibetrags für
Veräußerungsgewinne von 7.300 auf 45.000 Euro, Einführung eines
Sondersteuersatzes von 20 Prozent und bessere Kombinierbarkeit
steuerlicher Begünstigungen.

– Bessere Finanzierungsmöglichkeiten: Mobilisierung privaten Kapitals
durch einen steuerlichen Beteiligungsfreibetrag von bis zu 100.000
Euro sowie stärkere Investitionsanreize.

– Weniger Bürokratie: Ein österreichweit einheitlicher digitaler One-
Stop-Shop für Gründungen im Zuge einer Betriebsnachfolge. Die
geplante Verlängerung der gewerberechtlichen Grace Period von drei
auf fünf Jahre ist ein wichtiger Schritt. Die Erleichterungen sollen
auch bei familienexternen Nachfolgen greifen.

„Wir müssen die Betriebsnachfolge als Chance für die Zukunft
unserer Wirtschaft begreifen. Unser Ziel muss sein, dass möglichst
viele Unternehmen erfolgreich weitergeführt werden können – mit neuen
Ideen, Investitionen und sicheren Arbeitsplätzen. Dafür braucht es
ein starkes Zusammenspiel von Politik, Interessenvertretung und
Wirtschaft“, unterstreicht Denk.

Beratung und Unterstützung für Übergebende und Übernehmende

Die Wirtschaftskammern begleiten Unternehmen von der ersten
Planung bis zur konkreten Übergabe. Das Angebot reicht von
persönlicher Nachfolgeberatung an mehr als 90 Standorten in
Österreich über die kostenlose Nachfolgebörse bis hin zu Leitfäden,
Checklisten und Finanzierungs- und Planungstools.

Mit dem gemeinsamen Weiterbildungsprogramm NextGen4Austria von
WKÖ und BMWET werden künftige Nachfolgerinnen und Nachfolger gezielt
auf die Übernahme und Führung eines Unternehmens vorbereitet. Der
zweite Lehrgang startet im Jänner 2027. (PWK568/HSP)

Weitere Informationen: gruenderservice.at/nachfolge