Wien (OTS) – In immer mehr Ländern verlieren die Menschen das
Vertrauen in die
etablierte Politik. Das zeigt sich am deutlichsten an der Wahlurne.
Ehemalige Großparteien schrumpfen zu politischen Randnotizen und
meist sind es rechtspopulistische Parteien, die von dieser
Entwicklung profitieren. Mit Verunsicherung und der Angst vor
Migration, Kriminalität oder gesellschaftlichem Wandel wird Politik
gemacht. Ihre Versprechen: mehr Sicherheit und nationale Stärke. Für
die „WeltWeit“-Reportage „Rechtsruck. Was, wenn die Mitte kippt?“ –
zu sehen am Freitag, dem 23. Oktober 2026, um 21.20 Uhr in ORF 2 und
auf ORF ON – gehen Patrick A. Hafner, David Kriegleder und Lena Hager
in Deutschland, Israel bzw. Brasilien folgenden Fragen nach: Warum
finden rechte Botschaften so große Zustimmung und welche Folgen hat
das für das gesellschaftliche Zusammenleben?
In Deutschland ist die AfD bei den Landtagswahlen zur stärksten
politischen Kraft in drei Bundesländern aufgestiegen: Thüringen,
Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Mit ihrer
migrationsfeindlichen Politik trifft sie auf breite Zustimmung
ausgerechnet in einer Region, die wenig Zuwanderung hat und dringend
Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigt. Patrick A. Hafner trifft eine
Familie, die aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist, um sich hier
ein Leben aufzubauen. Doch jetzt lässt sie der steigende
Alltagsrassismus darüber nachdenken, erneut ihre Koffer zu packen.
Bei einem AfD-Familienfest am „Tag der Deutschen Einheit“ wird Hafner
Zeuge davon, was passiert, wenn verbal versierte Influencer auf
alkoholisierte Neonazis treffen.
In Israel geht es bei den Wahlen am 27. Oktober um das politische
Überleben von Langzeitpremier Benjamin Netanjahu. Der Terrorangriff
der Hamas hat die politische Statik des Landes grundlegend
erschüttert. Im traumatisierten Grenzgebiet zu Gaza dokumentiert
David Kriegleder das Scheitern des einst linksliberalen
Friedensversprechens und die Ernüchterung ehemaliger Brückenbauer.
Gleichzeitig treibt eine junge Generation, die ohne Friedensprozess
aufgewachsen ist und von permanentem Sicherheitsdruck geprägt wurde,
den nationalreligiösen Diskurs voran, besonders in Jerusalem.
Verstärkt wird diese Verhärtung durch Neu-Einwanderer, die vor dem
wachsenden Antisemitismus nach Israel geflohen sind und die neue
Kompromisslosigkeit aus Überzeugung mittragen – eine Spurensuche nach
den Treibern eines beispiellosen gesellschaftlichen Rechtsrucks.
In Brasilien könnte die Stichwahl um das Präsidentenamt am 25.
Oktober einen weiteren Rechtsruck in Südamerika bringen. Nach dem
ersten Wahlgang liegt der rechtspopulistische Flávio Bolsonaro knapp
vor dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Das Land ist
tief gespalten. Lena Hager trifft in Rio de Janeiro Índio Magno, der
nach einem Einbruch in sein Geschäft vor dem finanziellen Ruin steht.
Seine Hoffnung liegt auf der von Bolsonaro angekündigten harten Law-
and-Order-Politik. Gegen die steigende Kriminalität im Land
vorzugehen, damit punktet der rechte Kandidat bei vielen. Anders als
bei der Wahl von Jair Bolsonaro stehen die Evangelikalen nicht mehr
geschlossen hinter seinem Sohn Flávio. Bei einem Gottesdienst spricht
Hager mit Pastor Marco Davi de Oliveira, der sich aktiv für Lula
einsetzt und vor einer Gefährdung der Demokratie warnt. Zwei Männer,
zwei politische Überzeugungen – und ein Land, in dem die Frage nach
Sicherheit und Freiheit die Gesellschaft spaltet.