Wien (OTS) – Die kunststoffverarbeitende Industrie aus Deutschland,
Österreich und
der Schweiz fordert einen Kurswechsel in der europäischen
Industriepolitik. Bei ihrer Dreiländertagung von 23. bis 25.
September in Salzburg verständigten sich die Branchenverbände auf
gemeinsame Forderungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen
zu stärken und industrielle Wertschöpfung in Europa zu sichern.
Zwtl.: EU-Regulierung: Komplexität erreicht ihre Grenzen
Die Verbände fordern einen konsequenten Bürokratieabbau auf EU-
Ebene. Als Beispiel nennen sie die EU-Verpackungsverordnung (PPWR):
Während die entsprechende Schweizer Regelung zwölf Seiten umfasst,
zählt die EU-Verordnung 124 Seiten. Hinzu kommen mehr als 30
ergänzende Rechtsakte. Auch bei der Gebäudeeffizienzrichtlinie und
der Altfahrzeugverordnung sehen die Branchenvertreter erheblichen
Vereinfachungsbedarf. „ Die EU schafft zunehmend Regelwerke, die so
komplex sind, dass Unternehmen sie kaum noch rechtssicher umsetzen
und Behörden sie nicht vollständig vollziehen können. Die
Verpackungsverordnung muss deshalb zielgenau korrigiert werden. Wir
brauchen Vorschriften, die in der betrieblichen Praxis funktionieren
“, erklärt Martin Engelmann, Vertreter des deutschen Verbandes.
Zwtl.: Hohe Produktionskosten gefährden Wettbewerbsfähigkeit
Die kunststoffverarbeitende Industrie im DACH-Raum hat im
internationalen Vergleich mit erheblichen Kostennachteilen zu
kämpfen. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Energiepreisen:
Gas ist in Europa rund fünfmal so teuer wie in den USA, Strom in
Österreich mehr als doppelt so teuer wie in Spanien oder Portugal. „
Unsere Unternehmen konkurrieren auf internationalen Märkten,
produzieren aber zu deutlich höheren Kosten. Europa muss endlich für
wettbewerbsfähige Energiepreise sorgen, damit Investitionen und
industrielle Wertschöpfung nicht zunehmend an andere Standorte
abwandern “, betont Helmut Schwarzl, Obmann der
kunststoffverarbeitenden Industrie Österreichs.
Zwtl.: „Made in EU“: Schweiz darf nicht außen vor bleiben
Die Verbände begrüßen Initiativen zur Stärkung der europäischen
Produktion, etwa im Rahmen des Industrial Accelerator Act. Die
Schweiz zählt neben USA, China und dem Vereinigten Königreich zu den
vier wichtigsten Handelspartnern der EU und ist eng in europäische
Wertschöpfungsketten eingebunden. „ Eine europäische
Industrieoffensive darf die Schweiz nicht ausschließen. Unsere
wirtschaftliche Verflechtung muss sich auch in der handelspolitischen
Ausgestaltung von ‚Made in EU‘ widerspiegeln. Neue Förderinstrumente
dürfen diese Zusammenarbeit nicht erschweren “, so Patrick Semadeni,
Vizepräsident von Kunststoff Swiss.
Zwtl.: Kreislaufwirtschaft statt Ressourcenverlust
Auch im für das vierte Quartal 2026 angekündigten Circular
Economy Act sehen die Verbände eine Chance, die europäische
Kreislaufwirtschaft voranzubringen. Sie fordern darin ein EU-weites
Verbot der Deponierung von Kunststoffabfällen. „ Kunststoffabfälle
sind wertvolle Rohstoffe, die wir in Europa dringend brauchen. Sie
auf Deponien zu entsorgen, ist weder ökologisch noch wirtschaftlich
sinnvoll. Mit einem europaweiten Deponierungsverbot können wir mehr
Materialien im Kreislauf halten und unsere Abhängigkeit von
Rohstoffimporten verringern “, betont Frank Böhler,
Bundesinnungsmeister der gewerblichen Kunststoffverarbeiter.
Die Dreiländertagung macht deutlich: Entscheidend ist nun, dass
aus europäischen Industrieinitiativen konkrete Verbesserungen für die
Betriebe werden. Nur wenn Investitionen wieder attraktiver werden,
können Produktion, Innovation und industrielle Wertschöpfung
langfristig in Europa gesichert werden.
Über den FCIO
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist
die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in
Österreich. Die etwa 230 Mitgliedsunternehmen produzieren in
unterschiedlichen Sektoren z.B. Pharmazeutika, Kunststoffe und
Kunststoffwaren, Fasern, Lacke, Düngemittel oder auch organische und
anorganische Chemikalien. Die mehr als 50.000 Beschäftigten der
Branche stellten 2025 Waren im Wert von 21,3 Milliarden Euro her.