Wien (OTS) – Die heimische Industrie war in den vergangenen Jahren
sehr vom
Wirtschaftsabschwung betroffen. Vor allem die Metalltechnische
Industrie als exportorientierte Branche hat unter der Rezession
gelitten. Die Kollektivvertragspartner haben daher im Vorjahr einen
zweijährigen Krisenabschluss vereinbart.
Mit dem 1. November 2026 tritt nun der zweite Teil des KV-
Abschlusses in Kraft. In einem gemeinsamen Pressegespräch erläutern
die Gewerkschaften PRO-GE und GPA sowie der Fachverband
Metalltechnische Industrie (FMTI) die Beweggründe und betonen die
Bedeutung des Abschlusses für die Unternehmen und Beschäftigten.
Zwtl.: Die Situation 2025
Alle Bereiche der Metallindustrie waren von der Rezession
betroffen. Die Mehrheit der Betriebe hatte Schwierigkeiten mit hohen
Energiepreisen und Auftrags- sowie Produktionseinbrüchen. Stellen
wurden abgebaut und es kam zu Betriebsschließungen. Mehr als 20.000
Arbeitsplätze gingen verloren, allein in der Metalltechnischen
Industrie waren es 10.000 Stellen. Aufgrund der hohen Exportquote von
80 Prozent schlug sich die Situation der Weltwirtschaft besonders
nieder.
Zwtl.: Sozialpartnerschaft in Krisenzeiten
Es herrschte große Verunsicherung. Niemand hätte unter diesen
Bedingungen Verständnis für lange und intensive Auseinandersetzungen
gehabt. Die Sozialpartner führten daher ab dem Frühjahr 2025
“industriepolitische Gespräche”, um eine gemeinsame Beurteilung der
wirtschaftlichen und sozialen Lage vorzunehmen. Bei diesen intensiven
Gesprächen wurde an einer Grundlage für die kommende
Kollektivvertragsrunde gearbeitet, die im Interesse der
Arbeitnehmer:innen und Unternehmen sein sollte. Priorität hatte die
Gewährleistung von Planbarkeit, Sicherheit und Stabilität.
Zwtl.: Krisenabschluss auf Zeit
Mit Fortdauer der “industriepolitischen Gesprächen”
kristallisierte sich ein Kompromiss heraus, sodass es möglich
erschien, bei den Kollektivvertragsverhandlungen 2025 rasch und ohne
weitere Konflikte einen Abschluss zu tätigen, der den besonderen
Erfordernissen der längsten Rezession in der Geschichte der zweiten
Republik Rechnung trug. Es wurde und ist aus Sicht der Sozialpartner
ein Krisenabschluss auf Zeit, mit Augenmaß und Blick auf das Ganze.
Der Zweijahresabschluss galt und gilt neben der Metalltechnischen
Industrie auch für alle weiteren Fachverbände der Metallindustrie.
WIFO-Ökonom Benjamin Bittschi bezeichnete den Abschluss als
“starkes Zeichen der Sozialpartnerschaft”, das “tausende Jobs
gerettet” habe. Tatsächlich zeigt sich, dass im August nach 40
Monaten wieder Beschäftigung in der heimischen Industrie aufgebaut
wurde. Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl wurde dazu zitiert (
Quelle: www.leadersnet.at): “Der Beschäftigungsaufbau im August
markiert eine wichtige Trendwende.” WIFO-Experte Bittschi stellte
diesen Beschäftigungsaufbau in Zusammenhang mit dem Krisenabschluss.
(Quelle: Ö1-Morgenjournal vom 21.09.2026)
Und gleichzeitig konnten die Sozialpartner in den vergangenen
Jahren einen Reallohnverlust für die Beschäftigten verhindern.
Zwtl.: Die Basis für die Lohn- und Gehaltserhöhung 2026
Nach beinahe fünf schwierigen Jahren scheint sich die Industrie
heuer am Ende der längsten Wirtschaftskrise der letzten 80 Jahre zu
befinden. Als Basis für die heurigen Lohn- und Gehaltserhöhungen
wurde die vorjährige Prognose für die Inflationsrate 2026
herangezogen. Diese lag bei 2,2 Prozent. Zu Beginn des Jahres 2026
erschien diese Inflationserwartung noch als richtig, aber mit den
militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten stiegen der
Energiepreis und mit ihm die Inflationsrate wieder dramatisch an.
Zwtl.: Der Zweijahresabschluss im Detail:
1. November 2025 (relevante rollierende 12-Monatsinflation 2,82 %
)
– Die Ist-Löhne und -Gehälter stiegen um 1,41 %
– Im November 2025 und Juli 2026 erhielten die Beschäftigten entweder
zweimal zwei Tage zusätzliche Freizeit oder zweimal 500 Euro in Form
einer Einmalprämie zur Sicherung der Kaufkraft
– Die Grundstufen der kollektivvertraglichen Mindestentgelte stiegen
um 2 %
– Der niedrigste Mindestlohn / das niedrigste Mindestgehalt stieg auf
2.568,80 Euro
– Die Lehrlingseinkommen stiegen um 2 %, zusätzlich erhielten
Lehrlinge eine Kaufkraftsicherungsprämie von 250 Euro.
– Die kollektivvertraglichen Zulagen wurden um 2 % erhöht
– Die Nachtarbeitszulage sowie die Zulage für die dritte Schicht
stiegen um 7,54 % auf 3,508 Euro pro Stunde
1. November 2026 (relevante rollierende 12-Monatsinflation 3,3 %)
– Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen um 1,9 %
– Die Grundstufen der kollektivvertraglichen Mindestentgelte steigen
um 2,1 %
– Der niedrigste Mindestlohn / das niedrigste Mindestgehalt steigt
auf 2.622,74 Euro
– Die Lehrlingseinkommen steigen um 2,1 Prozent
– Die Zulagen und Aufwandsentschädigungen steigen um 2,1 %
– Die Zulage für Nachtarbeit sowie für die dritte Schicht steigen um
7,01 % auf 3,754 Euro pro Stunde
Zwtl.: Statements der Sozialpartner
Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft PRO-GE:
“Mit dem Krisenabschluss auf Zeit für die gesamte Metallindustrie
haben wir Verantwortung in einer historischen Ausnahmesituation
übernommen. Wir befanden uns in der längsten Wirtschaftskrise seit 80
Jahren mit dem Verlust von zigtausenden Arbeitsplätzen. Deshalb war
es unser Ziel, Nulllohnrunden zu verhindern, Planbarkeit und
Sicherheit für Beschäftigte sowie Betriebe zu schaffen. Dieser KV-
Abschluss war eine Brücke über schwierige Zeiten und hat mitgeholfen,
Beschäftigung zu sichern. Für die Gewerkschaften bleibt aber klar:
Wenn sich die wirtschaftliche Situation in der Metallindustrie wieder
verbessert, erwarten die Beschäftigten zu Recht ihren Anteil am
Erfolg. Die Stärkung der Kaufkraft bleibt daher das wichtigste Ziel
von Kollektivvertragsverhandlungen.”
Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA:
“Der Krisenabschluss sorgt dafür, dass Inflation und Ist-
Erhöhungen über die letzten sechs Jahre gleichziehen. Die
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben damit ihren Beitrag für den
Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Metallindustrie geleistet. Die
Arbeitgeber haben jetzt die Aufgabe, aus dem beginnenden
Wirtschaftsaufschwung etwas zu machen, denn ein Krisenabschluss ist
keine Dauerinstitution.”
Christian Knill, Obmann Fachverband Metalltechnische Industrie:
“Die Sozialpartner haben mit diesem Abschluss im Vorjahr ein
starkes Zeichen für lösungsorientierte Zusammenarbeit gesetzt. Die
erzielte Einigung über einen Zeitraum von zwei Jahren sowie die
wettbewerbsorientierten Lohn- und Gehaltserhöhungen schaffen für die
Beschäftigten und Unternehmen eine verlässliche Perspektive für den
Produktionsstandort Österreich. Unsere Branche hat in den letzten
Jahren einen signifikanten Verlust an Wettbewerbsfähigkeit erfahren.
Dies hat zu einem Stellenabbau von über 10.000 Arbeitsplätzen in den
vergangenen zwei Jahren geführt. Vor diesem Hintergrund war diese
gemeinsame Lösung ein elementarer Beitrag zur Stabilisierung der
Branche.”
Stefan Ehrlich-Adám, Stv. Obmann Fachverband Metalltechnische
Industrie (FMTI) und KV-Verhandler FMTI:
“Das gemeinsame Ziel der KV-Verhandlungen war es, die negative
Entwicklung unserer preislichen Wettbewerbsfähigkeit zu bremsen. Wir
haben mit diesem Abschluss den Abstand zu den Mitbewerbern zumindest
nicht weiter vergrößert und den Unternehmen etwas mehr
Planungssicherheit ermöglicht. Eine moderne und
verantwortungsbewusste Lohnpolitik muss daher neue Wege gehen. Im
Mittelpunkt stehen dabei stets folgende Kernfragen: Wie steht es um
die Unternehmen? Welche finanziellen Spielräume haben sie? Und wie
kann ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Exportmärkten
gemeinsam gesichert werden? Die Absicherung der Kaufkraft ist
hingegen vor allem Aufgabe einer stabilitätsorientierten Finanz- und
Wirtschaftspolitik und nicht der Unternehmen.”
Zwtl.: Über die Gewerkschaften PRO-GE und GPA
Die beiden Gewerkschaften PRO-GE und GPA verhandeln gemeinsam
Kollektivverträge für Arbeiter:innen, Angestellte und Lehrlinge in
verschiedenen Industriebranchen. Neben der Metallindustrie im Herbst
mit insgesamt rund 190.000 Beschäftigten sind das unter anderem die
chemische Industrie, die Elektro- und Elektronikindustrie, die
Glasindustrie, die Papierindustrie und die Textilindustrie. Diese
Kollektivverträge umfassen insgesamt rund 130.000 Beschäftigte und
werden im Frühjahr verhandelt. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA
vertreten die Interessen von insgesamt rund 510.000 Mitglieder und
unterstützen etwa 23.000 Betriebsrätinnen und Betriebsräte in ihrer
Arbeit.
Zwtl.: Über die Metalltechnische Industrie
Die Metalltechnische Industrie (MTI) erwirtschaftet einen
Produktionswert von 47 Milliarden Euro (2025), beschäftigt direkt
rund 130.000 Menschen und sichert damit indirekt bis zu 290.000
Arbeitsplätze in Österreich. Die exportorientierte Branche ist
mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus
Familienunternehmen und ist für ein Fünftel aller österreichischen
Exporte verantwortlich. Insgesamt sind im Fachverband
Metalltechnische Industrie über 1.100 Unternehmen vertreten, die
unter anderem in den Bereichen Maschinenbau, Metallwaren, Anlagenbau,
Stahlbau und Gießerei tätig sind. Der Fachverband Metalltechnische
Industrie ist einer der größten Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände
Österreichs und eine eigenständige Organisation in der
Wirtschaftskammer Österreich.