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Gut gemeint, gefährlich dosiert: Nahrungsergänzungsmittel als Gesundheitsfalle bei Krebstherapien

Wien (OTS) – Jeder kommt im Laufe seines Lebens mit 10.000 bis
100.000
verschiedenen Fremd- und Schadstoffen in Kontakt. Die Toxikologie
setzt sich mit ihren Analysetools und Risikoeinschätzungen für den
Schutz der Menschen, Tiere und Umwelt vor diesen giftigen Substanzen
ein. Gerade im Lebensmittelbereich können hoch dosierte
Nahrungsergänzungsmittel gesundheitsschädigend sein und auch
lebensnotwendige Chemotherapien giftiger machen oder ihre Wirkung
völlig aushebeln. Welche Wirkung auf Sojabohnen basierte
Nahrungsergänzungsmittel bei hormonbedingtem Brustkrebs haben, wie
die Wirkung andere Medikamente – wie der Anti-Baby-Pille – durch
Nahrungsergänzungsmittel ausgehebelt werden können und welche anderen
Gefahren in unseren Lebensmitteln lauern, darüber geht es beim
EUROTOX-Kongress, der vom 13. bis 16. September im Austria Center
Vienna stattfindet.

„Die Toxikologie beschäftigt sich mit Stoffen, welche die
menschliche und tierische Gesundheit sowie die Umwelt negativ
beeinflussen können. Sie ist wichtig, um einschätzen zu können, wie
gefährlich ein Stoff ist und hat daher eine grundlegende Bedeutung
für unser aller Zukunft. Gerade in der Einschätzung unserer
Lebensmittel, der Wirkung von Lebensmittelzusatzstoffen und der
Wechselwirkung zwischen medizinischen Behandlungen wie einer
Chemotherapie und unserer Nahrung, ist unsere Expertise wesentlich
für die Gesundheit und den Therapieerfolg“, so Univ.-Prof. Dr. Doris
Marko, Professorin für Lebensmittelchemie und Leiterin des Instituts
für Lebensmittelchemie und Toxikologie der Universität Wien sowie
Chair des Local Organizing Committee des EUROTOX-Kongresses 2026.

Zwtl.: Vom Lebensmittel zum toxischen Nahrungsergänzungsmittel

„Die Dosis macht das Gift. Das gilt auch für unsere Lebensmittel.
Gewürzpflanzen wie Basilikum schmecken gut und sind bei einer
normalen Portion mit Tomate und Mozzarella völlig unbedenklich. Als
hochkonzentrierter Extrakt bzw. Aromaöl ist die toxikologische
Einschätzung schon anders, denn dadurch konsumiert der Körper die
Gewürzpflanze in einer Menge, in der er diese auf natürlichem Wege
nie essen würde. Das zu viel kann dann gesundheitsschädlich, ja sogar
Erbgut schädigend sein“, betont Marko. Besonders Mischungen, wie
Smoothies, in denen bestimmte Stoffe hineingemischt sind, die man so
nie zu sich nehmen würde, aber durch den Geschmack der anderen
Zutaten übertönt werden, können unerwünschte Wirkungen mit sich
bringen, weil sie die natürliche Regulierung des Körpers aushebeln.
Auch Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform nehmen Menschen leicht
zu sich. „Diese hochkonzentrierten Extrakte sind
Nahrungsergänzungsmittel, gelten aber, wenn sie aus Lebensmitteln
hergestellt sind, nach wie vor als Lebensmittel und brauchen keine
Gesundheitsprüfung, wie es beispielsweise bei Medikamenten notwendig
ist“, betont Marko.

Zwtl.: Aushebelung von Chemotherapie: die dunkle Seite der
Nahrungsergänzungsmittel

„Das Problem ist jetzt, dass Nahrungsergänzungsmittel aufgrund
der hohen Dosierung negativ auf unsere Gesundheit und bestimmte
medizinische Therapien wirken können. Beispielsweise greifen
Menschen, die eine intensive chemotherapeutische Behandlung haben,
aus Verzweiflung zu verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln, von
denen sie sich erhoffen, dass sie ihnen helfen. Lebensmittel mit
sekundären Pflanzenstoffen sind aber teilweise den Substanzen
ähnlich, die für Chemotherapien entwickelt wurden. Die – vor allem
hochkonzentrierte – Aufnahme eines solchen Lebensmittels kann im
Extremfall die Nebenwirkungen der Chemotherapie verstärken oder die
Wirkung der Therapie sogar untergraben“, erklärt Marko, welche sich
seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt und beim EUROTOX-Kongress
eine Keynote zum Thema „The Dark Side of Food Supplements“ hält und
dabei bahnbrechende Erkenntnisse publik machen wird. Die
Chemotherapeutika sind aber hoch sensible Medikamente, die auf ein
bestimmtes Wirkungsfenster eingestellt sind, damit sie für den Körper
eben nicht zu giftig werden aber dennoch die gezielte Wirkung der
Krebsbekämpfung erzielen können.

Zwtl.: Sojabohnen-Nahrungsergänzungsmittel fatal bei hormonabhängigem
Tumor

Isoflavone, das sind Inhaltsstoffe, die aus der Sojabohne
isoliert werden und hormonell aktiv sind, werden schon lange als
Nahrungsergänzungsmittel heiß diskutiert. Sie sollen
Wechselbeschwerden der Frauen lindern. „Hat eine Frau jedoch einen
hormonabhängigen Tumor, wie beispielsweise bestimmte
Brustkrebstumore, dann zielt die Behandlung gerade darauf ab, den
Spiegel an weiblichen Hormonen mit Medikamenten zu senken. Isoflavone
als Nahrungsergänzungsmittel oder in verschiedenen Cremes und
Tinkturen, welche die Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Falten,
trockene Haus und Co reduzieren sollen, können dann im Extremfall der
Chemotherapie entgegenwirken und damit die Krebsbehandlung
unterminieren“, so Marko.

Zwtl.: Aktivkohle hebelt Anti-Baby-Pille aus

Auch bei anderen Medikamenten, wie der Anti-Baby-Pille, können
bestimmte Nahrungsergänzungsmittel fatal werden. „Es gibt Berichte in
denen Detox-Smoothies mit Aktivkohle dazu geführt haben, dass Anti-
Baby-Pillen, die mit diesen Smoothies zu sich genommen wurden,
wirkungslos wurden, weil die Aktivkohle die Inhaltsstoffe der Anti-
Baby-Pille aufgesaugt hat und so die Aufnahme im Körper blockiert,
hat“, erklärt die Toxikologin. Überraschende Schwangerschaften waren
die Folge.

Zwtl.: Schimmelpilze und Bakterien – Toxische Stoffe in Lebensmitteln

Aber nicht nur Nahrungsergänzungsmittel können toxisch werden,
auch andere Lebensmittel können gefährlich werden, beispielsweise
wenn sich darin Schimmelpilze bilden. „Aflatoxin ist ein Stoff, der
häufig in verschimmelten Nüssen, Ölsaaten oder auch in Getreide
vorkommt und nachweislich beim Menschen Leberkrebs auslösen kann“, so
Marko. So starben in den 60er-Jahren in England hunderttausend
Truthähne an Leberversagen, weil sie verschimmeltes Tierfutter auf
Erdnussbasis gegessen hatten. „Kürzlich wurde Alfatoxin durch
Lebensmittelprüfungen auch in pflanzlichen Milchalternativen auf
Mandelbasis gefunden und hat hier zu einem neuen Risikomanagement bei
pflanzlichen Milchalternativen geführt. Auch Pistazien – wie sie
unter anderem in Dubai Schokolade verarbeitet wird – können Aflatoxin
enthalten und müssen daher genau überwacht werden,“ weiß Marko. Mit
Aflatoxin M1, einem leicht veränderten Schimmelpilzgift, das sich in
der Milch von Tieren anreichert, die verschimmeltes Tierfutter
gefressen haben, gelangen auch Schimmelpilzgifte in unsere Nahrung.
„Das Problem bei Aflatoxin ist, dass es stark krebserregend ist, aber
für die Menschen mit bloßen Augen nicht immer als Schimmel erkannt
wird,“ erklärt Marko. Während Aflatoxin krebserregend ist, wirkt die
Schimmelpilzsubstanz Deoxynivalenol auf den Magen-Darmtrakt und kann
neben Erbrechen auch Darmentzündungen hervorrufen. Deoxynivalenol ist
ein Stoff, der sehr häufig im Getreide vorkommt. Deoxynivalenol
gehört zu den sogenannten Fusarientoxinen, die im Frühjahr dieses
Jahres in Österreich auch gehäuft in Frühstückscerealien gefunden
wurde. „Mindestens genauso schlimm wie die Verunreinigung von
Lebensmittel durch Schimmelpilze ist die Kontamination durch
Bakterien wie Clostridien in Konservendosen, die nicht nur Magen-Darm
-Beschwerden, sondern auch bis zu lebensgefährlichen Vergiftungen
führen können“, so Marko. Daher nimmt die Toxikologie mit ihrem
Beitrag zur Risikobewertung eine wesentliche Rolle ein.

Zwtl.: Die Zubereitung macht den Unterschied

Manches hat jeder aber auch selbst in der Hand. Ein zu viel an
Acrylamid kann zum Krebsrisiko beitragen. Es entsteht, bei der
starken Erhitzung von stärkehaltigen Lebensmitteln wie dem Backen,
Frittieren oder Rösten, wie es bei Chips und Pommes der Fall ist.
Hier kann jeder durch die Art der Zubereitung von Kartoffeln selbst
entscheiden, wie viel Acrylamid er oder sie sich zuführt. Auch
gewisse Ernährungsempfehlungen – wie das Waschen von Reis vor dem
Kochen – haben eine protektive Wirkung. So kann durch das Waschen das
durch den Anbau im Reis angereicherte Gift Arsen heraus geschwemmt
werden.

Zwtl.: Über die IAKW-AG und EUROTOX

Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien,
Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna
International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna.
Das Austria Center Vienna ist mit 21 Sälen, 134 Meetingräumen sowie
rund 26.000 m 2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes
Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen
Kongresswesen. EUROTOX ist die Federation of European Toxicologists
and European Societies of Toxicology. Sie organisiert mit dem EUROTOX
-Kongress den größten toxikologischen Kongress in Europa und setzt
sich durch Wissenschaft und Ausbildung maßgeblich für die Sicherheit
von Menschen, Tieren und der Umwelt ein.

https://www.acv.at/de/

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