Wien (OTS) – „Madame Maux und der Herr der Manege“ stehen im Rahmen
der ORF-
„dokFilm“-Sommerprogrammierung am Sonntag, dem 30. August 2026, um
22.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON im Mittelpunkt einer neuen Ausgabe
der von Jennifer Rezny gestalteten Kulturdokureihe „Österreichs
Originale“. Diese porträtiert interessante Menschen, die von
Leidenschaft und Lust an der Grenzüberschreitung getrieben sind oder
aus dem Raster dessen fallen, was landläufig als „normal“ gilt.
Diesmal geht es um zwei Originale, die ihre Kraft aus dem Rampenlicht
schöpfen, in dem sie glänzen. Für sie ist die darstellende Kunst
nicht nur Passion, sondern eine Lebenseinstellung: Schauspielerin
Inge Maux und Zirkusdirektor Alexander Schneller-Pikard.
Was die beiden verbindet, ist weit mehr als die Liebe zum
Auftritt, denn sie haben sich gegen Widerstände behauptet, Hürden in
Kauf genommen und nie aufgehört, an ihren Weg zu glauben. Beide
folgen unbeirrt ihrer Passion– mit einer kindlichen Begeisterung, die
vielen längst verloren gegangen ist. Dort, wo andere nur Theater oder
Zirkus sehen, beginnt für Madame Maux und den Herrn der Manege das
eigentliche Leben.
Mehr zum Inhalt von „Madame Maux und der Herr der Manege“ (22.15
Uhr)
In Mettmach im oberösterreichischen Innviertel wächst Ingeborg
Christine Wöchtl – so Inge Maux’ bürgerlicher Name – in geordneten,
von dem freiheitsliebenden Mädchen aber oft als beengend empfundenen
Verhältnissen auf. Begeistert spielt sie Filmszenen nach, schlüpft in
fremde Rollen und träumt von den großen Bühnen der Welt. Alle
Versuche ihrer Eltern, den Tatendrang der Tochter zu zügeln,
scheitern. Ihr Weg führt sie an die Schauspielschule Krauss und
weiter an renommierte Theater im deutschen Sprachraum. Musicals und
Komödien werden zu ihrem Metier. Durch berufliche und private Umwege
lässt der große Durchbruch Jahrzehnte auf sich warten. Erst Ulrich
Seidls vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte
Kinoproduktion „Paradies: Liebe“ macht sie mit fast 70 Jahren einem
breiten Publikum bekannt. Mit 80 erfüllt sich für Inge Maux
schließlich ihr größter Traum: Sie betritt die heiligen Hallen des
Burgtheaters, den „Olymp für jeden Schauspieler, man kann es nicht
anders sagen.“ Wenn sie nicht spielt, malt und fotografiert sie mit
derselben Leidenschaft. Über die Jahre entstand so eine
beeindruckende Sammlung – Bilder, die fast mehr über sie erzählen als
jede ihrer Rollen. Bis heute versteht sich Maux als „altes spielendes
Kind“ und ist überzeugt: „Die größte Kunst besteht darin, in einer
Rolle vollkommen zu verschwinden.“
Alexander Schneller-Pikard wächst in Niederösterreich zwischen
Wohnwagen, Zirkuszelt und Manege auf. Als einziger Sohn eines
traditionsreichen Familienzirkus steht er früh im Schatten seines
strengen Vaters. Tägliches Training, Disziplin und der Wunsch, eines
Tages selbst Direktor zu sein, prägen seine Kindheit. „Egal, was
alles Schlimmes passiert – im Zirkus geht es mir gut“, sagt er. Nach
dem frühen Tod seines Vaters tritt er mit nur 27 Jahren erstmals als
Zirkusdirektor vor sein Publikum. Heute, zwölf Jahre später, führt er
einen der letzten traditionellen Familienzirkusse Österreichs und
tourt mit ihm quer durch Niederösterreich. Hinter jeder Vorstellung
steckt ein enormer Kraftakt: als Direktor, kreativer Kopf, Manager
und manchmal auch Mechaniker trägt er Verantwortung für Menschen,
Tiere und den gesamten Betrieb. Mit seiner Offenherzigkeit, seiner
Freizügigkeit und der Freude an der Selbstinszenierung polarisiert er
immer wieder. „Ich mag es, wenn ich angeschaut werde. Ich sehe mich
auch selbst gerne im Spiegel“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und
doch gilt für ihn vor allem eines: „Zirkus bedeutet Verzicht auf
vieles. Aber er ist trotzdem mein Ein und Alles.“