Schiene stärken, Regionen beleben – Sommertagung des Fachverbandes setzt klare Signale für mehr Bahn

Wien (OTS) – Auf Einladung der NÖVOG und der Niederösterreich Bahnen
GmbH fand am
11. und 12. Juni die diesjährige Sommertagung des Fachverbandes der
Schienenbahnen der Wirtschaftskammer Österreich in St. Pölten statt.
Zahlreiche Entscheidungsträger:innen, Expert:innen, Manager:innen und
Geschäftsführer:innen aus dem gesamten Eisenbahnsektor nutzten die
Gelegenheit, um über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen
des Schienenverkehrs zu diskutieren.

„Die Sommertagung ist für uns ein Fixpunkt, um uns als Branche
abzustimmen“, betont Fachverbands-Obmann Günter Neumann. „Wir haben
es mit einer komplexen Gemengelage zu tun – Finanzierung,
Regulierung, Fachkräfte, Technik, Europa. Aber das ist für uns nichts
Neues. Wir sind es gewohnt, mehrere harte Bretter gleichzeitig zu
bohren.“ Zu Beginn der Tagung präsentierte die NÖVOG /
Niederösterreich Bahnen GmbH ihre vielfältigen Aktivitäten im
Regional- und Ausflugsverkehr. Deutlich wurde, welche Bedeutung
leistungsfähige regionale Bahninfrastrukturen für Lebensqualität,
Tourismus und Wirtschaft in den Regionen haben.

Budget, Investitionsprogramm und Planungssicherheit im Fokus
Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Tagung lag auf Budgetfragen und der
künftigen Finanzierung der Schieneninfrastruktur. Neumann verwies
dabei auf das aktuell präsentierte Budget und das 10. Mittelfristige
Investitionsprogramm (MIP) 2026–2031, das für Investitionen im
Bereich Privatbahnen dient: „Wir evaluieren derzeit die Details,
insbesondere was das für die Privatbahninfrastruktur, für
Planungssicherheit und die Projektpipeline bedeutet. Wir schauen da
sehr genau hin, ob das unseren Anforderungen an dringend notwendigen
Investitionen auch wirklich gerecht wird.“ Zugleich erinnerte Neumann
an die zentralen Linien des Fachverbandes: langfristige Finanzierung
und Planungssicherheit, faire Rahmenbedingungen und ein echtes „Level
Playing Field“ zwischen den Verkehrsträgern sowie Investitionen in
Digitalisierung und Fachkräfte.

Innovative Mobilitätslösungen und Wettbewerb im Personenverkehr
Mit dem Vortrag „Der Obus als Zukunftsoption der E-Mobilität im ÖV“
wurde eine konkrete, bereits erprobte Technologie für
klimafreundliche Mobilität in Städten und Regionen beleuchtet. Der
Obus verbindet die Vorteile elektrischer Antriebe mit hoher
Leistungsfähigkeit und kann bestehende Schienenangebote sinnvoll
ergänzen. Deutlich wurde, dass gerade in wachstumsstarken und urbanen
Regionen integrierte Konzepte aus Bahn, Obus und weiteren
öffentlichen Verkehrsmitteln entscheidend sind, um attraktive
Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen.

Im Themenblock „Trends & Erfahrungen zum Wettbewerb im
europäischen Schienenpersonenverkehr“ stand die Frage im Mittelpunkt,
wie fairer Wettbewerb, langfristige Investitionen und hohe
Servicequalität zusammengeführt werden können. Diskutiert wurden
dabei insbesondere die unterschiedlichen Modelle von Ausschreibung
und Direktvergabe sowie die Rolle öffentlicher
Bestellerorganisationen. Neumann bekräftigte in diesem Zusammenhang
die Position des Fachverbandes: „Wir haben uns immer für die
Wahlfreiheit ausgesprochen, und damit für die jeweils beste Lösung
für jede einzelne Strecke. Entscheiden sollen jene, die die
Verantwortung tragen und die Gegebenheiten vor Ort am besten kennen –
Bund, Länder, Städte und Gemeinden. Sie müssen die Wahlfreiheit
haben, ob sie ausschreiben oder direkt vergeben.“

Die bestehende Gesetzeslage sieht diese Wahlfreiheit bereits vor,
und auch die Regierungs-vereinbarung hält fest, dass öffentliche
Auftraggeber zwischen Direktvergabe und internationalen
Ausschreibungsverfahren wählen können. Genau das muss gesichert und
konsequent umgesetzt werden. Eine gesetzliche Verpflichtung – in
welche Richtung auch immer – macht den Schienenverkehr in Österreich
nicht automatisch besser. Österreich ist nicht zufällig Bahnland
Nummer 1 in der EU: „Die Menschen in Österreich legen im EU-Vergleich
die meisten Bahnkilometer pro Kopf zurück, und die Fahrgastzahlen
steigen seit Jahren. Dieses Erfolgsmodell dürfen wir nicht durch
unnötige Zwänge gefährden, sondern müssen es mit klugen, praxisnahen
Vergabelösungen weiter stärken“, betont Neumann.

Privatbahnen als wirtschaftlicher Motor der Regionen
Mit großem Interesse wurden die neuen Erkenntnisse zum
volkswirtschaftlichen Beitrag der regionalen Privatbahnen
aufgenommen. Die präsentierten Ergebnisse zeigen deutlich, dass die
regionalen Bahnen weit mehr sind als ein Verkehrsmittel: Sie schaffen
Wertschöpfung, sichern Arbeitsplätze, stärken den Tourismus und
leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Gerade
in strukturschwächeren Regionen übernehmen Privatbahnen oft eine
zentrale Rolle als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Investitionen
in Infrastruktur, Fahrzeuge und Digitalisierung zahlen sich daher
nicht nur ökologisch, sondern auch volkswirtschaftlich aus.

Die Verkehrsleistung auf der Schiene steigt seit vielen Jahren
kontinuierlich. Von 2010 bis 2025 sind die Fahrgastzahlen auf der
Eisenbahn von rund 242 Millionen auf etwa 350 Millionen Fahrgäste pro
Jahr angewachsen – ein Plus von rund 44 Prozent. Der Marktanteil der
Privatbahnen liegt dabei stabil bei rund 15 Prozent. Während die
Menschen die Bahn also immer stärker nutzen, ist die Finanzierung
nicht im selben Ausmaß mitgewachsen – insbesondere, wenn man die
massiven Preis- und Kostensteigerungen der vergangenen Jahre
berücksichtigt. Genau hier braucht es verlässliche, langfristige
Finanzierungszusagen.

„Österreich und Europa brauchen eine starke Schiene – im Personen
– wie im Güterverkehr“, fasst Neumann zusammen. „Damit wir unsere
Klimaziele erreichen, die Regionen stärken und die
Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sichern, braucht es jetzt klare
politische Signale: Priorität für Investitionen in die Schiene,
verlässliche Rahmenbedingungen und die Bereitschaft, die Bahn
aufgrund ihrer Vorteile gegenüber anderen Verkehrsträgern gezielt zu
bevorzugen.“ (PWK293/DFS)