Wien (OTS) – Die Gaswirtschaft ist bereit, die Energiewende mit
Biomethan und
Wasserstoff voranzutreiben. Damit Österreich seine Klimaziele
erreichen und gleichzeitig Versorgungssicherheit gewährleisten kann,
braucht es jetzt die entsprechenden politischen und regulatorischen
Entscheidungen.
Die Energieversorgung Österreichs muss schrittweise von fossilem
Erdgas auf erneuerbare Gase wie Biomethan und Wasserstoff umgestellt
werden. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie: „Grüne Gase
wie Wasserstoff oder Biomethan werden in einem klimaneutralen
Energiesystem eine zentrale Rolle spielen, aber dort, wo sie wirklich
gebraucht werden: in der Industrie, bei Hochtemperaturprozessen, in
Gaskraftwerken und bei der saisonalen Speicherung. Biomethan ist
dabei ein besonders wichtiger Baustein, weil die Technologie
verfügbar ist, bestehende Infrastruktur genutzt werden kann und
regionale Wertschöpfung entsteht. Wasserstoff wiederum wird
langfristig vor allem für industrielle Anwendungen und als
strategischer Energieträger entscheidend sein. Damit aus Potenzial
Realität wird, braucht es jetzt verlässliche Rahmenbedingungen,
planbare Erlöse und konkrete Projekte. Genau hier setzen wir mit dem
Erneuerbares-Gas-Gesetz, dem Wasserstoffförderungsgesetz, dem neuen
Gaswirtschaftsgesetz und der Transformation der Industrie an. Unser
Ziel ist klar: Wir wollen bis 2030 die Biomethanproduktion ankurbeln,
den Hochlauf von erneuerbarem Wasserstoff vorantreiben und
gleichzeitig jene Betriebe unterstützen, die bei der Dekarbonisierung
vor den größten Herausforderungen stehen. Denn Klimaneutralität
gelingt nur, wenn wir Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und
industrielle Stärke zusammendenken“, so Energie-Staatssekretärin
Elisabeth Zehetner.
Biomethan: EGG als Grundlage für den Markthochlauf
Bei Biomethan fordern die Gasversorger die rasche Umsetzung des
Erneuerbaren-Gase-Gesetzes (EGG). Der aktuelle Gesetzesentwurf sieht
die Förderung von einer Terawattstunde Biomethan vor und soll
Investitionssicherheit für neue Projekte schaffen.
Welche volkswirtschaftlichen Potenziale im Ausbau von Biomethan
liegen, zeigt eine aktuelle Studie der Servicestelle Erneuerbare Gase
(SEG): Demnach könnte der Ausbau der heimischen Biomethan-Produktion
mehr als 1,2 Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung
generieren und tausende Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig
entstehen erhebliche Steuer- und Abgabeneinnahmen für die öffentliche
Hand. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie des
Energieinstituts der Johannes-Keppler-Universität in Linz im Auftrag
des Fachverbands Gas Wärme (FGW), wonach ein Großteil der
Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Österreich
bleibt.
Wasserstoff: Infrastruktur und Finanzierung jetzt absichern
Während beim Biomethan vor allem die Produktion im Fokus steht,
geht es bei der Gewinnung von Wasserstoff um den Aufbau eines neuen
Energiesystems: Die Gaswirtschaft fordert dafür rasche Entscheidungen
und die Schaffung klarer Rahmenbedingungen für den Hochlauf der
Wasserstoffwirtschaft. Im Fokus steht dabei der Aufbau der H2-
Infrastruktur und deren Finanzierung. Wasserstoff wird insbesondere
als Energieträger für die Industrie sowie zur Absicherung des
Energiesystems während sogenannter Dunkelflauten eine wichtige Rolle
spielen.
Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme: „Die Gaswirtschaft
ist bereit, massiv in den Umbau bestehender Gassysteme zu
investieren. Unser Ziel ist es beispielsweise die Gasversorgung für
Betriebe schrittweise auf den Betrieb mit Wasserstoff umzustellen.
Was es jetzt noch dafür braucht, sind die gesetzlichen
Rahmenbedingungen im Gaswirtschaftsgesetz sowie das Erneuerbaren Gase
Gesetz.“
Zukunftsforum unter dem Motto „Zwischen Aufbruch und Umbruch“
Wie diese Rahmenbedingungen aussehen müssen und welche Lehren aus
internationalen Entwicklungen gezogen werden können, diskutieren beim
Zukunftsforum Grünes Gas 2026 hochrangige Vertreter aus Politik,
Wirtschaft und Forschung. Unter dem Motto „Zwischen Aufbruch und
Umbruch“ stehen unter anderem Marktstrategien für Biomethan und
Wasserstoff, internationale Best-Practice-Beispiele sowie die Rolle
Grüner Gase im zukünftigen Energiesystem auf dem Programm. Auch ein
hochkarätig besetzter Politik-Talk widmet sich den notwendigen
energiepolitischen Weichenstellungen für Österreich.
Europas Vorreiter bei Wasserstoff
Einige Länder in Europa haben beim Aufbau ihrer
Wasserstoffwirtschaft bereits wichtige Schritte gesetzt. So treiben
die Niederlande und Frankreich den Ausbau ihrer
Wasserstoffinfrastruktur konsequent voran. Spanien und Italien nutzen
ihre günstigen Bedingungen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff.
„Deutschland hat schon einen ersten Teil seines Wasserstoff-
Kernnetzes in Betrieb genommen“, sagt Stefan Wagenhofer, Präsident
der ÖVGW, der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und
Wasserfach. Die erste rund 400 Kilometer lange Pionier-Leitung reicht
von der Ostsee bis nach Sachsen-Anhalt. „Die Erfahrung zeigt uns:
Neue Energiesysteme sind keine Selbstläufer. Es braucht große
Anstrengungen und Unterstützung. Wir Netzbetreiber sind bereit, den
ersten Schritt zu gehen. Jetzt braucht es auch die notwendigen
Entscheidungen der Politik für ein GWG, das auch eine langfristige
Finanzierung sicherstellt“, sagt Wagenhofer anschließend.
Über Gas
Gas nimmt in der umweltbewussten Energieversorgung eine
Schlüsselrolle ein: Die Energie der Zukunft lässt sich effizient und
komfortabel fürs Heizen, die Warmwasserbereitung, Kälte- und
Stromerzeugung und als Kraftstoff für Automobile einsetzen. Gas
verbrennt ohne Feinstaub und Partikel und ist damit der
emissionsärmste fossile Energieträger. Mit Biomethan aus biogenen
Reststoffen, synthetischem Methan (SNG) aus erneuerbaren Stromquellen
und Wasserstoff bietet Gas auch grüne Alternativen.