Zehn Jahre Likrat: Ein Erfolgsprogramm im Kampf gegen Antisemitismus!

Wien (OTS) – Likrat (aus dem Hebräischen: „Auf jemanden zugehen“) ist
das
österreichweite Dialogprogramm der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
(IKG), das dazu einlädt, mit Jugendlichen und Studierenden über ihr
persönliches Judentum zu sprechen. Durch Begegnungen auf Augenhöhe
werden mögliche Vorurteile aufgeklärt, präventiv gegen Antisemitismus
vorgegangen und Brücken zwischen unterschiedlichen Menschen und
Lebenswelten aufgebaut. Mit mehr als 200 jüdischen Jugendlichen und
Studierenden ist Likrat an der Prävention und Bekämpfung aller Formen
des Antisemitismus beteiligt.

IKG-Präsident Oskar Deutsch: „ Das Erfolgsprogramm Likrat ist ein
wichtiger Bestandteil der vielfältigen Maßnahmen gegen Antisemitismus
in Österreich. Die Antwort auf die steigende Zahl antisemitischer
Übergriffe ist noch mehr sichtbares jüdisches Leben und genau das
vermitteln die Jugendlichen in jeder einzelnen Begegnung. Mit ihrem
Engagement stärken die Likratinos und Likratinas den Zusammenhalt in
unserer Gesellschaft für künftige Generationen.“

Likrat ist neben Schulen auch in der Sicherheitsakademie der
Polizei, dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und an
Universitäten präsent. Ziel ist es, in allen Settings eine
vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, um schwierige Fragen oder
Vorurteile anzusprechen. Die jüdischen Jugendlichen (sog. Likratinos
oder Likratinas) werden im Rahmen von Ausbildungsworkshops auf die
Begegnungen vorbereitet. Durch eine fundierte didaktische und
fachliche Basis wird ein produktiver Austausch im Rahmen der
Begegnungen sichergestellt. Likrat wird in verschiedenen Schulen
sowohl als selbstverständlicher Teil des Unterrichts angesehen als
auch in konkreten Anlassfällen hinzugezogen, um antisemitischen
Vorfällen effektiv zu begegnen.

IKG-Jugendkommissionsvorsitzende Beatrice Kricheli: „Likrat hat
über die vergangenen zehn Jahre ein rasantes Wachstum erfahren –
einerseits aufgrund der Notwendigkeit, gegen Antisemitismus
vorzugehen, aber auch, da das Lehrpersonal die positive Wirkung von
Likrat im Unterricht miterlebt. Dank für diese Arbeit gilt in erster
Linie den Jugendlichen, die in tausenden Begegnungen und
Vorbereitungsstunden ihre Zeit in ein besseres Miteinander
investieren. An dieser Stelle möchten wir uns auch bei den
Förderinstitutionen bedanken, die uns in den vergangenen Jahren
begleitet haben und uns auch weiterhin begleiten werden.“

Mit über 1.000 Begegnungen und mehr als 23.000 Teilnehmerinnen
und Teilnehmern konnte Likrat seinen Wirkungsbereich kontinuierlich
erweitern und umfasst heute neben Begegnungen auch Aufklärungsarbeit
in sozialen und klassischen Medien. Durch diese Bemühungen wurde
Likrat in den vergangenen Jahren zu einer tragenden Säule im Kampf
gegen Antisemitismus und ist fester Bestandteil der Nationalen
Strategie gegen Antisemitismus.

Bundesministerin Claudia Plakolm:

„Seit zehn Jahren zeigt Likrat, wie man Vorurteile abbaut, indem
man miteinander statt übereinander redet. Jüdische Jugendliche gehen
in Schulklassen, erzählen aus ihrem Alltag und beantworten Fragen zum
Judentum. Gerade weil antisemitische Angriffe zunehmen, braucht es
diese direkte Arbeit von jungen Menschen für junge Menschen. Deshalb
stärken wir Likrat auch in der Nationalen Strategie gegen
Antisemitismus, dort wo junge Menschen lernen und diskutieren, in
Schulen, in Kursen und online. Klar ist: Wer jüdisches Leben bedroht,
bedroht unsere Demokratie – und das akzeptieren wir nicht.“

Bundesminister Christoph Wiederkehr:

„Likrat steht beispielhaft dafür, wie Dialog, Begegnung und
gegenseitiges Verständnis in unserer Gesellschaft gestärkt werden
können. Der persönliche Kontakt und der offene Austausch in den
Schulklassen, die das Projekt möglich machen, sind essenziell, um
Vorurteile abzubauen und einen respektvollen Umgang miteinander zu
fördern. Junge Menschen kommen direkt miteinander ins Gespräch – für
unser Bildungssystem ist das von großer Bedeutung. Ich bedanke mich
herzlich für die engagierte Zusammenarbeit und möchte auch in Zukunft
meine Unterstützung für derartige Dialoginitiativen betonen. Projekte
wie Likrat sind wichtiger denn je, um ein friedliches und
vielfältiges Zusammenleben in Österreich zu gewährleisten. Ich
gratuliere Likrat zum 10-Jährigen Jubiläum und wünsche weiterhin viel
Erfolg!“

Staatssekretär Alexander Pröll

„In einer Zeit, in der antisemitische Stereotype und Hass wieder
lauter werden, ist Likrat ein zentraler Baustein der Nationalen
Strategie gegen Antisemitismus. Diese Initiative beweist seit 10
Jahren, dass Prävention dann am stärksten ist, wenn Menschen einander
wirklich begegnen und einander zuhören, wenn Vorurteile auf Wissen
treffen. Österreich ist der Initiative und vor allem auch den mutigen
Likratinas und Likratinos zu Dank verpflichtet.“

Likrat stellt darüber hinaus einen aktiven Beitrag der jüdischen
Jugend dar, jüdisches Leben zu vermitteln und einen offenen Dialog
für die Zukunft zu fördern. Damit ist Likrat auch ein starker
Verbündeter im Sinne eines zukunftsgerichteten Bewusstseins der einst
großen jüdischen Gemeinde, die heute wieder aufblüht. Dies ist
besonders in der Bundeshauptstadt Wien sichtbar, in der der Großteil
der Jüdinnen und Juden Österreichs lebt.

Bürgermeister der Stadt Wien, Michael Ludwig:

„Likrat zeigt seit nunmehr zehn Jahren, wie kraftvoll der
aufrichtige Dialog sein kann. Wenn junge Menschen einander offen
begegnen, entsteht Verständnis, wo zuvor Vorurteile standen. Wien ist
stolz auf dieses Engagement der jüdischen Jugend, die mit Mut, Wissen
und Empathie Brücken baut und damit einen wesentlichen Beitrag zu
einer Stadt leistet, in der sozialer Zusammenhalt gelebt wird.“

Vorständin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer
des Nationalsozialismus Hannah Lessing:

„Wir fürchten oft, was wir nicht kennen. Likrat setzt seit 10
Jahren auf eine der stärksten Kräfte, wenn es um den Abbau von
Antisemitismus geht: Die Begegnung von Mensch zu Mensch, das Gespräch
auf Augenhöhe. Genau deshalb hat der Nationalfonds Likrat 2023 mit
dem Simon-Wiesenthal-Preis für zivilgesellschaftliches Engagement
gegen Antisemitismus und für Aufklärung über den Holocaust
ausgezeichnet.“

Vorsitzender des Kuratoriums Zukunftsfonds der Republik
Österreich Herwig Hösele:

„Gerade in Zeiten eines bestürzend massiv grassierenden
Antisemitismus unterschiedlichster Provenienz ist Likrat besonders
notwendig und wertvoll. In den letzten zehn Jahren ist die
eindrucksvolle Initiative Likrat immer wichtiger geworden, heute ist
die intensivierte Fortführung von Likrat bedeutsamer denn je.”