„Wildtiere privat“: „Universum“ präsentiert „Homestorys“ von Wolf, Hirsch, Kranich und Co

Wien (OTS) – „Wildtiere privat!“: Vier Jahre lang filmten 150 gut
getarnte und
ferngesteuerte Kameras Wildtiere, die ohne Störung durch den Menschen
in Deutschlands abgelegenen Wäldern, unzugänglichen Seengebieten und
verlassenen Kohlerevieren leben. Das Ergebnis ist ein faszinierender
Einblick in deren „Privatsphäre“, in der sie ungestört flirten,
einander necken oder austricksen und dabei bisher unbekannte
Verhaltensweisen offenbaren. Noch nie haben Wolf, Hirsch, Kranich und
Co so viel von ihrem verborgenen Alltag preisgegeben wie in diesen
tierischen „Homestorys“, die die „Universum“-Dokumentation von Axel
Gebauer (ORF Bearbeitung: Wolfgang Stickler) am Dienstag, dem 12. Mai
2026, um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON zeigt. „Wildtiere privat“
ist eine Produktion von NDR Naturfilm/Doclights im Auftrag des NDR in
Zusammenarbeit mit ARTE und dem ORF.

Wenn im Winter die Nahrungsressourcen knapper werden, vergreifen
sich manche Bewohner der Wildnis gerne an der Beute erfolgreicher
Jäger. Füchse heften sich auf die Fährte von Wölfen und stauben ab,
was immer an Knochenresten übrigbleibt. Reiher, die auf zugefrorenen
Seen leicht ins Schleudern geraten, schnappen ungeniert nach frischen
Fischen, die Otter unter der Eisdecke hervortauchen. Naht der
Frühling, sind Wildschweine beim Bettenmachen zu beobachten: Sie
rupfen Schilfbündel aus und türmen sie zu „Tuchenten“ auf, um ihren
Frischlingen ein warmes, weiches Lager zu bieten. Weniger gemütlich
geht es in der Babykrippe eines Kranichpärchens zu. Es hat sein Nest
zu nahe an den Routen von Hirschkühen angelegt, die im Schilf ihre
Kälber gebären. Der Schilfgürtel bietet aber auch Sichtschutz für das
Liebesleben eines Otterpärchens. Ihr Tête-à-Tête dauert zwei Wochen.
Erst dann ziehen sie sich diskret ins Separee der Nacht zurück. Das
ausgedehnte Vorspiel konnte erstmals filmisch dokumentiert werden.
Sind die Kleinen erst einmal geboren, beginnt für Jungeltern der
Stress mit den Einbrechern. An drei Fuchsbauen wurden Wölfe und
Baummarder beim Versuch ertappt, Welpen auszugraben, was dem einen
oder anderen auch gelang. Es sind verborgene Dramen, die sich jede
Nacht an den Eingängen zu den Kinderzimmern abspielen. Auch das Küken
eines Wiedehopfs ist in seiner Baumhöhle vor dem Beutezug eines
Waschbär-Kletterkünstlers nicht sicher, und eine Nachtschwalben-
Mutter verliert trotz heftiger Flugabwehr ihre Eier an einen
diebischen Eichelhäher. Rudel- und Herdentiere haben es leichter.
Hirschkälber und Wolfswelpen verbringen im Schutz der Gruppe
ausgelassene Sommertage auf Waldspielplätzen mit vielfältigem
Activity-Angebot. Die jungen Wölfe werden häufig von älteren
Geschwistern betreut, die sich geduldig um deren Sozialisation
kümmern. Ein idyllischer Waldtümpel erweist sich als Wellnessoase für
eine Hirsch-Großfamilie, die sich intensivem Badevergnügen hingibt.
Selbst der Platzhirsch ist nicht zu stolz, sich wie ein Teenager im
Planschbecken auszutoben. Die Aufnahmen zeigen, wie närrisch und
unbekümmert sich Wildtiere verhalten können, wenn sie nicht gestört
werden.

Tappen sie in die fix montierten Videofallen, enthüllt sich auch
das Geheimnis der vielen kleinen unscheinbaren Pfade, die sich durchs
Dickicht schlängeln: Auf ihnen wechseln Maus, Marder, Wildschwein
oder Waschbär zwischen ihren Verstecken, Wasserstellen, Futterplätzen
oder Jagdrevieren hin und her. Meist bleiben die Pendler für sich,
aber frisch errichtete Biberdämme werden rasch zu Begegnungszonen und
umgefallene Bäume zu Brücken, wo es mitunter zu unliebsamen Treffen
mit Fressfeinden kommt. Langzeit-Überwachungskameras und Drohnenflüge
zeigen, wie mühsam die Jagd für Beutegreifer sein kann. Wölfe sind im
Schnitt nur bei einem von 20 Angriffen erfolgreich und ernähren sich
in Notzeiten gerne von reifen Beeren, was in diesem Ausmaß bisher
nicht bekannt war. Der Blick hinter die Kulissen macht so auch die
herausfordernden Seiten des „wilden“ Lebens deutlich – selbst, wenn
keine Störungen durch den Menschen vorliegen.

Der Streifzug durch die „Privatsphäre“ der tierischen
Nachbarschaft geht mit der Brunft der Hirsche zu Ende. Bevor die
Kameras abgeschaltet werden, enthüllt ein letzter Blick aus der
Vogelperspektive die verschlungenen Wege der Männchen, um in den
Schilfgürteln der Seen von Weibchen „erhört“ zu werden. Ein neuer
Jahreszyklus im verborgenen Alltagsleben der Wildtiere beginnt.