Wiener Architektur-Büro beim World Architecture Festival nominiert

Gmünd/Wien (OTS) – Baar-Baarenfels Architects wurde für sein
Hotelprojekt in grenznahen
Gmünd beim World Architecture Festival in Miami in zwei Kategorien
nominiert.

Baar-Baarenfels Architects haben durch eine umfassende
architektonische Intervention ein unscheinbares Bestandsgebäude nahe
der tschechischen Grenze in ein skulpturales Gesamtkunstwerk
verwandelt. Dieses Projekt wurde beim Word Architecture Festival (WAF
), das heuer in Miami stattfindet, in zwei Kategorien nominiert:
„Retrofit“ und „Bester Einsatz von Holz“.

„Die Nominierung zeichnet unsere Arbeit aus“, sagte Architekt
Johannes Baar-Baarenfels in einer ersten Reaktion, „denn wir
verstehen das Projekt in Gmünd nicht als bloße Modernisierung,
sondern als ganzheitliche Transformation – architektonisch,
energetisch und sozial“, sagt der Architekt.

Bestand bewahren, Emissionen vermeiden

Anstatt das Gebäude abzureißen und neu zu bauen, setzten er und
sein Team auf die Erhaltung der im Gebäude gespeicherten grauen
Energie. Die ursprüngliche Struktur mit ihrer auffälligen lachs- und
grünfarbenen Fassade grenzte abrupt an eine unberührte Waldlandschaft
mit See. Durch die Intervention entstand ein ausgewogenes Verhältnis
zwischen Architektur und Natur – „ästhetisch erneuert und ökologisch
verantwortlich“, sagt Baar-Baarenfels weiter.

Holzlamellen als gestalterisches Element

Horizontale Lamellen aus regionaler Lärche definieren das
Erscheinungsbild völlig neu: Die einstige starre Lochfassade
„verwandelt sich in eine rhythmische, dynamische Oberfläche mit
variierender Dichte und schließlich zu einer komplexen skulpturalen
Form. Der Einsatz von lokalem Holz und regionaler Handwerkskunst
minimiert transportbedingte Emissionen und schafft eine starke
visuelle Verbindung zur Landschaft. Kletterpflanzen zwischen Fassade
und Lamellenebene sorgen für natürliche Beschattung und erzeugen
kühlende Mikroklimata“, erklärt der Architekt.

Parametrisches Design trifft Kosteneffizienz

Eine Besonderheit des Projekts liegt in seinem innovativen
Planungsansatz: Mittels parametrischer Entwurfswerkzeuge wurden die
Projektkosten direkt mit der Dichte und Verteilung der Holzstruktur
verknüpft. „Dies ermöglichte große Kostensenkungen ohne
Qualitätsverlust. Der optimale „Sweet Spot“ zwischen
Wirtschaftlichkeit und architektonischer Integrität wurde digital
ermittelt“, sagt er.

Die digitale Fertigung, vom 3D-Modell bis zum Zuschnitt, erlaubte
eine effiziente Vorproduktion der präzise dimensionierten Elemente (
5,5 x 11 cm) und minimierte Materialabfälle. Die Montage verlief
einfacher und schneller als erwartet; die Fertigstellung erfolgte vor
dem Zeitplan.

Passive Solarnutzung und räumliche Qualität

Die abgedunkelte Fassade fungiert als passive Solarfläche: Im
Winter absorbiert sie Wärme, während die horizontalen Lamellen im
Sommer natürlichen Schatten spenden. Diese Strategie reduziert den
Energiebedarf in dem rauen Klima des Waldviertels erheblich.

Funktional bildet das mehrschichtige Fassadensystem eine
Pufferzone mit integrierten Balkonen und Loggien. „Die Zahl der Räume
mit Panoramablick auf See und Wald haben wir verdreifacht, während
die gekrümmte Ausformung des Eingangsflügels die ehemals zwei
getrennten Volumen nun zu einer kohärenten, skulpturalen Einheit
verbindet“, sagt Baar-Baarenfels.

Wissensaustausch als Mehrwert

Das Projekt steht exemplarisch für Wissensaustausch in der
Bauindustrie: Anfängliche Skepsis gegenüber der Komplexität wich der
Begeisterung für effiziente digitale Fertigungsmethoden. Der
Arbeitsablauf gilt nun als Modell für zukunftsfähige Produktionen und
ermöglicht regionalen Unternehmen, ihr Leistungsangebot zu erweitern.

„Das Ergebnis ist mehr als ein energieeffizientes Gebäude – es
ist eine multifunktionale, kontextsensible und architektonisch
ausdrucksstarke Struktur, die harmonisch mit ihrer natürlichen
Umgebung verschmilzt“, sagt der Architekt abschließend.

Über Baar-Baarenfels Architects:

Johannes Baar-Baarenfels ist ein österreichischer Architekt mit
Büros in Wien und New York.

2020 gewann das renommierte Architektenbüro mit seinem Projekt
„Residenz eines Erdöl-Ingenieurs” den European Property Award. Im
selben Jahr war ihr Projekt „Sofia Serdica” Highlight einer
Ausstellung im Shusev Architektur Museum in Moskau.

2013 wurde Baar-Baarenfels für seinen radikalen Umbau des Palais
Rasumofsky in Wien beim World Architecture Festival in Singapur in
der Kategorie „Neu und Alt” ausgezeichnet.

2010 war das Architektur-Büro beim World Architecture Festival in
Barcelona für den Sportalm-Flagship Store in Wien in der Kategorie
„Shopping” nominiert.