Wien (OTS) – Anlässlich des 7. Nationalen Aktionstags für pflegende
Angehörig e,
am 13. September 2025 , erinnert das Hilfswerk die Verantwortlichen
in Politik und Verwaltung an ihre Verpflichtungen gegenüber dem
größten Pflegedienst des Landes, den pflegenden Angehörigen: „Mehr
als die Hälfte der 500.000 Pflegegeldbezieherinnen und -bezieher in
Österreich werden ausschließlich von Angehörigen betreut“, sagt
Othmar Karas , Präsident des Hilfswerk Österreich . „ Ohne pflegende
Angehörige würde unser Pflegesystem umgehend kollabieren. Und
trotzdem machen wir ihnen unnötig das Leben schwer “, kritisiert
Karas.
Überbordende Bürokratie und zersplitterte Zuständigkeiten
Laut Hilfswerk wäre es dringend notwendig, Angehörige umfassender
zu begleiten, aber auch von Bürokratie zu entlasten. „ Ehe man es
nicht selbst erlebt hat, hat man keine Vorstellung davon, was für
eine Bürokratie mit der Pflegebedürftigkeit verbunden ist “, meint
Elisabeth Anselm , Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich . „Ich
frage mich manchmal wirklich, wie die Menschen es schaffen, das alles
neben der Betreuung zu regeln: Pflegegeldantrag und Begutachtung bei
der zuständigen Pensionsversicherung, Anforderung und Vereinbarung zu
mobilen Diensten wie Hauskrankenpflege und Heimhilfe mit dem Land und
mit dem Dienstleister, 24-Stunden-Betreuung mit einer Agentur und die
Förderung dazu mit dem Bund, Pflegehilfsmittel mit der zuständigen
Krankenversicherung und dem Bandagisten, Befunde, Rezepte und
Verordnungen mit Haus- und Fachärzten, und vieles mehr. Eine Fülle
von Wegen, Anträgen, Meldungen, Erledigungen, Abholungen sind zu
bewältigen“, schildert Anselm die Herausforderungen.
„ Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen den Menschen so
viel wie möglich ab, aber wir bräuchten viel mehr Zeit für die
pflegenden Angehörigen. Viele von ihnen brauchen außerdem auch
entlastende Gespräche und Hilfe bei der Orientierung, um im
Pflegealltag klarzukommen, der immer wieder Veränderungen mit sich
bringt “, so Anselm. Für die Begleitung und Entlastung von pflegenden
Angehörigen würde es laut Hilfswerk dringend mehr entsprechend
finanzierte Angebote brauchen .
Eingefahrene Pfade und mangelnde Flexibilität bei den
Unterstützungsangeboten
Hilfswerk-Präsident Karas appelliert an die Bundesländer, die
laut geltender Kompetenzverteilung für Unterstützungsangebote und
Pflegedienste zuständig sind: „Sorgen Sie dafür, dass pflegende
Angehörige wohnortnahe , unbürokratische , flexible und
erschwingliche Angebote vorfinden , damit ihr Engagement nicht zu
Vereinsamung, Burnout oder erheblichen finanziellen Einbußen führt!“
Pflegende Angehörige , die übrigens auch 2025 in überwältigender
Mehrheit Frauen sind, ermöglichen – teilweise unterstützt von mobilen
Pflegediensten oder 24-Stunden-Betreuungskräften – ihren
pflegebedürftigen Familienmitgliedern einen Lebensabend dort, wo ihn
vier Fünftel der Menschen in Österreich tatsächlich verbringen
wollen: zuhause in der gewohnten Lebensumgebung . Dabei gehen sie oft
an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Wenn sie als Töchter
oder Schwiegertöchter pflegen und noch berufstätig sind, leiden sie
an Doppelbelastungen , teilweise schrauben sie ihre Berufstätigkeit
zurück oder scheiden komplett aus dem Beruf aus und nehmen erhebliche
Einkommenseinbußen hin. Wenn sie als Ehe- und Lebenspartner bzw. –
partnerinnen pflegen, sind sie meist selbst schon älter und haben mit
alters- und krankheitsbedingten Einschränkungen zu kämpfen. Nicht
wenige fühlen sich isoliert und einsam. „Das müsste nicht sein“, ist
Hilfswerk-Präsident Karas überzeugt.
„ Wir brauchen mehr Spielraum, um individuell angepasste
Unterstützungspakete zu schnüren “, erläutert Karas. „Jemand, der
einen demenziell beeinträchtigten Angehörigen betreut, braucht völlig
andere Angebote als jemand, der für die Betreuung eines bettlägerigen
Menschen verantwortlich ist. Wir müssen flexibler denken und handeln.
Wir müssen herauskommen aus den eingefahrenen Pfaden und
eingerosteten Finanzierungskatalogen. Wer allen mit denselben Mitteln
helfen will, hilft am Schluss niemandem wirklich. Pflegende
Angehörige brauchen ‚echte‘ Unterstützung! Sie haben es sich
verdient, dass wir genauer hinsehen, was sie brauchen, und
finanzieren, was dringend benötigt wird. Schließlich heftet sich die
Politik in Bund und Ländern regelmäßig den Grundsatz ‚mobil vor
stationär‘ auf die Fahnen – nicht nur, weil die Menschen sich ein
Altern zu Hause wünschen, sondern auch weil es volkswirtschaftlich
sinnvoll ist. In diesem Fall dürfen wir die Rechnung aber nicht ohne
pflegende Angehörige machen “, so der Hilfswerk-Präsident
abschließend.
Über das Hilfswerk Österreich
Das Hilfswerk Österreich ist mit seinen Landes- und Teilverbänden
einer der größten gemeinnützigen Anbieter gesundheitlicher, sozialer
und familiärer Dienste in Österreich. Als Arbeitgeber von rund 7.000
Pflegefachkräften und Betreuungskräften pflegt und betreut das
Hilfswerk laufend mehr als 31.000 ältere und chronisch kranke
Menschen. Damit ist das Hilfswerk in Österreich die Nr. 1 in der
Pflege zu Hause. Zudem ist das Hilfswerk als Träger stationärer
Einrichtungen für zwanzig Seniorenpensionen/-heime, 21 geriatrische
Tages(struktur)zentren sowie 82 Einrichtungen des Betreuten Wohnens
zuständig.
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