Wien (OTS) – Beim achten Get-together der Zeitschrift für
Wirtschafts- und
Finanzstrafrecht (ZWF) letzten Mittwochabend diskutierten
Expert:innen aus Justiz, Wirtschaft und Wissenschaft im Prunksaal bei
LeitnerLeitner am Schwarzenbergplatz über die Frage, wie
organisierter Cyberkriminalität wirksam begegnet werden kann.
Gastgeber waren Linde Verlag, LeitnerLeitner, LeitnerLaw und wkk law.
Zwtl.: Cybercrime wächst rasant
Nach einleitenden Worten von ZWF-Mitherausgeber Mag. Mario
Schmieder (LeitnerLaw) und Mag. Katharina Hausegger (Linde Verlag),
die die weiter zunehmende Bedrohung von Cyberkriminalität für
Gesellschaft, Wirtschaft und Rechtsstaat hervorhoben, eröffnete Dr.
Lukas Staffler, LL.M. (Universität Zürich) den Abend mit einem
lebendigen Impulsvortrag.
Er zeigte auf, dass Cybercrime der am schnellsten wachsende
Bereich der Kriminalstatistik in Österreich ist: 2023 wurden 65.864
Anzeigen eingebracht – mehr als doppelt so viele als noch 2019. [1]
Neben klassischen Angriffsarten wie Ransomware gewinnen neue
Erscheinungsformen wie „Pig-Butchering“-Scams, Romance-Betrug und die
professionalisierte Sextortion zunehmend an Bedeutung. „ Cybercrime
ist längst kein Phänomen einzelner Täter mehr, sondern ein global
vernetztes Digitalkartell mit klaren Rollen und hohen Profiten “, so
Staffler. Das vielzitierte Bild vom einsamen Hoodie-Hacker im Keller
sei längst überholt.
Zwtl.: Lernen aus dem Conti-Leak – und die Folgen für Strafverfolgung
und Rechtspraxis
Wie solche Strukturen funktionieren, demonstrieren die „Conti-
Leaks“: [2] Ransomware-Gruppen agieren arbeitsteilig wie Unternehmen,
mit klarer Führung, Entwicklerteams und sogar Bonusmodellen. Welche
Lehren daraus für die Strafverfolgung zu ziehen sind, diskutierte
anschließend die Expert:innenrunde moderiert von ZWF-Mitherausgeberin
und leitender Staatsanwältin Mag. Carmen Prior (BMJ).
Dabei wurde deutlich, dass Cybercrime die Strafverfolgung an ihre
Grenzen bringt. Lt. Ing. Martin Grasel (BKA, Cybercrime Competence
Center) betonte, dass das enorme Deliktsvolumen nur mit international
abgestimmten Ermittlungen zu bewältigen sei. Er plädierte für
spezialisierte Staatsanwaltschaften nach Vorbild anderer EU-Staaten,
deren Verfahren eine spürbar abschreckende Wirkung entfalten können.
Mag. Christian Pawle (Leiter der Staatsanwaltschaft St. Pölten)
verwies auf die praktischen Hürden: Finanzierung, Zuständigkeiten und
organisatorische Gliederung machten die Einrichtung solcher
Sonderstaatsanwaltschaften schwierig.
Aus der anwaltlichen Praxis schilderte Mag. Claudia Brewi (
Paulitsch Law), dass Betroffene von Love-Scams oder Sextortion oft
aus Scham zögern, Anzeige zu erstatten. Umso wichtiger seien
geschulte Ansprechpartner:innen in Polizei und Justiz, die Vertrauen
schaffen.
Zwtl.: Fazit
Die angeregte Diskussion am Podium und mit dem Publikum
verdeutlichte, dass mehr Ressourcen notwendig sowie eine
Spezialisierung in der Bekämpfung und Aufklärung von
Cyberkriminalität entscheidend sind. Zudem brauche es eine engere
internationale Kooperation. „ Cybercrime ist kein Nischenthema,
sondern betrifft uns alle. Wirksame Antworten erfordern
Zusammenarbeit, Sensibilisierung und international koordinierte
Strategien “, resümierte Moderatorin Prior.
Zwtl.: ZWF – kritisches Forum am Puls der Zeit
Das Netzwerktreffen verdeutlichte, dass Cyberkriminalität zu den
größten Herausforderungen für Gesellschaft, Unternehmen und den
Rechtsstaat zählt. Die ZWF bleibt damit ihrem Anspruch treu, ein
Forum für praxisnahen Austausch zu schaffen, neue Fragen kritisch zu
diskutieren und Impulse für Gesetzgebung, Justiz und Wirtschaft zu
setzen.
Die ZWF blickt nach diesem erfolgreichen Abend motiviert in die
Zukunft – viele weitere spannende Diskussionen und Hefte inklusive.
Mehr unter: https://shop.lindeverlag.at/zeitschrift/zwf-17
[1] BMI, Cybercrime – Kriminalitätsentwicklung 2011 bis 2023 (
Stand April 2024) abrufbar unter
https://www.onlinesicherheit.gv.at/Services/Cybermonitor/Cybercrime.-
html (Zugriff am 15.9.2025).
[2] Center for Internet Security, The Conti Leaks: A Case of
Cybercrime’s Commercialization (2022) abrufbar unter
https://www.cisecurity.org/insights/blog/the-conti-leaks-a-case-of-
cybercrimes-commercialization (Zugriff am 15.9.).