VGT dokumentiert Walfang in Island: 51. Finnwal getötet, Whale Watching behindert

Wien (OTS) – In Island fährt nur noch die Firma „Hvalur“ (isländisch
für „Wal“)
mit 2 Booten (Hvalur 8 und 9) aus dem Fjord Hvalfjörður 60 km
nordwestlich von der Hauptstadt Reykjavik aus, um Finn- und Zwergwale
zu töten. Die Lizenz für 2026 liefert 150 Finnwale und 168 Zwergwale
ihren Killern aus. Der Finnwal ist mit 27 m Länge und 80 Tonnen
Gewicht das zweitgrößte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat.
Sein Hirn ist 5x so groß wie das des Menschen, sein Herz wiegt bei 2
m Durchmesser bis zu 130 kg und er erreicht ein Alter von fast 100
Jahren. Dieses gewaltige Tier wird von den Walfangbooten aus mit
Harpunen beschossen. Manchmal braucht es bis zu 4 Schüsse und 30
Minuten, um die Tiere letztlich zu töten. Der VGT hat jetzt die
Anlandung eines Finnwals durch die Hvalur 8 dokumentiert. Das Tier
wurde mit einer Seilwinde vom Schiff zum Ufer gezogen und mit einem
Kran auf eine Rampe gehievt. Dort schnitten zahlreiche Arbeiter unter
freiem Himmel den Wal auf und zerteilten ihn. Anschließend wurde
seine Fettschicht zu Tran verkocht, was einen Gestank verursacht hat,
der in der gesamten Umgebung zu schwerem Brechreiz führt.

Video von der Walfängerbucht: Grausamer Walfang

Der Walfang ist auch in Island sehr umstritten. Mittlerweile ist
die Mehrheit der Einwohner:innen dagegen. Die Ausrede, es handle sich
um eine wichtige Tradition, ist absurd: fast niemand in Island isst
Walfleisch, die letzte Walfangfirma beschäftigt nur eine geringe
Anzahl von Menschen und die Regierung hat für den Herbst ein Verbot
angekündigt. Auch von Tierschutzseite gibt es Proteste. So wurde
nicht nur eine Demo mit etwa 80 Einheimischen vor Ort abgehalten.
1000 Whales , lokale Tierschützer:innen, dokumentieren auch jeden
Fang, weshalb ein Elektrozaun mit Betretungs- und Drohnenverbot um
den nächsten Hügel gelegt wurde, von dem man aus die Walfangstation
gut überblicken konnte. Und Ende Juli versuchte die Captain Paul
Watson Foundation , eines der Walfangboote zu behindern. Die Polizei,
die mit einem großen Küstenwachschiff samt Helikopter und Motorboot
immer in der Nähe ist, besetzte und beschlagnahmte daraufhin das
Tierschutzboot, verhaftete 21 Tierschützer:innen und verwies sie
letztlich des Landes. Das Boot ist noch immer beschlagnahmt und 2
Crewmitglieder weiterhin in Haft. Im November 1986 ist die gesamte
damalige Walfangflotte, bestehend aus den Schiffen Hvalur 6 und 7,
von einem Tierschützer im Hafen in Reykjavik versenkt worden. Heute
stehen die beiden Wracks direkt neben der Walfangstation und sind
eine Touristenattraktion, die sogar im Reiseführer beworben wird.

Die Kritik am Walfang ist vielschichtig. Da geht es nicht nur um
die Qual bei der Tötung selbst. Der Finnwal ist im Bestand bedroht
und eine Tierart, die nachweislich kulturfähig ist. So werden sowohl
die Gesänge, als auch das Jagdverhalten und die Migrationsrouten in
verschiedenen Populationen verschieden tradiert. Darüber hinaus sind
das Walfleisch und der Tran praktisch unverkäuflich, selbst Japan hat
nun den Import aus Island eingestellt. Doch die größte Kritik kommt
von den Anbietern von Whale Watching-Fahrten. Insbesondere jene in
Reykjavik sind vom Walfang betroffen. Zwar gilt eine Zone um Buchten
vor der Hauptstadt, in der Wale nicht gejagt werden dürfen, aber die
Bejagung außerhalb vermindert die Chancen, Wale zu sehen. Die Tiere
werden scheuer, flüchten vor Schiffen und meiden die Gewässer. Mit
Whale Watching wird aber wesentlich mehr Geld verdient, als mit dem
Walfang. Island ist ein Tourismusland.

VGT-Obmann DDr. Martin Balluch war dabei: „Ich war auf einer
Whale Watching-Tour von Reykjavik aus und wir haben in den drei
Stunden keinen einzigen Wal gesehen. Die Veranstalter haben das auf
den Walfang zurück geführt. Wenn man Ꞓ 170 völlig umsonst bezahlt,
ist das schon ärgerlich. Auf diese Weise vertreibt der Walfang die
Tourist:innen. An der Walfangstation konnten wir die Anlandung eines
Finnwals dokumentieren und sind dabei von 6 Angestellten sehr
aggressiv bedroht worden. Es war furchtbar, dieses riesige Tier zu
sehen, das so respektlos und brutal behandelt wird. Und der Gestank,
der bei der Tranherstellung entsteht, ist derart unfassbar
grauenhaft, dass es nicht in Worte zu fassen ist. Der Walfang ist ein
Anachronismus, der jetzt beendet werden muss.“

Pressefotos (Copyright: VGT.at)