Tischlerei-Areal in Melk wird klimaneutrales Vorzeigequartier

Wien (OTS) – Getischlert wird in der „Tischlerei Melk“ schon länger
nicht mehr –
gebaut dafür umso mehr: Konkret am weltweit ersten New-European-
Bauhaus-Quartier im ländlichen Raum. Das ehemalige Tischlerei-Gelände
wird derzeit umfassend revitalisiert und im Rahmen des Programms
„Leuchttürme der Wärmewende 2024“ vom Klima- und Energiefonds mit 4,2
Millionen Euro, dotiert aus Mitteln des Umwelt- und Klimaministeriums
(BMLUK) und des Innovations- und Infrastrukturministeriums (BMIMI),
gefördert. Das Förderprojekt soll als klimaneutrales und skalierbares
Vorzeigequartier, das sich an den Grundprinzipien des New European
Bauhaus (NEB) orientiert, neue Maßstäbe in der nachhaltigen
Stadtentwicklung im ländlichen Raum setzen. Derzeit ist die
Tischlerei Melk Gastgeber des New European Bauhaus (NEB)-Symposiums
„Transformation hat Bestand“.

Das Quartier in Melk soll eines der weltweit ersten New-European-
Bauhaus-Quartiere im ländlichen Raum werden. Es wurde bereits
mehrfach ausgezeichnet (klimaaktiv, NEB-Compass, NEBKrit) und punktet
mit zahlreichen innovativen Umsetzungen: eine energieeffiziente
Wärmeversorgung, ein neu entwickeltes Dreifach-Wärmepumpensystem, ein
flexibles Energiemanagement für Strom und Wärme und umfassende
ökologische Optimierungen wie Wasserspeicherung, Prinzipien der
Kreislaufwirtschaft und Verbesserung des Mikroklimas. Das Projekt
verbindet so hochwertigen Wohn- und Lebensraum mit Büroflächen,
Gastronomie sowie Kunst- und Kulturräumen. Außerdem orientiert es
sich an den drei Grundwerten der Initiative Neues Europäisches
Bauhaus (NEB): Ästhetik, Nachhaltigkeit und Inklusion. Tischlerei-
Eigentümer und Projektinitiator Lukas Fürst : „Wir transformieren
eine alte Tischlerei in ein neues vorbildhaftes Stadtquartier. So
gestalten wir gemeinsam ein klimaneutrales Quartier und somit eine
lebendige Zukunft des ländlichen Raums.“

Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig : „Bei der Umsetzung
des New European Bauhaus sind wir ein zentraler Partner und damit
auch ein aktiver Umsetzer des European Green Deal. Das Projekt in
Melk zeigt als erstes NEB-Quartier im ländlichen Raum, wie auch
ländliche Regionen zu Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit werden
können.“

Innovations- und Infrastrukturminister Peter Hanke : „Der
Gebäudesektor ist einer der größten Hebel für Klimaschutz und
Ressourcenschonung. Mit nationalen Initiativen wie den Technologien
und Innovationen für die klimaneutrale Stadt fördern wir gezielt
Forschung und Umsetzung in Österreich. Gleichzeitig bringt das Neue
Europäische Bauhaus auf EU-Ebene Nachhaltigkeit, Baukultur und
soziale Verantwortung zusammen. Beide Initiativen greifen ineinander
und zeigen, wie Europa und Österreich gemeinsam Zukunft gestalten.“

Zwtl.: Klima- und Energiefonds begleitet Leuchtturmprojekt umfassend

Der Klima- und Energiefonds begleitet das Projekt seit der
Konzeptphase. Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung derartig
großer Projekte ist ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept, das im
Rahmen der „Green Finance“-Initiative des Fonds gefördert wurde. Hier
zeigten die Initiatoren, dass Immobilienentwicklung über mehrere
Generationen hinweg und mit Blick auf die Zukunft funktionieren kann.

Auf Basis dieses Konzeptes wurde das Projekt dann im Rahmen des
Forschungsprogrammes „TIKS – Technologien und Innovationen für die
klimaneutrale Stadt“ weiterentwickelt. Klima- und Energiefonds-
Geschäftsführer Bernd Vogl : „Wir fördern Projekte, die zur
Klimaneutralität und zur Klimawandelanpassung beitragen und auch
baukulturell ansprechend und wertvoll sind. Was beim Projekt
‚Tischlerei Melk‘ deutlich wird, ist, dass die Kombination von
Umsetzungsprojekt und Forschungsbegleitung erfolgreich funktioniert
und dabei hilft, innovative Technologien in die Breite zu bringen und
Österreich international sichtbar zu machen.“

Die Grundideen des NEB sind seit Jahren in den Stadt- und
Regionalförderprogrammen des Klima- und Energiefonds verankert. Sie
fördern eine nachhaltige und sozial gerechte (Weiter-)Entwicklung von
Gebäuden und Quartieren, stärken die lokale Baukultur, schonen
Ressourcen, bringen Forschung in die Praxis und schaffen
Lernumgebungen.

Zwtl.: Weitere Projekte zum Thema Stadt- und Quartiersentwicklung

Der Klima- und Energiefonds unterstützt mit seinen Programmen
seit 2010 klimafreundliche, energieeffiziente und zukunftsfähige
Stadt- und Quartiersentwicklung. Die folgenden Projekte zeigen, wie
Baukultur gefördert und ressourcenschonende, klimaresiliente
Quartierslösungen in die Praxis umgesetzt werden bzw. wurden:

ZECARE (Salzburg)

Die 1985 errichtete Wohnsiedlung in der Friedrich-Inhauser-Straße
wurde durch eine zweigeschoßige Aufstockung von 79 auf 99
Wohneinheiten nachverdichtet und wird nun zu 100 % mit erneuerbarer
Energie versorgt. 75 % der Wärme stammen aus Wärmepumpen mit Abwasser
-Wärmerückgewinnung, 20 % des Gesamtstrombedarfs deckt die PV-Anlage
am Dach. Innovative Baustoffe wie Zellulose, neue Freiraumgestaltung
und ein modernes Mobilitätskonzept erhöhen die Wohnqualität deutlich
– bei gleichzeitig gesenkten Mieten.
ZECARE III – Klima- und Energiefonds

FroschBERG2.0 Demo (Linz)

Das Projekt Froschberg 2.0 zeigt, wie bestehende
Arbeitersiedlungen in nachhaltige, zukunftsfähige Quartiere
verwandelt werden können. Die rund 430 Wohneinheiten aus den 1940er
Jahren werden energetisch optimiert, barrierefrei erschlossen und
durch Aufstockungen sowie ergänzende Punkthäuser erweitert. Mit der
thermischen Sanierung wird der Energieverbrauch erheblich gesenkt.
Das Projekt vereint Klimaschutz, soziale Verantwortung und
städtebauliche Erneuerung und dient als Modell für nachhaltige
Quartiersentwicklung im Bestand.
FROSCHBERG 2.0 – Bestandsquartier(e) Erneuerbar und Replizierbar
Gestalten – Klimaneutrale Stadt bzw. FROSCHBERG 2.0 Linz –
wohnbund:consult

Niklas goes Nature (Wien)

Das Projekt zeigt, wie geförderter Wohnbau vollständig auf
ökologische Materialien umgestellt werden kann. Holzkonstruktion,
Strohdämmung und Lehmputz (teilweise direkt aus dem Aushub gewonnen)
sorgen für ein klimaregulierendes und gesundes Wohnumfeld. Die
Konstruktion bindet mehr CO₂ als beim Bau entsteht und beweist, dass
nachhaltige Baustoffe auch im urbanen, mehrgeschossigen Wohnbau
technisch und wirtschaftlich umsetzbar sind. Präzise Vorfertigung und
ein partizipativer Ansatz machen das Projekt zu einem skalierbaren
Modell für künftige ökologische Wohnbauinitiativen.
Niklas Goes Nature – Klima- und Energiefonds

ZuZugLeben (St. Pölten)

Die über 100 Jahre alten Eisenbahnerhöfe in St. Pölten werden
umfassend modernisiert, um die besonderen Bedürfnisse von
Schichtarbeitenden zu berücksichtigen. Technisch setzt das Projekt
auf effektive Kühlung, Verdunkelungssysteme und Schallschutz. Die
Bewohner:innen werden aktiv eingebunden, um gemeinschaftliche
Flächen, Mobilitätsangebote und Nachbarschaftsdienste zu gestalten.
Das Pilotprojekt steht exemplarisch für klimaresiliente Sanierung,
soziale Teilhabe und leistbaren Wohnraum und fungiert als Modell für
rund 6.000 weitere Einheiten im Eigentum der ÖBB.
ZuZugLeben – Klima- und Energiefonds

Weitere Informationen:

Website des Quartiers

Folgewirkung-Podcast #17 zum Neuen Europäischen Bauhaus

energy innovation austria, Ausgabe 2/2025 – Nachhaltig,
baukulturell wertvoll und gemeinschaftlich Bauen, „New European
Bauhaus“-Aktivitäten in Österreich

Symposiums-Programm am 11.12.2025

New European Bauhaus (NEB)

NEB-Tischlerei-Melk – Entwicklung eines ehemaligen Tischlerei-
Areals zu einem multiplizierbaren europäischen Leuchtturm-NEB-
Quartier – Klimaneutrale Stadt