Wien (OTS) – Die Debatte rund um die Umsetzung der EU-Richtlinie zu
Lohntransparenz nimmt immer groteskere Züge an. Für ÖGB-
Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger sind die jüngsten Warnungen
aus der Wirtschaft vor angeblichen Standortschließungen nichts
anderes als „durchsichtige Panikmache“.
„Wenn Unternehmen behaupten, sie müssten wegen mehr Transparenz
bei Gehältern zusperren, dann läuft dort offensichtlich schon vorher
etwas falsch. Faire und nachvollziehbare Bezahlung ist kein Angriff
auf die Wirtschaft, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein“,
sagt Kickinger.
Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz müsse endlich ernsthaft
umgesetzt werden, statt ständig neue Schreckgespenster aufzubauen.
„Es wird so getan, als würde Transparenz Betriebe zerstören. Dabei
gibt es längst Unternehmen – auch in Österreich –, die mit Einkommen
transparent umgehen und erfolgreich wirtschaften. Niemand sperrt
wegen Fairness zu“, steht für die ÖGB-Bundesfrauensekretärin außer
Zweifel.
Besonders irritierend sei, dass gleiche und nachvollziehbare
Bezahlung teilweise als „Neiddebatte“ oder gar „Klassenkampf“
dargestellt werde. „Wer Beschäftigte gegeneinander ausspielen will,
weil sie erfahren könnten, wer wie bezahlt wird, sollte sich
vielleicht eher fragen, warum diese Unterschiede überhaupt
existieren“, so die Gewerkschafterin.
Für Kickinger ist klar: Die eigentliche Angst mancher Unternehmen
sei nicht Bürokratie, sondern dass ungerechte Gehaltsstrukturen
sichtbar werden könnten. „Lohntransparenz bringt nicht Chaos, sondern
Fairness. Wer fair bezahlt, hat davor auch nichts zu befürchten“,
schließt die ÖGB-Bundesfrauensekretärin.
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein. www.oegb.at