ÖGB-Kemperle: Ab 9. August gibt es für Frauen rechnerisch keine Pension mehr

Wien (OTS) – Am 9. August erinnert der Equal Pension Day daran, dass
Frauen in
Österreich noch immer durchschnittlich mehr als 40 Prozent weniger
Pension erhalten als Männer. Für die Vorsitzende der ÖGB
Pensionist:innen, Monika Kemperle, ist klar: Die Pensionslücke ist
kein individuelles Schicksal, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger
Benachteiligung.

„Wenn eine Frau ein Leben lang arbeitet, Kinder erzieht,
Angehörige pflegt und trotzdem mit einer deutlich niedrigeren Pension
als ein Mann auskommen muss, dann ist das kein persönliches Versagen,
sondern ein gesellschaftliches”, stellt die Gewerkschafterin klar.
Die Pensionslücke ist das Ergebnis eines Arbeitsmarktes, der Frauen
bis heute benachteiligt. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen
endlich die Rahmenbedingungen schaffen, damit Frauen die gleichen
Chancen auf ein existenzsicherndes Erwerbsleben und eine faire
Pension haben“, fordert Kemperle.

Die Ursachen der Pensionslücke liegen lange vor der Pension

Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-
Arbeit. Gleichzeitig fehlen ausreichend Kinderbetreuungsplätze, viele
typische Frauenberufe werden schlechter bezahlt und zahlreiche Frauen
arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil Kinderbetreuungsplätze
fehlen. Dazu kommt, dass ältere Arbeitnehmerinnen häufig aus dem
Erwerbsleben gedrängt werden oder keine alters- und alternsgerechten
Arbeitsplätze mehr finden.

„Die Pensionslücke entsteht nicht erst im Alter. Sie wächst über
das gesamte Erwerbsleben hinweg, durch ungleiche Chancen, geringere
Einkommen und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit. Solange diese
strukturellen Ungleichheiten bestehen, bleibt Altersarmut für viele
Frauen Realität“, so Kemperle.

Länger arbeiten schließt die Pensionslücke nicht

Forderungen, nach denen Frauen die Pensionslücke durch längeres
Arbeiten oder private Vorsorge selbst schließen sollten, weist
Kemperle aufs Schärfste zurück: „Frauen zu mehr privater
Pensionsvorsorge oder einem längeren Arbeitsleben zu raten, solange
die strukturellen Ursachen der Pensionslücke bestehen, ist zynisch
und respektlos.”

Fehlende Kinderbetreuung, unbezahlte Pflegearbeit und die
schlechteren Chancen älterer Frauen am Arbeitsmarkt seien kein
individuelles Versagen, sondern ein politisches und
gesellschaftliches Problem, das auf dem Rücken der Frauen ausgetragen
wird: „Damit Frauen im Alter von ihrer Pension leben können, müssen
die Ursachen der Pensionslücke konsequent bekämpft und nicht den
einzelnen Frauen angelastet werden.”

Acht Hebel gegen den Pension Gap

Um die Pensionslücke nachhaltig zu schließen, fordert der ÖGB:

– eine Kinderbetreuungsgarantie mit flächendeckenden, kostenlosen und
ganztägigen Betreuungsangeboten,

– eine Pflege-Offensive mit besserer Infrastruktur und mehr Personal,

– Aufwertung typischer Frauenberufe,

– einen Rechtsanspruch auf Vollzeit statt erzwungener Teilzeit,

– eine gerechte Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit,

– die rasche Umsetzung der EU-Richtlinie für mehr Lohntransparenz,

– eine bessere Bewertung von Kindererziehungszeiten in der
Pensionsversicherung sowie

– den konsequenten Schutz des öffentlichen Pensionssystems.

„Wer die Pensionslücke schließen will, muss ihre Ursachen
bekämpfen. Faire Pensionen gibt es nur mit gleichen Chancen im
Berufsleben. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Anerkennung
für die jahrzehntelange Arbeit von Frauen“, betont Monika Kemperle.

Über uns:

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich und setzt sich als
überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen,
faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.