Wien (OTS) – In „Vom Paradies in die Hölle – Schwarze Menschen im
Nationalsozialismus“ erzählt „Universum History“ erstmals die
außergewöhnliche Überlebensgeschichte des Lionel Romney, eines afro-
karibischen Seemanns, der 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen
deportiert wurde. Jahrzehnte nach dem Krieg vertraut er seine
Erlebnisse seiner Tochter Mary an. Deren Spurensuche – von der
Karibik über Italien bis nach Österreich – spannt den dramaturgischen
Bogen der „Universum History“-Neuproduktion, die am Freitag, dem 6.
Februar 2026, im Rahmen des Programmschwerpunkts zum Internationalen
Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (Details unter tv.ORF.at
abrufbar) um 22.35 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON TV-Premiere feiert. Im
Rahmen der Dokumentation nimmt Mary das Publikum mit in eine Zeit,
die geprägt ist von Rassenwahn, Willkür und den langen Schatten des
Kolonialismus. Begleitet von österreichischen, deutschen,
französischen und US-amerikanischen Expertinnen und Experten wird
dieses bislang kaum aufgearbeitete Kapitel erstmals umfassend
beleuchtet.
Realisiert wurde die Dokumentation als Koproduktion von DOTS &
CIRCLES GmbH, ORF und BR/ARTE, in Zusammenarbeit mit ORF-Enterprise,
mit Unterstützung von Fernsehfonds Austria und Land Salzburg,
entwickelt im Rahmen von Documentary Campus Masterschool.
Mary L. Romney-Schaab, Tochter von Lionel Romney und Autorin des
Buches „An Afro-Caribbean in the Nazi Era“:
„Durch die Geschichte meines Vaters habe ich auch die Zeit des
Zweiten Weltkriegs und des Nazi-Regimes besser verstanden. Dass nun
ein österreichisches Filmteam seine Geschichte aufgearbeitet hat, ist
von großer Bedeutung für mich, und ich bin stolz darauf, Teil dieses
Projekts zu sein.“
Stefanie Daubek, Produzentin und Co-Regisseurin:
„Seit 2018 beschäftige ich mich intensiv mit dieser Geschichte.
In dieser Zeit ist eine enge Verbindung zu Mary Romney entstanden,
deren Vertrauen und Offenheit dieses Projekt erst möglich gemacht
haben. ‚Vom Paradies in die Hölle‘ ist mein absolutes Herzensprojekt
– ein Film, der vergessenen Stimmen Gehör verschafft und unsere
Erinnerungskultur erweitert.“
Jermain Raffington, Co-Regisseur:
„Als Afro-Deutscher ist dieses Projekt für mich persönlich. Es
erzählt nicht nur eine verdrängte Geschichte, sondern macht sichtbar,
dass Schwarze Menschen Teil der deutschen und europäischen
Vergangenheit sind – auch in ihren dunkelsten Kapiteln. Dieser Film
ist Erinnerung, Aufklärung und ein Aufruf zugleich, Rassismus in der
Gegenwart nicht zu ignorieren.“
Caroline Haidacher, Sendungsverantwortliche „Universum History“:
„Die Geschichte Schwarzer Menschen ist österreichische
Geschichte. Sie aufzuarbeiten, ist ein wichtiger Teil der
Erinnerungskultur. Mit dieser Produktion trägt ‚Universum History‘
ein weiteres Mal dazu bei, ein bislang kaum erzähltes Kapitel
europäischer Geschichte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.“
Gerald Heidegger, Ressortleiter Zeitgeschichte/Zeitgeschehen für
die Hauptabteilung ORF Wissen:
„Diese Dokumentation beleuchtet einen blinden Fleck in der
Betrachtung der Geschichte der Holocaust-Opfer. Schwarze Menschen
sind darin nicht vorgekommen. In einer beispielhaften Aufarbeitung
zeigt ‚Vom Paradies in die Hölle‘, wie sehr die Arbeit der
Wissenschaft in einer Fallgeschichte münden kann, die als
Dokumentation eine ergreifende Geschichte präsentiert, die
unterschiedliche Generationen an die Auseinandersetzung mit diesem
Thema binden kann. Beispielhaft sind auch die Gestaltungsmittel, die
in dieser Dokumentation eingesetzt werden. Diese ‚Universum Histroy‘-
Produktion ist ein wichtiger Anstoß in einer breiten Kultur des
Gedenkens, die auch bisher marginalisierte Gruppen ins Licht der
historischen Betrachtung stellt.“
Mehr zum Inhalt der „Universum History“-Neuproduktion
Lionel Romney, 1912 in Santo Domingo geboren, wächst in Sint
Maarten in der Karibik auf. Als junger Mann heuert er voller
Tatendrang und Abenteuerlust auf einem Frachtschiff an und verlässt
seine Heimat. Doch der Traum von Freiheit wird für Lionel zur
tragischen Odyssee: Sein Frachter gerät in die Wirren des Zweiten
Weltkriegs, wird im Mittelmeer beschossen und geht unter. Die
Besatzung wird zwar gerettet, Lionel landet aber in italienischer
Gefangenschaft. Es folgen Jahre der Internierung in italienischen
Lagern und schließlich die Deportation ins KZ Mauthausen, wo er nach
elf Monaten Haft die Befreiung miterlebt. Erst 40 Jahre später
vertraut er seiner Tochter Mary seine Geschichte an.
Archivmaterial, Interviews und fiktionale Szenen, die im
Salzburger Take2Studio entstanden sind, verweben sich zu einem
vielschichtigen Erzählfluss. Reduzierte, symbolhafte Bühnenbilder,
choreografiertes Licht und 2D-Animationen eröffnen eine visuelle
Ebene, die die Vergangenheit neu erfahrbar macht. Hinter dem Projekt
steht ein internationales Team unter der Co-Regie von Stefanie Daubek
und Jermain Raffington. Daubek bringt ihre langjährige Erfahrung als
Produzentin und Regisseurin von Dokumentationen ein, während
Raffington als afro-deutscher Journalist und Filmemacher seine
Expertise in der Aufarbeitung Schwarzer Lebensrealitäten in
Deutschland beiträgt.
Nähere Informationen zur Dokumentation „Vom Paradies in die Hölle
– Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“ sind unter presse.ORF.at
abrufbar.