Wien (OTS) – Nachdem die Gewerkschaft vida wiederholt auf Missstände
in der
Hotellerie und Gastronomie hingewiesen hat, ist nun ein weiterer
angeblicher „Einzelfall“ bekannt geworden. Wie am Sonntag berichtet
wurde, deckte die Finanzpolizei einen Fall von Menschenhandel an zehn
Brasilianer:innen in einem Hotel im Tiroler Bezirk Landeck auf. Die
Betroffenen wurden gezielt in ihrer Heimat angeworben und in
Österreich für Vollzeitarbeit deutlich unter Kollektivvertrag
entlohnt.
Nach dem Auffliegen der illegalen Beschäftigung mussten alle
betroffenen Arbeitnehmer:innen wieder nach Brasilien zurückkehren.
Ihr Zugang zum Arbeitsmarkt war – ähnlich wie bei regulär
Beschäftigten über die Rot-Weiß-Rot-Card – an den jeweiligen
Arbeitgeber gebunden. „Eine solche Konstruktion schafft
Abhängigkeiten und begünstigt Ausbeutung“, verweist vida-
Tourismussprecherin Eva Eberhart auf einen Kritikpunkt gegen das
Anwerben von Arbeitskräften aus Drittstaaten, den die Gewerkschaft
immer wieder in die Diskussion um die Rot-Weiß-Rot-Karte eingebracht
hat.
„Menschen zweiter Klasse“: Scharfe Kritik von vida
Die vida-Gewerkschafterin zeigt sich entrüstet über die
Vorgehensweise der Hotelbetreiber: „Offenbar ist in der
Tourismusbranche die Hemmschwelle für derart menschenverachtende
Straftaten auf einen neuen Tiefstand gesunken. Beschäftigte werden
nicht auf Augenhöhe behandelt, sondern wie Menschen zweiter Klasse,
die man für einen Hungerlohn ausnützen kann.“ Deutliche Worte findet
Eberhart auch zur Einordnung des Falls: „Was in Tirol passiert ist,
ist furchtbar. Aber ich muss auch sagen: Es überrascht mich nicht
mehr.“
Schaden für Beschäftigte und Allgemeinheit
Neben den massiven persönlichen Folgen für die Betroffenen
entstand auch ein erheblicher Schaden für die Allgemeinheit. Durch
vorenthaltene Steuern und Sozialabgaben entgingen dem Staat wichtige
Einnahmen. „Wenn immer wieder Fälle von Steuer- und Abgabenbetrug
bekannt werden und uns gleichzeitig regelmäßig von unterirdischen
Arbeitsbedingungen berichtet wird, stellt sich die Frage, wie es im
Hotel- und Gastgewerbe insgesamt um die Moral steht“, so Eberhart.
„Wie hält man es als Touristiker mit einem Sozialstaat, der auf
Solidarität basiert? Und wie viel ist ein Mensch wert – abzüglich
seiner Arbeitskraft?“
Trotz ihrer scharfen Kritik bleibt Eberhart optimistisch: „Ich
möchte gern glauben, dass die guten Arbeitgeber auch im Tourismus in
der Überzahl sind. Umso wichtiger ist es, dass ihre Vertreter:innen
in der Wirtschaftskammer die aktuellen Vorkommnisse endlich zum
Anlass nehmen, die Branche konsequent zu durchleuchten und gegen
ausbeuterische Betriebe vorzugehen.“