Wien (OTS) – Österreich und die gesamte EU hatte in den letzten
Jahren zunehmend
mit Arzneimittelengpässen zu kämpfen. Betroffen sind immer wieder
auch essenzielle Medikamente wie Antibiotika, Insulin sowie Schmerz-
und Fiebermittel. Mit der Einigung der EU-Gesundheitsminister zum
„Critical Medicines Act“ (CMA) vom 2. Dezember 2025 sollen nun die
strukturellen Schwächen gezielt angegangen werden, um eine
verlässliche Versorgung sicherzustellen.
„Wie bereits in den vergangenen Jahren sind wir auch in diesem
Winter mit Medikamentenengpässen konfrontiert“, sagt Johannes
Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.
Alles, was diesem chronischen Notstand entgegenwirken kann, sei gut
und notwendig. Die konkrete Umsetzung in den einzelnen
Mitgliedstaaten, einschließlich Österreich, sei jedoch noch offen.
„Es ist die Aufgabe der heimischen Politik, die nationale
Implementierung kritisch zu begleiten, besonders im Hinblick auf
Versorgungssicherheit und ärztliche Entscheidungsfreiheit.“ Die
Engpässe entstehen vor allem, weil es nur wenige Hersteller gibt, ein
Großteil der Medikamente außerhalb der EU produziert wird und das
System in Krisen oder bei hoher Nachfrage nicht stabil genug ist.
„Der Medikamentenengpass ist in den Wintermonaten zum
wiederkehrenden Problem geworden und besorgt uns Ärztinnen und Ärzte
zunehmend“, sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau
der Kurie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Wien. Aktuell stehen
454 Medikamente auf der Liste der Vertriebseinschränkungen des
Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG). „Derzeit ist
der Winter noch mild und wir haben früh mit den Grippe-Impfungen
begonnen. Aber in den kalten Monaten wird der Druck auf die
Versorgungssysteme noch einmal deutlich zunehmen, da Erkältungen,
Grippe und andere Infektionen den Bedarf natürlich erheblich
steigern.“
Insbesondere die Corona-Pandemie hat die Abhängigkeit Österreichs
in der Medikamentenversorgung gezeigt. „Wir müssen uns die Frage
stellen, ob es einen Notfallplan gibt und wir heute für eine neue
Pandemie vorbereitet wären“, gibt Kamaleyan-Schmied zu bedenken.
„Seit Jahren weisen wir Ärztinnen und Ärzte regelmäßig auf die
Versorgungengpässe hin. Nicht zu wissen, ob passende Medikamente
verfügbar sind, ist für ein wohlhabendes Land wie Österreich
inakzeptabel.“ Immer wieder abklären zu müssen, ob und wo spezielle
Medikamente – etwa in Kinderdosierung – verfügbar sind, ist sehr
zeitaufwendig. „Dabei investieren wir wertvolle Zeit, die wir
dringend für unsere Patientinnen und Patienten benötigen.“
Gerade Wien als Hauptstadt mit hohem Patientenaufkommen benötigt
eine stabile Versorgungssicherheit. Dies kann nur durch eine
Gesamtstrategie erreicht werden, die Österreich als
Produktionsstandort attraktiv macht. „Es kann nicht sein, dass die
Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zwischen wirtschaftspolitischen
und Industrieinteressen auf der Strecke bleibt“, mahnt Präsident
Steinhart und fordert, medizinische Belange über Eigeninteressen zu
stellen. „Die Politik muss konsequent und rasch in den zügigen Ausbau
der heimischen und europäischen Arzneimittelproduktion investieren.“