„kulturMontag“: Kunstkrimi um Gustav Klimt, Fall Can Dündar, John Irvings „Königin Esther“

Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am
17. November
2025 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON befasst sich anlässlich der
bevorstehenden spektakulären Sotheby’s-Auktion der Kunstsammlung des
Estée-Lauder-Gründers und Kunstmäzens Leonard Lauder mit dem ewigen
Hype um die Werke Gustav Klimts, von denen gleich drei in New York
versteigert werden. Live dazu im Studio ist der Direktor der Klimt-
Foundation, Peter Weinhäupl. Die Sendung thematisiert außerdem u. a.
den Kampf um Meinungsfreiheit anhand des Falls des im deutschen Exil
lebenden türkischen Journalisten Can Dündar, der dazu ein Buch
verfasst hat. Weiters geht es auch um John Irvings neuen Roman
„Königin Esther“, der im Wien der 1960er Jahre angesiedelt ist.
Anschließend an das Magazin stehen anlässlich des 21. Best Austrian
Animation Festival (BAAF) „Frame für Frame – Animationskurzfilme aus
Österreich“ (23.30 Uhr) auf dem Programm.

Klimt – Der ewige Goldjunge? – Neuer Weltrekord und ein Kunstkrimi

Es könnte eine Jahrhundertauktion werden, wenn bei Sotheby’s in New
York kommenden Dienstag die legendäre Sammlung des kürzlich
verstorbenen Kunstmäzens Leonard Lauder unter den Hammer kommt.
Meisterwerke von Monet über Matisse bis Jean-Michel Basquiat in
Millionenhöhe hatte der Sammler, der das Kosmetikunternehmen Estée
Lauder zu einem Weltkonzern aufgebaut hat, in seinem Besitz.
Lediglich 24 Positionen sollen rund 400 Millionen US-Dollar bringen,
gewichtige wie teure Arbeiten. Zu den absoluten Topwerken, die neue
Rekorde setzen sollen, zählen drei Gemälde von Gustav Klimt – eine
mosaikartige „Blumenwiese“, das Landschaftsbild „Waldabhang in
Unterach am Attersee“ und das Porträt „Elisabeth Lederer“. Diese drei
Bilder allein sollen insgesamt 300 Millionen erzielen – letzteres,
für das gar satte 150 Millionen erwartet werden, könnte damit sogar
Klimts „Goldene Adele“ toppen, die Leonard Lauders Bruder Ronald um
135 Millionen US-Dollar für die Neue Galerie in New York 2006 gekauft
hatte.
Auf der anderen Seite des Teichs dreht sich rund um Gustav Klimt eine
ganz andere, aufsehenerregende Geschichte – ein wahrer Kunskrimi um
das verloren geglaubte Klimt-Porträt eines afrikanischen Prinzen. Dem
österreichischen Kunsthistoriker und Klimt-Experten Alfred Weidinger
gelang es nach jahrzehntelanger Suche, den Porträtierten als Prinz
William Nii Nortey Dowuona aus Ghana, Stammesoberhaupt der Osu, zu
identifizieren. Seit seiner Entstehung hat das Gemälde eine
abenteuerliche Reise hinter sich, galt Ende der 1930er Jahre als
verschollen, kehrte durch Zufall von Ungarn wieder nach Wien zurück
und landete in der renommierten Galerie Wienerroither & Kohlbacher.
Die sensationelle Entdeckung sollte, nach durchgeführter Einigung mit
den Erben des Gemäldes im Frühjahr, um 15 Millionen Euro bei der
Kunstmesse TEFAF in Maastricht angeboten werden. Doch der Verkauf
blieb aus. Nun erhebt Ungarn Anspruch auf das wieder aufgetauchte
Werk, soll es doch illegal außer Landes gebracht worden sein. Nach
einem Ansuchen aus Österreichs Nachbarstaat hat die
Staatsanwaltschaft Wien die Sicherstellung des Gemäldes angeordnet.
Eine Ausfuhrgenehmigung liege zwar vor, jedoch wurde das Bild nicht
als Werk von Gustav Klimt deklariert. Sollte sich die illegale
Ausfuhr bewahrheiten, müsste das Porträt zurück nach Ungarn gebracht
werden. Doch was passiert dann mit den rechtmäßigen Erben, mit denen
sich die Galerie bereits geeinigt hatte? Nachdem Ungarn sich zu dem
sogenannten „Washingtoner Abkommen“, die moralisch-ethische
Übereinkunft, wie man mit NS-Raubgut fair umgeht, bekannt hat, sollte
die Ausfuhr rechtens sein. Der „kulturMontag“ hat zwischen Wien und
Ungarn Nachforschungen angestellt.
Live im Studio diskutiert Clarissa Stadler mit Peter Weinhäupl, Chef
der Klimt-Foundation, über den ewigen Hype um Gustav Klimt, die
magische Anziehungskraft seiner Werke, die Schwierigkeiten der
Provenienz und den möglichen Anspruch Ungarns auf das Gemälde des
Prinzen.

Die Freiheit des Wortes – Der Fall des Journalisten Can Dündar

Ein prominentes Beispiel für den Kampf um die Meinungsfreiheit ist
der türkische Journalist Can Dündar. Der 54-jährige ehemalige
Chefredakteur der Zeitung „Cumhuriyet“, der auch als Autor,
Dokumentarfilmer und TV-Moderator tätig ist, wurde früher bereits
wegen seiner kritischen Berichterstattung inhaftiert und lebt seit
2016 im Exil in Deutschland. Der Grund dafür: 2015 berichtete Dündar
über Munition, die der türkische Geheimdienst MIT im Jahr 2014 per
Lkw an islamistische Milizen in Syrien geliefert haben soll.
Unmittelbar danach stellte Präsident Erdoğan persönlich gegen Dündar
Strafanzeige wegen des Verdachts auf Spionage und forderte darin
lebenslange Haft. Seither gilt der Medienmacher in der Türkei als
Staatsfeind Nr. 1. 2016 wurde er der Veröffentlichung von
Staatsgeheimnissen für schuldig befunden und zu fünf Jahren und zehn
Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Dündar legte Revision ein. 2020
wurde er in Abwesenheit zu 18 Jahren und neun Monaten Haft wegen
Spionage und zu weiteren acht Jahren und neun Monaten wegen
Terrorunterstützung verurteilt. Vom Vorwurf, geheime Informationen
öffentlich gemacht zu haben, wurde er freigesprochen. Das Gericht
ordnete Dündars Festnahme an. Dieser entging er durch seine Flucht
nach Deutschland. Can Dündars Situation wird als Symbol für die
eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gesehen, wo
zahlreiche Medien verboten sowie Journalistinnen und Journalisten
verfolgt werden. In seinem neuen Buch „Ich traf meinen Mörder“ rollt
Dündar seinen Fall erneut auf.

Immer wieder Wien – John Irvings neuer Roman „Königin Esther“

Bestsellerautor John Irving hat eine ausgeprägte Affinität zum
Skurrilen, seine Helden sind sympathische Außenseiter, seine Bücher
wurden mehrfach verfilmt. Etwa „Garp und wie er die Welt sah“ oder
„Gottes Werk und Teufels Beitrag“ – eine mit Michael Caine und Tobey
Maguire hochkarätig besetzte Literaturverfilmung, die Irving auch
einen Oscar für das beste Drehbuch bescherte. Seine Charaktere sind
vielschichtig und eigenartig, mehr handelnd als grübelnd. Seine
Romane beinhalten oft einen selbstironischen Wink sowie einen
autobiografischen Zugang. Etwa in „Bis ich dich finde“, in dem sich
der junge Protagonist mit seiner Mutter auf die Suche nach dem Vater
durch ganz Europa macht. Vor zwei Jahren erschien Irvings 15. Roman,
die Familiensaga „Der letzte Sessellift“ über einen Drehbuchautor und
ein Plädoyer für queere Lebensentwürfe, mit mehr als 1.000 Seiten
auch als das letzte Werk des Autors vermarktet. Aber in der Kunst
folgt auf den Rücktritt schnell das Comeback. Jetzt liefert der US-
Amerikaner mit „Königin Esther“ ein neues Buch und schickt seinen
Helden ins Wien der 1960er Jahre. Und auch hier erinnert der junge
Student nicht zufällig an den Autor selbst. „Königin Esther“ wird als
„Jahrhundertroman“ angepriesen, über Identität, Zugehörigkeit und
darüber, wie die Weltgeschichte unser Leben prägt. Die Story, die um
das jüdische Waisenmädchen Esther Nacht kreist, ist ein flammendes
Plädoyer gegen den Antisemitismus – womit sich Irving einmal mehr auf
die Seite der Ausgegrenzten und Unterdrückten stellt. Der
Schriftsteller, der seit einigen Jahren in Toronto lebt, setzt mit
seiner jüngsten Veröffentlichung auch ein deutliches Zeichen gegen
Trump: Aus Protest gegen die Regierung verzichtet er auf eine US-
Lesereise und will auch in Zukunft keine öffentlichen Auftritte in
den USA geben. Das alles klingt nach klassischen Zutaten für einen
Irving-Roman. Der „kulturMontag“ trifft den 83-jährigen in seiner
Wahlheimat Toronto zum Interview.

„Frame für Frame – Animationskurzfilme aus Österreich“ (23.25 Uhr)

Im Vorfeld des 21. Best Austrian Animation Festival (BAAF) zeigt der
„kulturMontag“ die Vielfalt des Mediums Animation mit einer
handverlesenen Auswahl österreichischer Animationskurzfilme der
vergangenen Jahre. Die neun Werke sind von unterschiedlicher Machart,
darunter klassische 2D-Animation, 3D-Computeranimation sowie Stop-
Motion-Mixed-Media, und wurden gemeinsam mit Branchenkennerinnen und
-kennern sowie Festivalveranstaltern ausgewählt, um einen spannenden
Querschnitt durch die Szene zu präsentieren. Neben den Filmen gibt es
Gespräche mit Filmschaffenden, die einen tieferen Einblick in die
kreativen Prozesse und künstlerischen Visionen bieten.
Abwechslungsreich sind auch die Themen: Der impressionistische 2D-
Animationskurzfilm „Annoyance“ von Sascha Vernik zeichnet den
alltäglichen Wahnsinn im Homeoffice nach. Die Protagonist:innen: ein
chaotischer Komiker, eine pedantische Programmiererin und eine
lästige Fliege.
Die Pilze greifen an! „Shroomsday“ von Daniel Denzer, Marius Oelsch,
Rita Weiss und Alessa Wolfram ist ein hollywoodreifer Blockbuster im
kompakten Format. Der aufwendige, schrille und bunte 3D-
Computeranimationskurzfilm ist skurriler Horror, rasante Action und
morbide Comedy zugleich.
Sebastian Freudenschuss schickt in „Transit“ seinen Protagonisten auf
eine philosophische Reise und stellt die Frage, ob freie Arbeit
überhaupt möglich ist und ob man sich von Kommerz und Kapitalismus
noch emanzipieren kann.
Es ist Tag X für den Koflerbauern, denn die Kirchensteuer ist fällig!
Der Film „Der Steuersünder“ von Manuel Cavaleras ist ein Alpen-
Paranoia-Thriller voller Suspense und Humor rund um den
Verfolgungswahn eines Tiroler Bauern – und im schönsten Tiroler
Dialekt.
Daniela Comarellas berührender Kurzfilm „Nachsaison“ vereint „alte“
Technik mit moderner Animation: Die Figuren sind von Hand gefertigt
und am Computer in Bewegung versetzt. Ein älteres Ehepaar scheint
seine Zuneigung füreinander verloren zu haben. Doch eines Tages am
Strand, nachdem die beiden eingeschlafen sind, geschieht etwas
Unglaubliches.
„The Missing Spots“ erzählt die Geschichte eines Leoparden, der ohne
Flecken auf die Welt kommt – und davon, wie er auf eine kreative Art
damit umgeht, dazuzugehören. Der poetische Kurzfilm von Astrid
Rothaug vereint analoge und digitale Animationstechniken.
Von philosophischen Zwiegesprächen der menschlichen und tierischen
Art handelt „Apfelmus“ von Alexander Gratzer. Es geht um die
wichtigen Dinge im Leben: Freiheit, Existenz – und natürlich:
Apfelmus.
„In Her Boots“ von Kathrin Steinbacher ist ein poetischer
Animationskurzfilm über eine demenzkranke Frau, die mithilfe ihrer
roten Wanderschuhe in fantastische Welten flieht – getragen von
Erinnerung, Imagination und der innigen Bindung zu ihrer Enkelin.
Wie funktionieren die Mechanismen der Macht? Im Stile eines
fröhlichen Erklärvideos zeigt Roberto Robotos 2D-Animationskurzfilm
„How to: Propaganda“ die Tricks der Populisten und Demagogen.