Wien (OTS) – “Das öffentliche Sterben von Niki Glattauer hat viele
Menschen in den
vergangenen Wochen bewegt. Möge er in Frieden ruhen. Viele Beobachter
haben die mediale Begleitung dieses Ereignisses zu Recht als
medienethisch problematisch bezeichnet. Journalistische Verantwortung
muss besonders ernst genommen werden, wenn es um Leben und Tod, um
Identifikationsfiguren, Signalwirkungen sowie um das Risiko der
Bagatellisierung und Nachahmung geht. Bisher haben österreichische
Medien mit großer Sorgfalt darauf geachtet, Suizidberichte so zu
gestalten, dass Nachahmung verhindert wird – eine Praxis, die
konsequent fortgeführt werden muss.” Das sagte heute, Mittwoch, ÖVP-
Menschenrechtssprecherin Abg. Gudrun Kugler anlässlich des heutigen
Tages der Suizidprävention. Am 10. September macht der Welttag der
Suizidprävention auf ein drängendes gesellschaftliches Problem
aufmerksam: Jährlich sterben weltweit über 700.000 Menschen durch
Suizid – in Österreich sind es dreimal so viele wie Verkehrstote.
“Suizidprävention wird nicht durch ‘Salonfähigkeit’ des
assistierten Suizids erreicht. Vielmehr addieren sich diese Fälle zu
den ‘herkömmlichen Suiziden’. Die Forschung zeigt klar: Je leichter
der Zugang, desto stärker sinkt die Hemmschwelle. Gleichzeitig steigt
der Druck auf Betroffene, diese Option zu wählen, um Angehörigen
nicht zur Last zu fallen. So droht die Erosion gesellschaftlicher
Solidarität: Anstatt Beziehungen und Fürsorge zu stärken, etabliert
sich der ‘sozial verträgliche Frühtod’ als Option – und wird durch
solche mediale Darstellung weiter normalisiert”, gibt Kugler zu
bedenken und meint, dass in der aktuellen Berichterstattung Stimmen
der Hoffnung und Solidarität, etwa aus der Hospiz- und
Palliativmedizin oder der Suizidprävention, genauso fehlten wie
Hinweise auf die Vielzahl an Hilfsangeboten.
Die Beispiele Niederlande und Belgien würden zeigen, dass Grenzen
nicht halten: Assistierter Suizid und Euthanasie wurden dort Schritt
für Schritt ausgeweitet und zunehmend als gesellschaftliche
Normalität akzeptiert. Damit verschiebe sich die Wahrnehmung:
Krankheit, Alter oder gar “Unproduktivität” würden immer häufiger als
Gründe für den “logischen” Zugang zu einem assistierten Suizid
verstanden. Dies verstärkt den Druck auf Menschen, die sich in einer
leistungsorientierten Gesellschaft ohnehin als Belastung empfinden.
Kugler verweist in diesem Zusammenhang auf folgende Zitate von
Experten: “Ich habe viele Fälle gesehen, in denen ein gewichtiger
Teil des Leidens darin bestand, dass Patienten dachten: Ich bin eine
Last für meine Angehörigen”, so beispielsweise Prof. Dr. Theo Boer,
der zehn Jahre lang im niederländischen Euthanasie-Kontrollausschuss
über 4.000 Fälle mitentschied. Auch der leider bereits verstorbene
langjährige ehemalige Obmann des Hospizvereins Steiermark Dipl.-Ing.
Helmut Strobl betonte: “Das Verlangen nach Sterbehilfe ist überhaupt
nur der Wunsch nach Beendigung eines menschenunwürdigen Zustandes –
und in Wirklichkeit nicht der Wunsch, tatsächlich zu sterben.”
“Unser Ziel bleibt es, gemeinsam mit allen relevanten Akteuren
eine Gesellschaft zu gestalten, in der Menschen ‘an der Hand, nicht
durch die Hand eines anderen’ sterben”, so Kugler abschließend. (
Schluss)