Wien (OTS) – Die Pläne der Bundesregierung, mit den neuen Fächern
„Informatik und
künstliche Intelligenz“ sowie „Medien und Demokratie“ verstärkt
zeitgemäße Kompetenzen zu vermitteln, sind für die ISPA, den Verband
der österreichischen Internetwirtschaft, eine positive Entwicklung.
Generalsekretär Stefan Ebenberger sagt: „ IT-Kompetenz kommt heute
auf dem Arbeitsmarkt gleich nach Lesen, Schreiben und Rechnen, und
sie wird immer gefragter. Und wem kritische Medienkompetenz fehlt,
der ist anfällig für Gerüchte, Falschmeldungen und gezielte
Desinformation – offline übrigens genauso wie online. Wir begrüßen
also die Initiative der Bundesregierung, diese Kompetenzen verstärkt
in der Schule zu vermitteln.“
Zwtl.: Social-Media-Verbot für Jugendliche auf EU-Ebene lösen
Kritisch sieht Ebenberger hingegen die Idee, in Österreich ein
Social-Media-Verbot für Jugendliche einzuführen: „ Wir brauchen keine
Insellösung, sondern eine europäische Regelung. Denn nur auf einer
Basis auf Europarecht können Strafen durchgesetzt werden. Österreich
hat das schon einmal ohne versucht, nämlich beim sogenannten ‚Hass-im
-Netz-Gesetz‘, das der EuGH prompt gekippt hat.“
„Es gilt, die Social-Media-Plattformen für technische Lösungen
einzubinden“, erklärt Ebenberger. „Einige Maßnahmen für mehr
Jugendschutz wurden bereits gesetzt, einige weitere erfolgen gerade
mit der Umsetzung des Digital Services Acts. Die EU verfolgt diese
und arbeitet an weiteren Schritten. Die politische Energie sollte
also in eine europäische Lösung gesteckt werden. Jugendschutz ist zu
wichtig für gutgemeinten Aktionismus.“
Zwtl.: Technische und juristische Fragen offen
Darüber hinaus werfen diese Pläne für den ISPA-Generalsekretär
technische und juristische Fragen auf: „Wenn man nicht will, dass
unser aller Ausweise auf Servern außerhalb Europas landen, wird es
hier eine staatliche Freigabe brauchen. Aber wollen wir wirklich,
dass am Ende der Staat bei jeder nicht jugendfreien Website weiß, wer
diese nutzt? In der EU wird gerade an einer technischen Lösung für
dieses Problem gearbeitet, der geplanten ‚EU Wallet‘. Schnellschüsse
helfen dem Jugendschutz nicht. Hier sind grundrechtlich und technisch
machbare Lösungen gefragt, wir stehen mit unserer Expertise gerne zur
Verfügung.“
Zwtl.: Grundrecht auf Informationsfreiheit gilt auch für Jugendliche
Auch darf man bei einem so wichtigen Ziel wie dem Jugendschutz
nicht vergessen, dass es noch andere wichtige Aspekte gibt.
„Jugendliche haben ein Grundrecht auf Informationsfreiheit, ebenso
wie auf Teilhabe an der Welt, die sie umgibt. Der Jugendschutz sollte
nicht so weit gehen, dass sie von einigen der wichtigsten
Kommunikations- und Wissensplattformen der Welt komplett
ausgeschlossen werden“, sagt Ebenberger.
Zwtl.: Lernen und üben gehören zum Jugendschutz dazu
„ Jugendschutz, der wirkt, braucht mehr als nur Verbote “, so der
ISPA-Generalsekretär. „Es macht wenig Sinn, Social Media unter einem
bestimmten Alter pauschal zu verbieten, und die Jugendlichen nach
einem willkürlichen Stichtag unvorbereitet ins kalte Wasser zu
werfen. In der Medienpädagogik gilt, wie überall sonst auch: Lernen
erfordert die Möglichkeit zu üben. Diese Möglichkeit sollte man den
Jugendlichen auch auf Social Media nicht komplett nehmen, sondern sie
lieber als Eltern und Schulen dabei begleiten. Hier unterstützen wir
sie als Branche und leisten seit Jahren unseren Beitrag.“
Zwtl.: „ Mehr Vertrauen in die Medienbildung! “
„Wir brauchen hier eine seriöse Diskussion und eine
differenzierte, europäische Lösung, die alle diese Ziele gut
ausbalanciert. Einseitigkeit und nationale Alleingänge helfen
niemandem, am wenigsten den Jugendlichen. Wir appellieren daher an
die Politik, gemeinsam effektive und zulässige Lösungen zu finden und
mehr Vertrauen in eben jene Medienkompetenz zu haben, die Sie in der
Schule vermitteln wollen!“