Wien (OTS) – Mitten im endlosen Blau des Pazifiks liegt Hawaii –
einer der
isoliertesten Orte der Welt. Die acht Hauptinseln und mehr als 130
Inseln und Atolle sind rund 3.000 Kilometer vom nächsten Kontinent
entfernt. Die Abgeschiedenheit machte Hawaii zu einem Labor der
Evolution, das „Universum“ in zwei Folgen entdeckt. Die Neuproduktion
„Hawaii – Inseln der wilden Wunder“ zeigt am Dienstag, dem 2. und 9.
Dezember 2025, jeweils um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON die
einzigartige Flora und Fauna der Vulkaninseln. Regie führten Lars
Pfeiffer und Florian Graner, die auch gleichzeitig für die
spektakulären Bilder über und unter Wasser sorgten. Die aufwendige
Naturdokumentation ist eine Produktion von Doclights in
Zusammenarbeit mit ORF, NDR, WDR, ARTE, NHK und ZDF Studios.
Teil 1 beginnt mit dem zerstörerischen Ursprung des Naturparadieses
Hawaii. 40 Jahre dämmerte der gewaltige Vulkan Mauna Loa dahin, bevor
er im November 2022 wieder glühende Lava spuckte. Die Lavaflüsse
wälzen alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Erst der Ozean kann
sie stoppen. Bis heute wächst der Archipel auf diese Weise. Durch
seine isolierte Lage im Pazifik gibt es 90 Prozent der Pflanzen und
Tiere nur auf Hawaii – weltweit einzigartig! Der ʻŌhiʻa-Baum mit
seinen roten Blüten ist Symbol dafür – und zugleich ein spiritueller
Mittelpunkt der hawaiianischen Kultur. Seine Bedeutung erklärt der
Wissenschafter Sam ʻOhu Gon: „Die Blüten sind die wichtigste
Nahrungsquelle für die Kleidervögel. Der ʻŌhiʻa-Baum gilt zugleich
als Manifestation zahlreicher Götter. Wenn ich also einen alten
ʻŌhiʻa sehe, denke ich sofort: Dieser Baum ist vielleicht 400 Jahre
alt – er stand hier schon lange, bevor Captain Cook 1778 die
Hawaiischen Inseln erreichte.“
Doch die Naturidylle ist bedroht. Eingeschleppte Arten wie
Axishirsche aus Indien oder Chamäleons aus Afrika bringen das
ökologische Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht. Wissenschafter:innen
sowie Aktivistinnen und Aktivisten kämpfen um den Erhalt der
Artenvielfallt – an Land und im Wasser. Das Team von „Kuleana Coral
Restoration“ setzt sich zur Rettung der Korallenriffe ein. Kapono
Kaluhiokalani erklärt den Hintergrund ihrer Organisation: „Im
Kumulipo, der Hawaiianischen Schöpfungsgeschichte, ist der
Korallenpolyp das allererste Lebewesen. Das bedeutet, dass die
Koralle unser ältester lebender Vorfahre ist. Aus der Koralle
entstand alles Leben – vom Meeresgrund bis hinauf auf die Berggipfel.
Wir sind alle miteinander verbunden.“
Die Dokumentation verwebt Mythen, Wissenschaft und spektakuläre
Naturaufnahmen – von glosenden Lavafeldern über leuchtende Tiefsee-
Organismen bis zu Buckelwalen, die nach 5.000 Kilometern Reise aus
Alaska in den warmen Gewässern ihre Kälber zur Welt bringen.
Mālama ʻāina – „sich um das Land kümmern“ spielt in Teil 2 der
„Universum“-Produktion eine zentrale Rolle. Der Zoologe Rick Barboza
zeigt, dass der erste Eindruck von Hawaii täuscht: „Ich bin auf
Hawaii aufgewachsen – umgeben von Wald und Ozean dachte ich: Hier ist
alles in Ordnung. Ich kann in den Wäldern wandern, alles ist voller
Bäume. Aber erst als ich lernte zu verstehen, was Hawaii ausmacht,
wurde mir klar: Alles, was ich kannte, dieses schöne, üppige Grün –
war ein invasiver, nicht heimischer Wald.“ Mit einer eigenen
Baumschule versucht Rick, die Natur Hawaiis zumindest zu erhalten.
Mehrere Hibiskusarten sind nur hier zu finden – wie etwa der weiße
Hibiskus. Der einzige, der duftet und ein frisch-süßliches Aroma
verströmt.
Heute ist Hawaii ein Vorbild dafür, wie man aus Fehlern lernen kann.
Das Symbol der Zuversicht ist der hawaiianische Nationalvogel: die
Nēnē. Die Gans war beinahe ausgestorben, die Population erholt sich
nun langsam wieder. Kanadagänse landeten einst auf der Insel und
haben sich über Tausende Jahre zu einer eigenen Art entwickelt. Auch
unter Wasser zeigt sich ein fragiles Ökosystem. Riffmantas,
Hammerhaie und Meeresschildkröten teilen sich die nährstoffreichen
Gewässer. Wie in einem Spa lassen sie sich von Putzerfischen
Parasiten und Ablagerung entfernen. Teilweise arbeiten die
Meerestiere bei der Jagd im Team. Das Leben im Ozean vor Hawaii ist
ein fein abgestimmtes Netzwerk gegenseitiger Abhängigkeiten. Der
„Universum“-Zweiteiler ist eine Hommage an Hawaiis Natur, Kultur und
die Menschen, die beides bewahren. Ein eindringlicher Appell, dieses
Paradies zu schützen – bevor es für immer verloren ist.