Wien (OTS) – „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Rechenzentren
dieser
Größenordnung ohne Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt werden.
Umweltminister Norbert Totschnig muss die anstehende Novelle des UVP-
Gesetzes nützen, damit die Umweltauswirkungen derartiger Projekte
genauso gut geprüft werden wie von vergleichbaren Projekten“, sagt
der Umweltsprecher der Grünen, Lukas Hammer, zur aktuellen Diskussion
um die Errichtung des Google-Rechenzentrum in Kronsdorf.
Das Projekt soll zu einem der größten Rechenzentren des Konzerns
weltweit werden und einen enormen Flächen-, Wasser- und
Energieverbrauch verursachen. Trotzdem war für das Vorhaben bislang
keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.
„Dieses Projekt wird massive Auswirkungen auf den Bodenverbrauch
haben und im Betrieb ein massiver Energiefresser sein. Aber während
Schwarz-Blau in Oberösterreich wertvolles Ackerland durch dieses
Monster-Projekt ohne verbindliche Umweltprüfung zerstören will, wehrt
sich die Koalition gegen jedes einzelne Windrad in ihrem Bundesland.
Der bodenzerstörende Energiefresser geht also in Ordnung und die
saubere Energieproduktion mit wenig Bodenverbrauch wird weiter
politisch blockiert? Diese Doppelmoral ist niemandem mehr zu
erklären“, sagt Hammer.
Auch der netzpolitische Sprecher der Grünen, Süleyman Zorba,
sieht darin ein fatales Signal: „Seit mehr als zehn Jahren setze ich
mich in meiner Heimatgemeinde dafür ein, dass Windkraft endlich
ausgebaut wird. Ich weiß daher aus eigener Erfahrung, wie mühsam und
langwierig jedes einzelne Windrad durch Genehmigungsverfahren
gebracht werden muss. Umso unverständlicher ist es, dass eines der
größten Rechenzentren Europas offenbar ohne vergleichbare
Umweltprüfung auskommt.“
„Niemand stellt in Abrede, dass Österreich digitale Infrastruktur
braucht. Fraglich ist aber auch, ob es der europäischen digitalen
Unabhängigkeit dienlich ist, solche Projekte eines US-Konzerns
bevorzugt voranzutreiben. Wenn für den Ausbau der Erneuerbaren
ständig höchste Hürden gelten, für ein Mega-Rechenzentrum aber
offenbar andere Maßstäbe angelegt werden, verliert die Bevölkerung
das Vertrauen in faire und nachvollziehbare Genehmigungsverfahren.
Für uns gilt: gleiche Maßstäbe für alle Großprojekte. Dort, wo Umwelt
und Ressourcen in diesem Ausmaß betroffen sind, muss
selbstverständlich auch eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung
stattfinden”, betont Zorba.