Wien (OTS) – Mit der heute präsentierten Befragung von
Praktiker*innen im
Sozialbereich widmen sich Caritas und Volkshilfe der sozialen Lage in
Österreich und analysieren die Folgen von Einsparungen für hre
Klient:innen, die häufig zu besonders vulnerablen Gruppen gehören.
Der aktuelle Praxis-Check unter 590 Praktiker*innen im Sozialbereich
zeigt ein alarmierendes Bild: Vier von fünf Befragten (79,9 %) gehen
davon aus, dass ihr Arbeitsbereich von Kürzungen betroffen ist oder
sein wird. Mehr als ein Drittel (37,5 %) hat bereits konkrete
Informationen über Einsparungen, weitere 42,4 Prozent befürchten,
dass es so weit kommt. Aus Sicht der Praxis treffen die Kürzungen
also jene besonders hart, die ohnehin ein erhöhtes Armutsrisiko
tragen. 92,1 Prozent gehen davon aus, dass bereits erreichte
Fortschritte von Klient*innen – etwa beim selbstständigen Wohnen,
Integration oder anderen Aspekten zur Stabilisierung – wieder
verloren gehen könnten. Die Praktiker*innen sehen an erster Stelle
Kinder, Jugendliche und Familien (66,3 %), gefolgt von Menschen im
Asylverfahren oder mit Schutzstatus (42 %).
„Unsere Umfrage zeigt: Die Kürzungen treffen genau jene, die am
wenigsten Spielraum haben. Gleichzeitig wird bei den Angeboten
gespart, die sie stützen. Das ist weder verantwortungsvoll noch
vorausschauend. Not und Armut verschwinden nicht, nur weil die
Budgets dafür gestrichen werden. Sie wird größer, komplexer und
teurer. Die Regierung verschiebt Probleme, statt sie zu lösen. Das
ist sozialpolitisch und ökonomisch falsch. Deshalb sagen wir klar:
Hören wir auf, bei den Ärmsten zu sparen. Prüfen wir jede
Budgetmaßnahme darauf, wen sie trifft. Wir brauchen einen Armuts-
Check. Der Staat muss jene schützen, die besonderen Schutz brauchen.
Und sorgen wir mit einer echten Reform der Sozialhilfe dafür, dass
Menschen von ihr leben können, statt in Existenzangst zu bleiben“ ,
sagt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich.
Zwtl.: Der Druck auf das Sozialsystem wächst
Aus Sicht der befragten Praktiker*innen werden Kürzungen im
Sozialbereich die Lebenslagen vieler Klient*innen spürbar
verschlechtern. Kürzungen verschärfen Notlagen und verursachen
Folgekosten. Die Konsequenzen sind gravierend: 59,8 Prozent der
Befragten erwarten steigende psychische und gesundheitliche
Belastungen, 53,1 Prozent zunehmende Verschuldung und 52,2 Prozent
wachsende Probleme bei grundlegenden Bedürfnissen wie Lebensmitteln.
Fast die Hälfte rechnet mit mehr Wohnungs- und Obdachlosigkeit.
Besonders kritisch: 97 Prozent der Praktiker*innen gehen davon
aus, dass künftig mehr Menschen keine passende Unterstützungsstelle
mehr finden werden. Gleichzeitig rechnen 86,4 Prozent damit, dass
sich Probleme in andere Bereiche wie das Gesundheits- oder
Bildungssystem verlagern, in denen bereits jetzt viele
Herausforderungen bestehen.
„Wenn im Sozialbereich weiterhin stark gekürzt wird, trifft das
Kinder nicht irgendwann – es trifft sie sofort. Weniger Unterstützung
heißt mehr Druck im Alltag auf die Familien und auf vulnerable
Gruppen. Wenn die Politik bei Kindern und Jugendlichen spart, spart
sie an der Zukunft der nächsten Generationen. Das rächt sich
gesellschaftlich doppelt“ , warnt Erich Fenninger, Direktor der
Volkshilfe Österreich. Die Ergebnisse zeigen klar: Kürzungen im
Sozialbereich verschärfen bestehende Ungleichheiten, destabilisieren
Lebenslagen und führen langfristig nicht zu Einsparungen, sondern zu
höheren Kosten in anderen Bereichen. „Das ist sozial ungerecht und es
ist kurzsichtig. Den Preis zahlen wir morgen, in Form von höheren
Gesundheits- und Sozialausgaben, weil sich psychische Belastungen und
Bildungsungleichheit heute verstärken“, sagt Fenninger.
Der gemeinsame Appell der Organisationen lautet, den
Sozialbereich gezielt zu stärken, anstatt ihn weiter auszuhöhlen.
Konkret fordern Caritas und Volkshilfe einen verpflichtenden Armuts-
Check fürs Budget, der den Sparstift nicht bei den ohnehin
vulnerablen Gruppen ansetzt. Der Staat muss hier seine Verantwortung
wahrnehmen und Existenz sichern, statt Existenzangst zu stärken.
www.caritas.at/armut-fakten
News – Volkshilfe Österreich