„Glauben im Untergrund“: „kreuz und quer“-Neuproduktion über die „Geheime Kirche im Kommunismus“

Wien (OTS) – Jahrzehntelang riskieren Christinnen und Christen
während
kommunistischer Herrschaft für ihren Glauben ihr Leben. Die Priester
– und Priesterinnen – der Untergrundkirche der Tschechoslowakei
bleiben dafür aber weitgehend unbelohnt. Die „kreuz und quer“-
Neuproduktion „Glauben im Untergrund – Geheime Kirche im Kommunismus“
von Fritz Kalteis rollt am Dienstag, dem 23. September 2025, um 23.05
Uhr in ORF 2 und auf ORF ON die weitgehend unbekannte Geschichte der
Geheimkirche auf. Um 23.45 Uhr folgt Anita Lackenbergers Film „Eine
Geschichte des heimlichen Widerstands“ über die Verfolgung der
Jesuiten in Tirol unter den Nationalsozialisten.

„Glauben im Untergrund – Geheime Kirche im Kommunismus“ – ein
Film von Fritz Kalteis

Mehr als 20 Jahre lang hatte Gabriel Kožuch, heute Stadtpfarrer
von Neusiedl am See, keine Ahnung vom Doppelleben, das sein Vater
Eduard in der kommunistischen Tschechoslowakei führen musste. Er war
Arzt und Psychotherapeut – aber auch Priester der geheimen
Untergrundkirche. „Er hat in seinem Zimmer spät am Abend die Messe
gefeiert, damit wir das als Kinder nicht erfahren. Ich habe ein paar
Mal einen Kelch oder ein Messbuch gesehen, aber wir haben nie danach
gefragt. Wir haben gewusst, dass wir keine Antwort bekommen würden.
Die Geschichte von Gabriel Kožuch ist typisch für eine ganze
Generation im ehemaligen kommunistischen Osten – vor allem aber in
der Tschechoslowakei. Dort startet bald nach der Machtübernahme der
Kommunisten 1948 ein regelrechter Feldzug vor allem gegen die
katholische Kirche. Kirchliche Schulen und Krankenhäuser werden
geschlossen, Klöster aufgehoben, Geistliche inhaftiert und sogar
getötet. „Es war wahrscheinlich in keinem der osteuropäischen Länder
die Kirchenvernichtungspolitik so aggressiv wie in Tschechien damals,
also in der Tschechoslowakei“, sagt der Theologe Paul Zulehner.

Was von der Tschechoslowakischen Kirche übrig bleibt, wird mit
regimetreuen Geistlichen besetzt. Doch im Untergrund formiert sich
eine Gegenbewegung. Bischöfe weihen für den Fall, dass sie verhaftet
oder getötet werden, Nachfolger, die im Geheimen agieren. Diese
Geheimbischöfe wiederum weihen Dutzende Geheimpriester. Darunter sind
– geweiht vom Geheimbischof Felix Maria Davídek aus Brünn – sogar
einige Frauen. Ludmila Javorová ist bis heute die einzige Frau, die
sich öffentlich zu ihrem Priestertum bekennt. Die meisten Geistlichen
der Untergrundkirche sind aber ehemalige Mönche oder
Priesteramtskandidaten, die aus den offiziellen Seminaren entlassen
wurden. So wie Peter Žaloudek. Über seinen Beichtvater kommt er in
Kontakt mit der Untergrundkirche. Er studiert im Geheimen weiter und
wird Anfang der 1980er Jahre im weniger restriktiven Polen vom
Warschauer Erzbischof zum Priester geweiht. Danach organisiert
Žaloudek den Schmuggel geistlicher Literatur von Polen in die
Tschechoslowakei: „Natürlich hatte ich Angst, aber irgendjemand
musste das ja machen. Ich wusste, ich brauche dazu junge Menschen,
die nicht verheiratet sind und keine Kinder haben, denn wenn sie uns
erwischen, wäre es eine Tragödie für die Familie.“ Tatsächlich werden
drei von Žaloudeks Kameraden 1983 gefasst. Sie hatten bei einem
plötzlichen Wintereinbruch an der grünen Grenze zu Polen
verräterische Spuren im Schnee hinterlassen. Žaloudek war zu diesem
Zeitpunkt schon nach Österreich geflüchtet und macht sich Vorwürfe:
„Ich dachte, ich werde krank von der Vorstellung, was passiert ist.
Das ganze Jahr waren sie im Gefängnis. Zwei von ihnen haben auf der
Universität studiert, die haben sie natürlich rausgeschmissen.“
Andere bezahlen ihr Engagement sogar mit dem Tod: Der
Untergrundpriester Přemysl Coufal wird für seine Verbindungen mit dem
Vatikan ermordet. Offiziell hat er Selbstmord begangen.

Für „kreuz und quer“ zeichnet Regisseur Fritz Kalteis die bei uns
wenig bekannte Geschichte der Untergrundkirche nach – und auch deren
Verbindungen nach Österreich, die über den ehemaligen Wiener
Erzbischof Kardinal Franz König gelaufen sind. Der Film thematisiert
auch die bittere Enttäuschung vieler Geheimpriester nach dem Fall des
Kommunismus. Die Hoffnungen sind groß, dass die Angehörigen der
Untergrundkirche nach 1989 auch eine Rolle in der offiziellen Kirche
spielen können. Doch der Vatikan erkennt viele der im Untergrund
gespendeten Weihen nicht an. Auch Gabriel Kožuchs Vater bleibt außen
vor: „Mein Vater wollte in seiner Pension im Krankenhaus Seelsorge
machen, aber das wurde ihm nicht erlaubt“. Auch die Geheimpriesterin
Ludmila Javorová wartet bis heute auf die Anerkennung ihrer Weihe.
„Man hat gesagt, das sind kirchenrechtlich keine gültigen Weihen
gewesen. Aber man hätte wenigstens ein Dankeschön sagen müssen für
die Lebensleistung dieser Persönlichkeiten, die ihren Kopf für die
Kirche hingehalten haben“, kritisiert Paul Zulehner. Gabriel Kožuch
verwendet heute als Stadtpfarrer von Neusiedl den Messkelch des
ermordeten Geheimpriesters Přemysl Coufal. Sein Vater hat ihn vor den
Kommunisten versteckt. So hält Kožuch das Vermächtnis der
Untergrundkirche lebendig: „Wenn ich daran denke, welche Menschen
diesen Kelch in der Hand gehalten haben, was sie bereit waren für den
Glauben zu tun, dann ist das für mich auch eine große Ermutigung“.

„Eine Geschichte des heimlichen Widerstands“ – ein Film von Anita
Lackenberger

Die Verfolgung der Jesuiten in Tirol unter den
Nationalsozialisten ist bis heute ein kaum beleuchteter Teil der
Geschichte. Warum sie ins Visier des NS-Regimes gerieten, zeigt die
Doku von Anita Lackenberger. Dabei beleuchtet sie nicht nur den
heimlichen Widerstand der Jesuiten, sondern erzählt auch die
Geschichte einer beinahe vergessenen Frau, die mit ihrer Zivilcourage
mutig gegen die Verfolgung des Ordens auftrat.