FOPI zu Heilmittelreport: Konstruktiver Dialog braucht valide Fakten

Wien (OTS) – „Kritische Auseinandersetzung mit steigenden Ausgaben im
Gesundheitsbereich ist sinnvoll und ganz in unserem Sinne“, sagt
MMag. Astrid Jankowitsch, Generalsekretärin des Forums der
forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI). „Aber
der Diskurs muss auf validen Daten beruhen.“

In der aktuell laufenden Diskussion rund um die Veröffentlichung
des Heilmittelreports des Dachverbands würden, so Jankowitsch,
essenzielle Aspekte nicht berücksichtigt oder irreführend dargestellt
werden. „Im Sinne eines konstruktiven Dialogs ist es uns daher
wichtig, diese Punkte klarzustellen und wesentliche Fakten
nachzuliefern.“

So umfassen die im Heilmittelreport ausgewiesenen
Heilmittelausgaben von 4,96 Mrd. Ꞓ nicht nur Arzneimittel, sondern
auch Zahlungen für magistrale Zubereitungen sowie Großhandels- und
Apothekenspannen. Zudem bleiben Rückzahlungen der pharmazeutischen
Industrie über sogenannte Preismodelle in Höhe von knapp 600 Mio. Ꞓ
unberücksichtigt. Berücksichtigt man diese Faktoren, reduzieren sich
die tatsächlichen Ausgaben für Arzneimittel der Industrie auf rund
3,4 Mrd. Ꞓ.

Zwtl.: Bei Zugang zu Innovationen nur im Mittelfeld

Auch die Angaben zur Verfügbarkeit neu zugelassener Arzneimittel
rückt die FOPI-Generalsekretärin in ein anderes Licht: Österreich
rangiert hier keineswegs unter den führenden Ländern Europas. Die vom
unabhängigen Consulting-Unternehmen KWPC erstellte Analyse “Time to
Patients“ zeigt nachweislich, dass Patient:innen in Österreich 438
Tage auf innovative Medikamente – von der Zulassung bis zur Aufnahme
in den EKO – warten müssen (Neuzulassungen 2021 bis 2024). Zudem
gelangen nur 53 Prozent der prinzipiell geeigneten, neuen
Arzneimittel in die Regelversorgung. Und satte 93 Prozent der neu
aufgenommenen Medikamente unterliegen einem Preismodell, was die
hohen Rückzahlungen von knapp 600 Mio. Ꞓ erklärt. „Die Argumente im
Heilmittelreport basieren bedauerlicherweise auf der unbereinigten
Version des EFPIA WAIT Indicator, wodurch ein falscher Eindruck
entsteht“, meint Astrid Jankowitsch.

Zwtl.: Globale Verwerfungen verlangen anderen Fokus

„Abgesehen davon, dass die Auseinandersetzung derzeit auf Basis
verzerrter Bilder geführt wird, verlieren wir auch den Blick fürs
große Ganze“, unterstreicht die Vertreterin der forschenden
Pharmaunternehmen. „Vor dem Hintergrund globaler Verwerfungen muss es
vielmehr darum gehen, den Zugang zu innovativen Arzneimitteln im
Interesse der österreichischen Bevölkerung und der Volksgesundheit
nachhaltig abzusichern.“

Österreich verfügt über exzellente Forschungseinrichtungen,
starke medizinische Zentren und eine hervorragende Ausgangsbasis, um
auch künftig zu den führenden Ländern beim Zugang zu medizinischer
Innovation zu zählen. Durch die gezielte Weiterentwicklung der
Rahmenbedingungen kann diese Position nachhaltig gestärkt und
ausgebaut werden. „Aber dazu müssen wir uns bekennen, und um das zu
erreichen, müssen wir handeln. Europa und Österreich stehen jetzt vor
dieser Entscheidung – und wir sollten sie auch treffen.“