Eierknappheit in Österreich: Heimische Eierversorgung ist ein Erfolgsmodell – aber keine Selbstverständlichkeit

Wien (OTS) – Leere Eierregale im österreichischen Lebensmittelhandel
rund um
Weihnachten sorgten vielerorts für Verwunderung. Gleichzeitig machten
sie deutlich: Eine verlässliche Vollversorgung mit hochwertigen,
heimischen Eiern ist keine Selbstverständlichkeit. Dabei gilt der
österreichische Eiermarkt seit dem Ausstieg aus der Käfighaltung im
Jahr 2009 europaweit als Vorzeigemodell.

Die Nachfrage nach heimischen Eiern steigt seit Jahren
kontinuierlich. Ausschlaggebend dafür sind der im EU-Vergleich
einzigartige hohe Tierhaltungs- und Umweltstandard in der
österreichischen Legehennenhaltung sowie das klare Bekenntnis des
Lebensmitteleinzelhandels zu Qualität und Herkunft. So bietet der
heimische Lebensmitteleinzelhandel ausschließlich österreichische
Frischeier mit dem AMA-Gütesiegel an.

Die heimische Produktion ist entsprechend darauf ausgerichtet,
den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel auch zu Spitzenzeiten
zuverlässig mit heimischen Eiern zu versorgen – was im Regelfall auch
gelingt. Doch externe Faktoren können das fein austarierte System
rasch aus dem Gleichgewicht bringen. Die in anderen europäischen
Ländern grassierende Vogelgrippe verursacht regelmäßig
Angebotsengpässe, die Österreich zwar nicht direkt treffen, sich aber
indirekt auf den Markt auswirken. Gastronomiegroßhändler erhalten
ausländische Eier dann nur zu stark erhöhten Preisen. In der Folge
deckt sich die heimische Gastronomie vermehrt im
Lebensmitteleinzelhandel mit Eiern ein. Dieser zusätzliche, für die
Geflügelwirtschaft kaum kalkulierbare Mehrbedarf legt strukturelle
Schwachstellen im Gesamtsystem offen.

Vom Küken bis ins Regal: Eier haben eine Vorgeschichte
Was vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht bekannt ist: Bevor
ein Ei im Regal liegt, durchläuft es einen langen, exakt geplanten
Prozess. Dieser beginnt in der Brüterei, führt über die
Junghennenaufzucht zur eigentlichen Legehennenhaltung und
Eiererzeugung. Anschließend erfolgen die gesetzlich streng
kontrollierte Sortierung und Qualitätsprüfung in der Eierpackstelle
sowie eine hoch zeitsensible Logistik, die frische Eier innerhalb
kürzester Zeit in den Handel bringt.

Alle diese Stufen sind eng miteinander verzahnt. Verzögerungen
oder Ausfälle lassen sich kaum kurzfristig kompensieren.
„Produktionssteigerungen sind mittelfristig nur möglich, wenn
langfristige Partnerschaften zwischen Produzenten, Vermarktern und
Abnehmern bestehen. Hohe Investitionen in tier- und umweltfreundliche
Legehennenhaltung werden nur dann getätigt, wenn der Absatz
nachhaltig abgesichert ist. Kurzfristig – bis Ostern – ist daher kaum
mit einer Entspannung am Eiermarkt zu rechnen. Nach Ostern wird sich
die Situation allerdings wieder normalisieren“, erklärt GWÖ-Obmann-
Stellvertreter DI Heinz Schlögl.

Hoher Selbstversorgungsgrad – mit klaren Grenzen
„Mit knapp 7,5 Millionen registrierten Legehennen und rund 1,5
Millionen Legehennen in der Kleinsthaltung können wir rechnerisch für
jede Österreicherin und jeden Österreicher eine Legehenne halten. Wir
produzieren jährlich rund 2,3 Milliarden Eier und decken damit etwa
90 Prozent des heimischen Bedarfs. Dass Österreich heute weitgehend
mit Eiern aus eigener Produktion versorgt werden kann, ist das
Ergebnis jahrelanger Arbeit und bewusster Entscheidungen entlang der
gesamten Wertschöpfungskette“, betont GWÖ-Obmann-Stellvertreter DI
Heinz Schlögl.

Eine vollständige Selbstversorgung ist unter den derzeitigen
Rahmenbedingungen jedoch nicht realistisch. Ein zentraler Grund dafür
ist die fehlende Transparenz hinsichtlich Herkunft und Haltungsform
von Eiern in der Gastronomie sowie in der Lebensmittelindustrie. In
diesen Bereichen bleiben Konsumentinnen und Konsumenten über Qualität
und Herkunft der verwendeten Eier weitgehend im Unklaren.
Entsprechend werden dort häufig günstige Importware aus deutlich
niedrigeren Haltungsstandards – unter anderem aus Käfighaltung –
eingesetzt.

Kommt es infolge der Vogelgrippe zu Engpässen am europäischen
Markt und steigenden Preisen, wird kurzfristig wieder verstärkt auf
heimische Eier zurückgegriffen. Nachhaltige und planbare
Partnerschaften lassen sich auf diese Weise für die
Geflügelwirtschaft kaum realisieren.

Qualität und Verlässlichkeit brauchen und faire Spielregeln
„Die heimischen Eierproduzenten und Vermarkter stehen für Qualität,
Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein – gegenüber unseren
Kundinnen und Kunden ebenso wie gegenüber Tieren und Umwelt. Wir
wünschen uns langfristige, planbare Partnerschaften. Wir bieten nicht
den billigsten Preis, sondern höchste Standards und
Versorgungssicherheit im Interesse der Österreicherinnen und
Österreicher“, betont der Obmann der EZG-Frischei, Günther Wenninger.

Um Versorgungsengpässe künftig besser abfedern zu können, braucht
es daher klare politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu
zählt insbesondere eine verpflichtende Herkunfts- und
Haltungskennzeichnung von Eiern und Eiprodukten in der Gastronomie
sowie in der Lebensmittelverarbeitung. Transparenz schafft Vertrauen,
stärkt bewusste Kaufentscheidungen und ist eine wesentliche
Voraussetzung für eine stabile, nachhaltige Entwicklung der
heimischen Eierversorgung.