Wien (PK) – „Zensur und Ideologisierung – die Freiheit in Gefahr!“
lautete das
diesjährige Thema des Dinghofer Symposiums, das gestern Abend im
Parlament in Kooperation mit dem Dinghofer-Institut abgehalten wurde.
J. Michael Rainer, emeritierter Universitätsprofessor der Universität
Salzburg, beleuchtete in einem Vortrag „Die Freiheit als Grundlage
einer jeden Gesellschaft von der Antike bis heute“. Verliehen wurden
im Rahmen der Veranstaltung die Franz-Dinghofer-Medaille an den
Biochemiker Gunther Pendl sowie der Franz-Dinghofer-Medienpreis an
den Leopold-Stocker-Verlag bzw. an den Verleger und Publizisten
Wolfgang Dvorak-Stocker.
In seinen Eröffnungsworten wies Nationalratspräsident Walter
Rosenkranz auf die Gedenktafel am Parlament hin, die den damaligen
Präsidenten der provisorischen Nationalversammlung von 1918 gewidmet
sei – Karl Seitz, Jodok Fink und ebenso Franz Dinghofer. Die Tafel
sei 1994 vom damaligen Nationalratspräsidenten Heinz Fischer enthüllt
und „auch von meinem Amtsvorgänger“ im Zuge der Sanierung des
Parlamentsgebäudes beleuchtet worden. Gedenkkultur sei wichtig. In
letzter Zeit gewinne er jedoch den Eindruck, dass sich auch eine
„Erregungs-, Skandalisierungs- und Verleumdungsunkultur“
einschleiche, ging er auf Kritik am Symposium ein. Dinghofer könne
man mit „Fug und Recht“ als „einen der Geburtshelfer der Ersten
Republik“ bezeichnen, so Rosenkranz. Das Symposium finde seit 15
Jahren auf Einladung der Dritten Nationalratspräsidenten im Parlament
statt. Auch der gewählte Tag der Veranstaltung sei aufgrund der
zeitlichen Nähe zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 kritisiert
worden: Das Dinghofer-Institut habe sich immer an der zeitlichen Nähe
zur Republiksgründung orientiert, hielt Rosenkranz fest. Klar
festzuhalten sei außerdem, dass Antisemitismus in diesem Haus keinen
Platz habe. Da ein Nationalratspräsident für alle Parteien da sein
sollte, gelte es, auch die Abgeordneten der Freiheitlichen nicht
auszuschließen, von denen viele heute anwesend seien. Er habe nicht
vor, irgendeine Veranstaltung im Haus abzusagen, auch nicht solche,
wo er selbst kritisiert werde. Das sei sein Zugang zu seinem Begriff
der umfassenden Freiheit, „lateinisch auch Libertas genannt“, so
Rosenkranz.
Martin Graf, Nationalratsabgeordneter und Präsident des Dinghofer
-Instituts, erklärte in seiner Begrüßung, Dinghofer sei ein
bedeutender Politiker in der Zeit der „Republikwerdung“ gewesen, in
den Geschichtsbüchern sei aber wenig bis gar nichts über ihn zu
lesen. Das Dinghofer-Institut habe es sich zur Aufgabe gemacht,
Dinghofer und anderen zu jenem Stellenwert zu verhelfen, den diese
Politiker verdienen würden. Von Dinghofer werde tendenziös ein
falsches Bild als Nationalsozialist und Antisemit gezeichnet, das
nicht zutreffe. Dinghofer sei zwar für den Anschluss an Deutschland
gestanden, dieser Trend sei damals aber keiner einzelnen Person
anzulasten – sondern die Verantwortung trage das damalige gesamte
politische Establishment. Dass Dinghofer 1938 seinen Posten räumen
musste und eine große Liegenschaft von den Nationalsozialisten
enteignet worden sei, werde von Kritikern nicht erwähnt. Dinghofer
sei jemand gewesen, den man als Typus der politischen Mitte zu
bezeichnen pflege und der ausgleichend wirkte, so Graf. Das Dinghofer
-Institut weise die Diffamierungen des politischen Erbes Dinghofers
jedenfalls deutlich zurück.
Vortrag über Freiheit von der Antike bis heute
Über „Die Freiheit als Grundlage einer jeden Gesellschaft von der
Antike bis heute“ sprach J. Michael Rainer, emeritierter
Universitätsprofessor der Universität Salzburg. Er lasse es „nicht
auf sich sitzen“, dass die historische Wahrheit in „derart
unverfrorener Weise korrumpiert“ werde, indem Medien berichten
würden, dass heute hier ein „Nazi“ geehrt werde. Erschüttert sei er
über die Zerrissenheit, dass es nicht möglich sei, künftigen
Generationen ein gesichertes Bild über die Republik zu geben. Er
regte an, eine Historikerkommission zu begründen, damit es nicht mehr
vorkomme, dass ein ehrbarer Bürger, Beamter und Politiker dem
Nationalsozialismus zugeordnet werde. In seinem Vortrag beleuchtete
er den Freiheitsbegriff über die historischen Epochen hinweg –
beginnend mit dem antiken Griechenland und dem alten Rom bis hin zum
Begriff Freiheit in Amerika, in Frankreich, in Deutschland und
Österreich vom 17. bis zum 19. Jahrhundert und bis hin zur Jetztzeit.
Die Freiheit sei einzuteilen in politische und persönliche Freiheit,
sagte Rainer. Unter anderem gab er zu bedenken, dass zunehmend jene
Dimension abhanden komme, die seit den Römern als „gute Sitten“
weiterlebe. Für eine freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft halte er es
für lohnenswert, Verbindungen zwischen Anstand, Moral und Freiheit zu
verinnerlichen, damit sie auch in Zukunft ihre Funktion als Hüterin
der persönlichen und politischen Freiheit wahrnehmen könne.
Medaille und Medienpreis verliehen
Im Rahmen der Verleihungen beim Dinghofer Symposium ging die
diesjährige Franz-Dinghofer-Medaille an den Biochemiker Gunther Pendl
sowie der Franz-Dinghofer-Medienpreis an den Leopold-Stocker-Verlag
bzw. an den Verleger und Publizisten Wolfgang Dvorak-Stocker.
Der Kardiologe Jürgen Kammler hob in seiner Laudatio an Gunther
Pendl hervor, dass dieser seit Jahren am Dreh- und Angelpunkt
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft tätig sei. Diese enge Verbindung
der beiden Felder sei eine relevante Notwendigkeit. Pendl hielt
seinerseits fest, dass Wissenschaft eine Trennung von Fakten und
Gefühlen brauche und kritisierte im Zusammenhang mit der Corona-
Pandemie, es sei „Scharlatanerie“ gleichgekommen, seitens der
Wissenschaft moralische Fragen zu beantworten.
Die Laudatio auf den Leopold-Stocker-Verlag hielt Konrad Markward
Weiß, Schriftleiter der Monatszeitschrift „Der Eckart“. In diesem
Verlag würden jährlich mehr als 50 Bücher erscheinen, das Flaggschiff
„Landwirt“ habe mehr als 50.000 Abonnenten, über 100 Personen seien
im Verlag „in Lohn und Brot“, so Weiß. Wolfgang Dvorak-Stocker lobte
er als einen Mann mit außergewöhnlicher Substanz und Haltung. Dvorak-
Stocker ging unter anderem auf die Kritik am Dinghofer-Symposium ein:
Er könne es insofern verstehen, dass dagegen kampagnisiert werde,
weil sich das Menschenbild der Linken und Rechten unterscheide.
Während die Linken davon ausgehen würden, dass der Mensch als „Tabula
rasa“ auf die Welt komme und Prägungen wie etwa Heimat aufgelöst
werden müssten, würden die Rechten davon ausgehen, dass die
allermeisten Menschen diese Prägungen brauchen. Daher dürfe man sich
nicht darüber wundern, dass von Seiten der Linken jedes Mittel
ergriffen werde, um dagegen zu kämpfen.
Die Moderation des Abends hatte der Obmann des Dinghofer-
Instituts, Nationalratsabgeordneter Gerhard Kaniak übernommen. (
Schluss) mbu
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .